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Juni 2009: Feldtag in Trenthorst (Schleswig-Holstein)


Feldtag zum Körnerlegumninosen-Anbau zieht zahlreiche Besucher an

Feldbegehung Mischfruchtversuche
Zum Feldtag in Trenthorst kamen über 120 Besucherinnen und Besucher. Großes Interesse weckten die Mischfruchtversuche zu Wintererbsen mit Raps bzw. Triticale. © Institut für Ökologischen Landbau Trenthorst, Bild: J. Ulverich

Der Einladung des Instituts für Ökologischen Landbau im Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) zum Feldtag am 9. Juni folgten über 120 Landwirte, Berater und Wissenschaftler. Der Feldtag wurde im Rahmen des interdisziplinären Projektes „Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit“ durchgeführt. Gefördert wird dieses „Bodenfruchtbarkeitsprojekt“ durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL). Im Mittelpunkt des Feldtages standen die Themen Anbau von Körnerleguminosen und Bodenbearbeitung, die eng mit Fragen der Bodenfruchtbarkeit verbunden sind. In der Begrüßungsrede stellte Dr. Herwart Böhm vom Institut für Ökologischen Landbau die Schwerpunkte der pflanzenbaulichen Fragestellungen am Institut vor, die sich vor allem mit der Optimierung des Ölpflanzenanbaus, des Kartoffelanbaus und des Körnerleguminosenanbaus im ökologischen Landbau befassen.

"Masterplan Körnerleguminosen"

Blühende Erbsen
Erbsen auf einem Versuchsfeld des vTI in Trenthorst. © FiBL, Bild: K.-P. Wilbois

Zu Beginn stellte Prof. Knut Schmidtke von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden seinen „Masterplan Körnerleguminosen“ vor, in dem er den heutigen Kenntnisstand zum Körnerleguminosenanbau praxisnah aufbereitet hat. In langjährig ökologisch wirtschaftenden Betrieben sind oftmals Ertragsdepressionen zu verzeichnen. Dies führt zu einem Rückgang der Körnerleguminosen an der ökologisch bewirtschafteten Ackerfläche. Damit liegt eine vergleichbare Tendenz zum gesamten Körnerleguminosenanbau in Deutschland vor, der seit dem Jahr 1999 von 211.705 ha auf 84.400 ha im Jahr 2008 gesunken ist. Hauptursachen sinkender Erträge im ökologischen Landbau sieht Prof. Schmidtke vor allem bedingt durch einen zunehmenden Befall mit Schaderregern. Die Vielzahl der Schaderreger, die zum Teil bis zu 10 Jahren im Boden überdauern oder auch durch das Saatgut übertragen werden können, führen in der Regel zu Mischinfektionen, die erhebliche Ertragsverluste verursachen können. Daher sind ausreichend lange Anbaupausen von mindestens fünf bis sechs Jahren unbedingt einzuhalten sowie ein Anbau von Lupinen und Wicken in einer Fruchtfolge mit Erbsen zu unterlassen. Außerdem muss unbedingt auf gesundes, keimfähiges und unbeschädigtes Saatgut geachtet werden – entsprechende Testmethoden sollten genutzt werden. Weiter ging Prof. Schmidtke auf die Bedeutung der Unkrautregulierung ein. Eine besonders gute Unkrautunterdrückung ist durch Mischfruchtanbau von Körnererbsen mit Getreide zu erreichen. Ertragreiche Gemenge können durch die Aussaat von 80 bis 100 Prozent der ortsüblichen Reinsaatstärke der Körnerleguminosen mit 20 Prozent der ortsüblichen Reinsaatstärke des Getreidepartners realisiert werden. Des Weiteren zeigen neuere Untersuchungen der Sächsischen Landesanstalt, dass eine frühzeitige, intensive Unkrautregulierung mittels Striegel gute Bekämpfungserfolge aufweist. Aufgrund des Regenerationsvermögens von Erbse und Ackerbohne entscheiden der Bodenzustand und das Entwicklungsstadium des Unkrautes über den Einsatzzeitpunkt des Striegels und nicht das Entwicklungsstadium der Kulturen. Wichtig sei zudem eine ausreichend hohe Geschwindigkeit, um die Unkräuter ausreichend zu verschütten.

Feldversuche

Vorstellung Feldversuche
Projektmitarbeiterin Annkathrin Gronle stellt die Feldversuche vor. © FiBL, Bild: K.-P. Wilbois

Anschließend konnten die Feldversuche besichtigt werden, die von der Projektmitarbeiterin Annkathrin Gronle vorgestellt wurden. Peer Urbatzka von der Universität Kassel-Witzenhausen stellte zu Beginn Erfahrungen und Ergebnisse zum Wintererbsenanbau vor, die er in mehrjährigen Feldversuchen gewonnen hat. Die bislang zur Verfügung stehende Wintererbsensorte EFB 33 ist ein Blatttyp und kann zur Körnernutzung erfolgreich im Mischfruchtanbau mit der Stützfrucht Roggen angebaut werden. In Trenthorst wurde im Herbst letzten Jahres erstmals ein Versuch zum Mischfruchtanbau von Wintererbsen angelegt, in dem Triticale oder Raps als Partner dienen. Wintererbsen könnten auf schwereren Standorten, auf denen eine zeitgerechte Bestellung im Frühjahr immer wieder aufgrund hoher Bodenfeuchte problematisch ist, eine Anbaualternative darstellen. Ein weiteres Ziel besteht darin, auch im ökologischen Landbau Bodenbearbeitungsverfahren mit reduzierter Eingriffsintensität zu etablieren. Daher werden in den Versuchen zwei unterschiedliche Bodenbearbeitungsverfahren eingesetzt; zum einen die tief wendende Bearbeitung mit dem Pflug, zum anderen die flach wendende Bearbeitung mit dem Stoppelhobel. Die Bestände beider Bearbeitungsverfahren präsentierten sich in einem sehr guten Zustand. Über Ergebnisse kann jedoch erst nach der Ernte berichtet werden.
In einem weiteren Versuch sollen Zusammenhänge des Körnererbsenanbaus in Mischkultur mit Hafer im Vergleich zur Reinsaat Erbse in Abhängigkeit von Bodenbearbeitung (tief wendender gegenüber flach wendender Bearbeitung) und praxisüblichen, definierten Bodenverdichtungen (2,6 t und 4,6 t Achslast) hinsichtlich Ertrag, Krankheitsbefall, Unkrautentwicklung und N-Fxierungsleistung der Körnererbse erarbeitet werden. In dem abschließend vorgestellten Versuch wird der Einsatz von kohlenstoffreichen organischen Düngern wie z.B. Grüngutkompost auf die Pflanzengesundheit untersucht.

Maschinenvorführung

Anhänge-Scheibenegge
Anhänge-Scheibenegge „Königsadler“ der Fa. Rabe. © FIBL, Bild: K.-P. Wilbois

Der Abschluss des Feldtages in Trenthorst bildete eine Maschinenvorführung mit sechs unterschiedlichen, flach arbeitenden Bodenbearbeitungsgeräten zum Kleegrasumbruch. Hier übernahm Fachberater Gustav Alvermann vom Ökoring Schleswig-Holstein die fachliche Begleitung. Die Bedingungen waren aufgrund der vorangegangenen Niederschläge, die den Boden in den ersten Zentimetern durchfeuchtet hatten und dem geräumten Kleegrasbestand als nahezu optimal zu bezeichnen. Lediglich der Regen am Tag der Vorführung führte in Abhängigkeit der Geräte zu leicht erhöhtem Schlupf bei den Zugschleppern, da die Kleegrasnarbe oberflächennah etwas zu feucht war.

 

Zum Einsatz kamen folgende Geräte:

  • Stoppelhobel (Fa. Zobel)
  • Schwere Kleeblattscheibenegge „APAV“ (Fa. Quivogne)
  • Anhänge-Scheibenegge „Königsadler“ (Fa. Rabe)
  • Kurzscheibenegge „Rubin“ (Fa. Lemken)
  • Kurzscheibenegge „Field Bird“ (Fa. Rabe)
  • 3-balkiger Sternradgrubber „Komet“ mit Flügelscharen (Fa. Kerner)
Sternradgrubber
Der 3-balkige Sternradgrubber mit Flügelscharen der Fa. Kerner. © Institut für Ökologischen Landbau Trenthorst, Bild: K. Stribrny
Kleeblattscheibenegge
Die Kleeblattscheibenegge AVPV der Fa. Quivogne im Einsatz. © Institut für Ökologischen Landbau Trenthorst, Bild: K. Stribrny

Kein Gerät kann alles – aber jedes hat seine Stärken

Stoppelhobel im Einsatz
Der Stoppelhobel schafft bei sehr flacher, aber ganzflächig schneidender Bearbeitung ein ansprechendes Bearbeitungsbild. © FiBL, Bild: K.-P. Wilbois

Stärken der vorgeführten Geräte:

  • Stoppelhobel: Sauberes flaches Abschneiden, insbesondere auf schwerem Land
  • Mehrbalkiger Flügelschargrubber: Abschneiden, krümeln und einebnen in einer Überfahrt – bei allerdings tieferem Bodeneingriff
  • Kurzscheibeneggen: Schneller erster Arbeitsgang mit allerdings begrenztem Tiefeneingriff und nicht vollständigem Abschneiden
  • Moderne schwere Scheibenegge: Allrounder für alle Einsatzbedingungen – bei anspruchsvoller Einstellung und Handhabung

Den Firmen sei für die Bereitstellung der Geräte für die Vorführung an dieser Stelle ganz herzlich gedankt. Der Dank geht auch an die Fa. Grube aus Barnitz, die Zugschlepper zur Verfügung gestellt hat.

Die Vorführung begann mit dem flach wendend arbeitenden Stoppelhobel. Dieser wurde von Landwirt Ernst Weber, der diesen bereits seit vielen Jahren erfolgreich auf seinem Betrieb in Süddeutschland einsetzt, und Hartmut Heilmann von der BTQ vorgestellt. Der Stoppelhobel unterscheidet sich von allen anderen Geräten dadurch, dass dieser als „Grundbodenbearbeitungsgerät“ eingesetzt werden soll, wobei zwei bis drei Arbeitsgänge erforderlich sind, um eine ausreichende Bodengare zu erreichen. Dabei wird der erste Arbeitsgang möglichst flach, d.h. je nach Bodenbedingungen zwischen vier und sechs Zentimeter tief durchgeführt. Die weiteren Bearbeitungsgänge erfolgen im Abstand von sieben bis zehn Tagen mit einer jeweils etwas tieferen Bearbeitung (8-10 cm bzw. 10-12 cm). Die flache Bearbeitung wird von zwei Stützrädern vorn und hinten am Gerät sichergestellt. Der Stoppelhobel ist ausgestattet mit ganzflächig schneidenden Scharen, die aufgrund ihrer speziellen Bauweise und einer Arbeitsgeschwindigkeit von ca. 8-10 km/h eine wendend und gleichzeitig mischende Arbeitsweise aufweisen, was bei der Vorführung eindrucksvoll bestätigt wurde. Zu beachten ist, dass der Stoppelhobel einen nachfolgenden krümelnden Arbeitsgang zum Beispiel mit einer Kreiselegge benötigt. Das kann auf sehr schwerem Land als Vorteil angesehen werden, da man die Feinarbeit zeitlich besser platzieren kann – je nach Bodenfeuchte nach ein bis zwei Tagen. Auf milderen Böden oder in flächenstarken Betrieben soll aus arbeitswirtschaftlicher Sicht die Schäl- und die Feinarbeit gerne in einer Überfahrt erledigt werden. Hierzu sind bei richtiger Einstellung und langem Rahmenaufbau schwere Scheibeneggen geeignet. Die beiden eingesetzten Geräte dieser Bauart erledigten diese Arbeit gut. Die Kleeblatt-Scheibe an dem französischen Gerät konnte ihren erwartbaren, noch besseren Bodeneinzug nicht unter Beweis stellen, da der Boden in der vollen Eingriffstiefe (8 - 10 cm) durchfeuchtet war.Eine arbeitswirtschaftlich und kostenmäßig noch extensivere Maßnahme stellen moderne Kurzscheibeneggen dar, da sie mit einer deutlich höheren Geschwindigkeit gefahren werden können. Bei bis zu 15 km/h wird der Boden intensiv gekrümelt – es leidet allerdings der Tiefeneingriff. Bei nur einer Überfahrt schneiden diese Geräte die Kleegras-Narbe und auch Wurzelunkräuter nicht sicher ab. Hierzu müsste ein zweiter Arbeitsgang schräg zur ersten Arbeitsrichtung erfolgen.Der mehrbalkige Flügelschargrubber konnte hier wiederum mehr. Die Fläche war auf 10 cm komplett durchgearbeitet und dank der guten Nachlaufwalze mit Schneidmessern zwischen den Ringen gut eingeebnet. Für diese gute Arbeit benötigte der Grubber allerdings einen tieferen Bodeneingriff – was sich augenscheinlich im Zugkraftbedarf zeigte.Sämtliche Geräte hatten einen weiteren Test zu bestehen. Neben der geräumten Kleegras-Parzelle befand sich ein nur grob abgeweidetes Areal mit sperrigem Aufwuchs und herunter getretenen Kleestängeln. Hier kamen die beiden Schar-Geräte (Stoppelhobel und Grubber) an ihre Grenzen und stopften früher oder später. Sperriger unzerkleinerter Aufwuchs ist eine Domäne der Scheibengeräte. Hier sind insbesondere die schweren Scheibeneggen mit langem Rahmenaufbau in ihrem Element.

Panorama Trenthorst

Impressum

Herwart Böhm, Institut für Ökologischen Landbau, Johann Heinrich von Thünen-Institut, Trenthorst
Gustav Alvermann, Ökoring Schleswig-Holstein, Rendsburg