Sie sind hier: Virtuelle Feldtage > September 2009: Feldtag in Frankenhausen

September 2009: Feldtag in Frankenhausen (Hessen)


Hohe Besucherzahlen trotz schlechten Wetters

Besucher im Regen
Die Besucher ließen sich vom Regen zum Glück nicht beirren. © FiBL, Bild: K.-P. Wilbois

Rund 140 interessierte Landwirte, Berater und Wissenschaftler waren am Dienstag, dem 15. September, der Einladung des Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel gefolgt und nahmen am Feldtag auf der hessischen Staatsdomäne Frankenhausen teil. Der Feldtag wurde im Rahmen des interdisziplinären Projektes „Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit“ durchgeführt, das vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau gefördert wird. Im Mittelpunkt des Feldtages standen die Themen Bodenfruchtbarkeit und Bodenbearbeitung, dabei lag ein besonderes Augenmerk auf der flachen Bodenbearbeitung, die im ökologischen Landbau seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Jürgen Heß, wissenschaftlicher Leiter der Staatsdomäne Frankenhausen und Leiter des Fachgebiets Ökologischer Land- und Pflanzenbau begrüßte die trotz des nass-kalten Wetters zahlreich erschienenen Besucher und betonte die Wichtigkeit der Bodenbearbeitung zur langfristigen Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit im ökologischen Landbau

Gerätedemonstration

Häufelpflug
Der Häufelpflug der Firma Böhner-Frost dient zum Anlegen von Dammkulturen. © FiBL, Bild: K.-P. Wilbois

Der erste Programmpunkt, die Felddemonstration verschiedener, innovativer Geräte zur flachen Bodenbearbeitung, fiel buchstäblich ins Wasser. Auf Grund des anhaltenden Regens war es nicht möglich, den Boden zu bearbeiten ohne langfristige Schäden zu verursachen. Zwar konnten die Geräte so nicht in Aktion gesehen werden, sie wurden jedoch auf dem Hof ausgestellt und konnten dort genau in Augenschein genommen werden. Unter Regie von Oliver Hensel lieferten die jeweiligen Hersteller ausführliche Erklärungen zu den Einsatzmöglichkeiten, dem Kraftstoffverbrauch, der Bearbeitungstiefe und den weiteren Vorteilen ihrer Landmaschinen.

Zu sehen waren Geräte zum Anlegen von Dammkulturen, darunter ein Häufelpflug der Firma Böhner-Frost. Die Dammkultur gilt als innovative Technik  für eine schonende und energiesparende Bodenbearbeitung, die gleichzeitig optimale Bedingungen für das Pflanzenwachstum und somit hohe Erträge liefert. Der Häufelpflug bietet die Möglichkeit, Dämme mit unterschiedlicher Höhe und unterschiedlichen Abständen zu formen. An das Basisgerät können außerdem weitere Geräte zur Bodenbearbeitung sowie zur Saat und Pflege der Kultur angebracht werden.

Schälpflug
Der Ecomat der Firma Kverneland ist ein flach wendender Schälpflug. © FiBL, Bild: K.-P. Wilbois


Es wurde auch der Ecomat der Firma Kverneland vorgestellt, ein flach wendender Schälpflug. Der Ecomat ist so konstruiert, dass er leichtzügig und somit Diesel sparend arbeitet und gleichzeitig Pflanzenreste gut einarbeitet. Energiesparend ist auch die Kombination mit dem integrierten Packomat, mit dem in einer Überfahrt gleichzeitig das Sattbett bereitet werden kann.

Auch der Stoppelhobel (Firma Zobel), ein Gerät das im ökologischen Landbau in den vergangenen Jahren zunehmend zum Einsatz kommt, stand zur Begutachtung. Dieses Gerät arbeitet flach wendend. Durch die im Vergleich zum Pflug verkleinerten Streichbleche soll eine gute Durchmischung und geringe Wurfweite erzielt werden. Der Stoppelhobel fördert so eine hohe Tragfähigkeit und damit gute Erträge, sowie die Wasserkapazität und das Bodenleben. Zur Saatbettbereitung ist ein anschließender Einsatz der Kreiselegge sinnvoll.

Von der Firma Heko konnte der Ringschneider zur Bodenbearbeitung begutachtet werden. Dieses Gerät zur flachen Bodenbearbeitung durchtrennt mit den Schneideringen den Boden ganzflächig und legt in gekrümelt ab. Besonderheiten sind die lange Lebensdauer der Schneideringe, das leichtzügige Arbeiten und der sehr geringe Energieverbrauch. Die Firma Heko präsentierte auch eine Grubber-Sämaschine, mit der sowohl die Bearbeitungstiefe des Grubbers als auch die Tiefe der Saatgutablage stufenlos verstellbar sind. Das Gerät beseitigt vor der Saat Kluten und verfestigt nach der Saat das Saatbett.

Nach der Mittagspause wurden erste Ergebnisse aus dem Bodenfruchtbarkeitsprojekt „Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit“ vorgestellt, in dessen Rahmen der Feldtag stattfand.

Versuch: Komposteinsatz gegen Wurzeltöterkrankheit

In seinem Vortrag stellte Dr. Christian Bruns (Universität Kassel, Fachgebiet Ökologischer Land- und Pflanzenbau) die Ergebnisse von Feldversuchen zum Einsatz von Komposten als Reihenapplikation zur Reduzierung der Wurzeltöterkrankheit (Rhizoctonia solani) an Kartoffeln vor. Im ökologischen Anbau tritt immer häufiger ein schwerer Befall mit der Wurzeltöterkrankheit auf, der zu Ertrags- und Qualitätsverlusten sowohl in der Pflanzgutproduktion als auch in Konsumkartoffeln führt. Die unterdrückende Wirkung von Komposten gegenüber R. solani wird vor allem aufgrund der Steigerung der mikrobiellen Aktivität im Boden und der Förderung von mikrobiellen Gegenspielern verursacht. Daher wurde in vier Feldversuchen im Jahr 2006 und 2007 eine Applikation von Grüngutkomposten direkt in unmittelbarer Umgebung der Pflanzknolle als Maßnahme zur Einschränkung des Erregers untersucht. Die Reihenapplikation erfolgte mit einem Universalkastensteuer der Fa. Rauch, Sinzheim, mittels einer eigens entwickelten, modifizierten Auswurfvorrichtung. Durch den Einsatz der Komposte wurden in allen Versuchsansätzen alle R. solani–Symptome (Stängelbefall, Stolonen, Dry Core und Deformationen) um 30 bis 50 Prozent signifikant reduziert. Insbesondere konnte der Anteil der Deformationen an den Ernteknollen durch Kompost um bis zu 50 Prozent gesenkt werden und zeigte einen signifikanten Vorteil von 12 bis 45 dt/ha Mehrertrag im Vergleich zu den Kontrollen. Beim derzeitigen Marktpreis entsprach dies einer Steigerung des Markterlöses von 600 bis 2250 Euro. Neben dem Anbau von Pflanzgut mit möglichst geringem Ausgangsbesatz bietet dieses Verfahren offenbar eine interessante Möglichkeit einer systemimmanenten Kontrolle der Krankheit.

Versuch: Reduzierung der Kratzdistel durch Stoppelhobelbearbeitung

Dr. Thorsten Haase (Universität Kassel, Fachgebiet Ökologischer Land- und Pflanzenbau) stellte die Ergebnisse aus einem seit 2007 laufenden Versuch zur Reduzierung der Kratzdistel durch Bodenbearbeitung mit dem Stoppelhobel vor. Die Kratzdistel kommt vor allem auf nährstoffreichen, gut wasserversorgten Böden vor und verursacht dort zum Teil erhebliche Ertragseinbußen und Qualitätsminderungen. Im Versuch wird überprüft, ob die Bodenbearbeitung mit dem Stoppelhobel den Distelbefall reduzieren kann. Dazu wurde diese Bearbeitungsweise mit der praxisüblichen Bearbeitung mit Grubber und Pflug und mit dem distelreduzierenden Luzernegrasbau als Kontrolle verglichen. Im ersten Jahr war der Distelbefall auf den mit dem Stoppelhobel bearbeiteten Flächen etwa 3mal so groß wie auf den Kontrollflächen mit Luzernegras. Bei der praxisüblichen Behandlung war der Befall aber nur 1,5mal so groß wie auf den Kontrollflächen. Im zweiten Jahr nahm der Distelbefall bei beiden Bearbeitungsvarianten im Vergleich zur Kontrolle weiter zu. Bei der Stoppelhobelbearbeitung war der Neubefall im Vergleich zum Vorjahr zwar geringer als bei der praxisüblichen Bearbeitung, insgesamt gesehen war der Distelbefall bei der Stoppelhobelbearbeitung aber weiterhin am größten. Gleichzeitig sank auch der Ertrag von Weizen bzw. Triticale bei Stoppelhobelbearbeitung. Allerdings tritt die positive Wirkung der Stoppelhobelbearbeitung erst einige Jahre nach Umstellung auf flache Bearbeitung auf, weitere Ergebnisse sind daher abzuwarten.

Versuche zur Bodenbelastung

Vortrag Melanie Wild
Melanie Wild von der Bayerischen LfL hielt einen Vortrag zum Thema Bodenverdichtungen. © FiBL, Bild: K.-P. Wilbois

Melanie Wild von der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Freising berichtete abschließend von ihren Versuchen zur Bodenbelastung, die in vier Regionen Deutschlands durchgeführt werden.

Hohe Bodenbelastungen durch den (falschen) Einsatz von Landmaschinen können zu Verdichtungen im Boden führen, auf die landwirtschaftliche Kulturen mit Ertragseinbußen reagieren. Es werden Versuche durchgeführt, in denen Parzellen mit 2 Tonnen und 4 Tonnen Radlast und angepassten Reifenluftdruck von 0,6 bzw. 1,6 bar vor der Saat überrollt werden. Es soll geklärt werden, welchen Einfluss die durch die Überrollung entstandene Bodenbeanspruchung (Verdichtung) auf die Bestandsentwicklung, das Auftreten von Wurzel- und Sproßkrankheiten, den Schädlingsbefall und das Ertragsniveau von Erbsen, Erbsen-Hafer Gemenge und Hafer haben. Die gewählte Bodenbelastung entspricht Radlasten, die in der Praxis bei der Bestellung (Saatbettbereitung + Saat) auftreten können. Melanie Wild betonte, dass sich bei einer geringeren Radlast der Druck im Boden weniger in die Tiefe verteilt. Außerdem sei es in der Praxis wichtig zu wissen, dass der Reifeninnendruck dem Druck auf den Boden an der Kontaktfläche zum Reifen entspricht. So kann durch Reduzierung des Reifeninnendrucks beim Befahren des Ackers der Boden geschont werden kann.

Podiumsdiskussion mit Praktikern und Forschern

Podiumsdiskussion
Podiumsdiskussion mit (v.l.) Ernst Weber, Josef Braun, Birgit Wilhelm, Uwe Brede und Dr. Harald Schmidt. © FiBL, Bild: K.-P. Wilbois

Im letzten Programmpunkt des Tages, der Podiumsdiskussion zur flachen Bodenbearbeitung im Ökolandbau, konnten die Zuhörer unter der Moderation von Birgit Wilhelm (Universität Kassel, Fachgebiet Agrartechnik) noch einmal ihre Fragen einbringen. Antworten und Einblicke in die pfluglose Arbeitsweise bei unterschiedlichen Herangehensweisen erhielten sie von den Biolandwirten Ernst Weber, Josef Braun und Uwe Brede sowie von Dr. Harald Schmidt (SÖL), langjährigem Koordinator von Praxiserhebungen auf Bio-Betrieben.

Die große Resonanz des Feldtags und die zahlreichen Fragen machen deutlich, dass das Interesse an einer flachen Bodenbearbeitung bei den Biobauern sehr groß ist. Die Frage nach der Unkrautbekämpfung hält jedoch viele ab, dies in die Praxis umzusetzen. Bei dieser Frage wird besonders deutlich, dass die Bodenbearbeitung im Zusammenhang mit der Fruchtfolge, Tierhaltung, Betriebsstruktur und den variierenden natürlichen Gegebenheiten gesehen werden muss. Zur Verringerung des Unkrauts setzt Josef Braun zum Beispiel auf einen hohen Deckungsgrad der Kultur. Dazu sät er Deckfrüchte und verringert den Reihenabstand. Bei Uwe Brede hingegen sind Untersaaten auf Grund der geringen Niederschläge nicht möglich. Er versucht die Ackerwinde über die Fruchtfolge in den Griff zu bekommen und bezeichnet seine Flächen auch als eher unkrauttolerant solange der Anbau sich trotzdem rechnet.  Ernst Weber setzt bei der Distelbekämpfung auf den Stoppelhobel: mindestens zwei Überfahrten in zunehmender Tiefe (maximal 10 cm) spätestens bis Ende September haben sich bei ihm als wirksam erwiesen. Harald Schmidt ergänzte, dass der Disteldruck bei Dammkultur häufig auch geringer sei. Außerdem müsse man darüber nachdenken, ob man bei der Verunkrautung im Ökolandbau dieselben Schadensschwellen ansetzen können wie im konventionellen Anbau. 

Ein generelles Fazit der Diskussion war, dass es auch bei der flachen Bodenbearbeitung keine Universallösung gibt, die auf allen Betrieben funktionieren kann. Jeder Landwirt hat eigene Wege, um die betriebsspezifischen Probleme in den Griff zu bekommen. Die zahlreich zum Feldtag erschienenen Landwirte und ihre rege Beteiligung an den Diskussionen machten wieder einmal deutlich, wie wichtig der Austausch zwischen Forschung und Praxis ist, damit beide Seiten neue Anregungen erhalten.

Impressum

Ann-Kathrin Spiegel, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Deutschland e.V.)
Dr. Christian Bruns, Universität Kassel, Fachgebiet Ökologischer Land- und Pflanzenbau