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Mai 2010: Feldtag in Köllitsch

Der Anbau von Leguminosen nimmt im ökologischen Landbau eine zentrale Rolle bei der Erzeugung eiweißreicher Futtermittel und dem Erhalt der Bodenfruchtbarkeit ein. Dieses Thema stand daher auch beim Feldtag am 21. Mai in Köllitsch im Mittelpunkt, zu dem die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW) sowie das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie des Landes Sachsen eingeladen hatten. Während der Vormittag in kurzen Fachvorträgen den Stand der Wissenschaft vermittelte, war der Nachmittag Maschinenvorführungen und der Präsentation von Feldversuchen gewidmet. In Sachsen werden insgesamt rund 3,6 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet. Das sind 32.000 ha, die von rund 400 Betrieben bewirtschaftet werden. Auf dem Versuchsgut in Köllitsch wird auf rund 90 ha ökologisch produziert.

Leguminosen sind nicht einfach anzubauen, aber die Mühe lohnt sich

Prof. Dr. Knut Schmidtke begrüßt die Besucher auf dem Lehr- und Versuchsgut Köllitsch. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Nach der Begrüßung der rund 100 Besucherinnen und Besucher durch Prof. Dr. Knut Schmidtke von der HTW Dresden (Fachgebiet Ökologischer Landbau) und Ondrej Kunze (Leiter des Lehr- und Versuchsgutes Köllitsch) wurden neue Strategien zur Unkraut- und Krankheitsregulierung, zur Art und Intensität der Bodenbearbeitung sowie der Nährstoffversorgung zur Optimierung des Anbaus von Körnerleguminosen vorgestellt. Die ersten drei Vortragenden waren Mitglieder des Projekts "Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit", das durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Rahmen des Bundesprogramms ökologischer Landbau gefördert wird. Es startete Dr. Harald Schmidt von der Stiftung Ökologie und Landbau (SÖL) mit Einblicken in die Probleme beim Anbau von Körnerleguminosen aus Sicht der Praxis. Er stellte zu Beginn kurz die Standorte vor, an denen Praxisversuche durchgeführt werden. Insgesamt sind es 32 Betriebe, die in den Regionen Norddeutschland, südliches Ostdeutschland, dem Mittelgebirge und dem tertiären Hügelland beteiligt sind. Er wies darauf hin, dass es große Unterschiede bei dem Ernteertrag durch Praxisernte bzw. Handernte gibt. Bei Erbsen und Ackerbohnen kann das bis zu 35 Prozent ausmachen, bei Getreide bis zu 15 Prozent. Schmidt machte deutlich, wie empfindlich Körnerleguminosen sind. „Jeder Fehler wirkt sich aus“, betonte er und empfahl nur auf wirklich geeigneten Schlägen, bei denen der Boden, die Vorfrucht und die Fruchtfolge optimal sind, Körnerleguminosen anzubauen. Wichtig sei auch, gesundes Saatgut zu verwenden und eine möglichst gute Bewirtschaftung zu machen. Dazu gehören u.a. die Bodenbearbeitung, der Saattermin, die Saattiefe und die Unkrautregulierung. Wenn die Bedingungen nicht optimal sind, sollte man lieber auf eine andere Fruchtart ausweichen, gab der Wissenschaftler den anwesenden Landwirtinnen und Landwirten als Tipp mit auf den Weg.

Förderung des Bodenleben fördert die Biokontrolle

Circa 100 Besucher informierten sich auf dem Feldtag zu neuen Erkenntnissen zur Bodenfruchtbarkeit. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Prof. Dr. Maria Finckh von der Universität Kassel (Fachgebiet ökologischer Pflanzenschutz) stellte in ihrem Vortrag mit zahlreichen Bildern die verschiedenen Krankheiten vor, von denen Körnerleguminosen befallen werden können. Sie wies darauf hin, dass die lange Überlebensdauer vieler Erreger im Boden und am Samen nicht der einzige Grund ist, warum Krankheiten oft so schwierig Herr zu werden ist. Es gebe bei den Krankheiten, die Erbsen befallen, häufig noch zahlreiche Alternativwirte unter den Leguminosen. Beispielsweise habe der Erreger Mycosphaerella pinodes, der Wurzel und Blatt bei Erbsen befällt, auch noch andere Wirte wie Wicken, Ackerbohnen, Lupinen, Phaseolus Bohnen, Linsen und Platterbsen. „Fangen Sie frühzeitig an, Ihren Boden gut zu behandeln“, empfahl Finckh, „sonst kann es passieren, dass der Boden lange für den Leguminosenanbau unbrauchbar ist.“ Der Erreger Mycosphaerella pinodes beispielsweise kann bis zu zehn Jahre im Boden überdauern. Auch das Saatgut sollte möglichst frei von Befall sein. Als Möglichkeit zur Regulation des Erregerdrucks wies sie eindringlich auf die Bedeutung des Bodenlebens hin. „Die Förderung des Bodenlebens fördert die Biokontrolle“, sagte Finck.  „Bodenlebenwesen, wie zum Beispiel Regenwürmer, tragen oft direkt zur Krankheitsreduktion bei“, erläuterte sie weiter.  Die Bodenverdichtung schade vor allem Saprophyten und Bodentieren und so würden die Pflanzen letztlich in ihrer Entwicklung gehindert und anfälliger, erläuterte die Wissenschaftlerin. Je weniger Konkurrenz und Gegenspieler Parasiten haben desto besser überlebten sie. Bei guten Lebensbedingungen im Boden seien jedoch die nützlichen Bodenlebewesen den Parasiten überlegen.

Organische Düngemittel im Vergleich

Parzellen mit Grüngutkompost und Pferdemist in der Versuchsanlage der HTW-Dresden 2009.© HTW Dresden, Bild: G. Lux

Über das Thema „Kohlenstoffreiche organische Düngemittel zu Leguminosen“ referierte Guido Lux von der HTW Dresden (Fachgebiet Ökologischer Landbau). Er stellte die Ergebnisse der Versuche vor, in denen Grüngutkompost, Pferdemist und Grünschnitt zu Saatplatterbse, Ackerbohne und Rotklee eingesetzt wurden. Die organischen Düngemittel wurden vor der Aussaat der Leguminosen ausgebracht und flach eingearbeitet, um Wirkungen auf eine temporäre Stickstoff-Immobilisierung im Boden, auf eine erhöhte CO2-Freisetzung aus dem Boden und auf pilzliche Schaderreger zu untersuchen. Die Versuche wurden auf Flächen der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden in Pillnitz durchgeführt. Es zeigte sich, dass alle drei organischen Düngemittel die Ertragsleistung und die symbiontische N2-Fixierleistung von Rotklee steigern können. Bei Rotklee war die stärkste N2-Fixierleistung bei Grüngutkompost zu verzeichnen. Bei den Ackerbohnen konnten in den Varianten Grüngutkompost und Grünschnittgut tendenziell höhere Kornerträge ermittelt werden. Aus den Ergebnissen lässt sich schlussfolgern, dass die untersuchten betriebsfremden organischen Düngemittel als wertvolle Nährstofflieferanten zu Leguminosen einsetzbar sind und zur Nachlieferung organischer Substanz in den Boden beitragen.

Zehn Jahre Ökolandbau im Wasser- und Naturschutzgebiet

Martin Hänsel vom Sächsischen Landesamt stellt den Standort Köllitsch vor. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Als Vorbereitung auf den anschließenden Gang auf die Felder des Versuchsgutes Köllitsch stellte Martin Hänsel vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie den ökologischen Landbau am Standort Köllitsch vor. Seit zehn Jahren wird auf dem Versuchsgut in Köllitsch ein Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet. Dabei werden 47,4 ha Ackerland (Bodenzahl durchschn. 59) und 41 ha Grünland (Bodenzahl durchschn. 44) bewirtschaftet. Die gesamte Fläche liegt im Natur- und Wasserschutzgebiet. Hänsel hob die Artenvielfalt hervor, die dort herrscht: 86 verschiedene Vogelarten brüten in dem Gebiet, zudem gibt es sehr viel Wild. Die Niederschlagsmenge ist 523 mm (2000-2009), die mittlere Temperatur 10,1 Grad Celsius. Die Bodenart ist alluvialer Auelehmboden, teilweise mit Sandbrücken durchzogen. Die gewählte Fruchtfolge hat sich bewährt: Luzerne, Luzerne, Winterweizen, Silomais/Körnermais, Körnererbsen, Triticale/Winterweizen (seit 2008). Außer als landwirtschaftlicher Betrieb ist Köllitsch auch als Lehr – und Versuchsgut aktiv. Über den Anbau von Körnerleguminosen berichtete Hänsel, dass die Erbsen im Versuchsbetrieb „das Tal der Tränen sind.“ Die Erbse hatte trotz geringem Unkrautdruck mit 22dt/ha nie einen besonders guten Ertrag, sagte Hänsel. Dennoch habe die Erbse natürlich in der Fruchtfolge eine ganz wesentliche Funktion. Als Themen der Zukunft nannte Hänsel die Unkrautregulierungen mit elektronischen Steuerungen, die Weiterentwicklung der Mulchsaat, die Verwendung von Luzerne im Betrieb ohne Vieh sowie den Ölpflanzenanbau.

Maschinenvorführungen: Prototyp der Parzellen-Direktsämaschine vorgestellt

Der Rollstriegel ist in vielfältigen Kulturen zur Unkrautregulierung einsetzbar und trägt zur Lockerung des Bodens bei. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois
Ein Highlight der Gerätedemonstraion war die Vorführung des Prototyps einer Parzellen-Direktsämaschine. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Ernst Weber berichtete von seinen Erfahrungen mit dem Stoppelhobel. Nachdem er extreme Probleme mit Wurzelunkräutern hatte, begann er vor 15 Jahren auf seinem Betrieb mit dem Stoppelhobel. Der große Vorteil des Stoppelhobels ist, dass er komplett durchschneidet und gleichmäßig flach arbeitet. Es sollte keine sofortige Bearbeitung mit einem Nachläufer erfolgen. Professor Kahnt bestätigte die Ausführungen durch seine Erfahrungen mit dem Schälpflug. Ob der Stoppelhobel auf dem relativ sandigen Versuchsstandort Köllitsch die ideale Maschine ist, muss sich noch zeigen.

Als weitere Maschinen wurden von Martin Hänsel der Rollstriegel und die Rotary Hoe präsentiert. Während der Rollstriegel durch seine schräge Anordnung nicht nur einsticht, sondern auch etwas striegelt, beschränkt sich die Rotary Hoe auf ein löffelartiges Einstechen. Daher ist klar, dass ihr ursprüngliches Einsatzgebiet das Brechen von Verschlämmungen war. Unkraut wird nur im Keimlings-Stadium bekämpft, so dass in kritischen Phasen eine Bearbeitung pro Woche notwendig sein kann. Martin Hänsel konnte in Versuchen zeigen, dass der Einsatz in Mais schon sehr früh möglich ist und die Pflanzenverluste pro Durchfahrt bei zirka 1 % liegen.

Vorstellung Stoppelhobel © FiBL, Bild K.-P. Wilbois
Vorstellung Rollstriegel © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Der Prototyp der Parzellen-Direktsämaschine konnte trotz der feuchten Bedingungen auf dem Feld vorgeführt werden. Hier wird ohne eine weitere Bodenbearbeitung direkt in die Stoppel mit Strohauflage gesät. Unter normalen Bedingungen sind dafür 100 bis 150 kg Schardruck notwendig, bis zu 500 kg sind mit dieser Maschine möglich. Untersaaten können ebenso wie Dünger gleichzeitig ausgebracht werden.

In den Feldversuchen konnten erste Versuche mit dieser Parzellen-Direktsämaschine besichtigt werden. Die ausgewählten Kulturen waren Rein- und Gemengesaaten der Sommer- und Winterformen von Erbse sowie Lupinen. In den Parzellen zeigte sich, dass sich die Mulchschicht zu schnell abgebaut hatte, so dass ein deutlicher Unkrautdruck sichtbar war. Eine Möglichkeit, diesem Effekt gegenzusteuern, ist die zusätzliche Einsaat einer abfrierenden Zwischenfrucht, z.B. Sommerroggen.

Feldversuche zu Düngemitteln und zur Problematik „Bodenverdichtungen“

Die Effekte von kohlenstoffreichem Grüngutdünger auf Leguminosen konnte im Feld betrachtet werden. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

In den Versuchen, in denen gezielt vor der Aussaat Bodenverdichtungen mit einem Belastungswagen verursacht wurden, waren im aktuellen Stadium beim Hafer Wuchsdepressionen erkennbar. Die Rückverdichtung des Bodens scheint nach der Pflugfurche stärker zu sein als nach einer Bearbeitung mit dem Stoppelhobel. Neben den Effekten im Hafer und in den Erbsen werden die Effekte in der Folgefrucht Weizen gemessen.

Ein weiterer Versuch beschäftigte sich mit den Auswirkungen verschiedener Düngemittel in Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen. Die Gabe von unverrottetem holzreichen Grüngut brachte eine sichtbare Reduzierung des Unkrautwachstums. Die genauen Ursachen für diesen Effekt müssen noch erforscht werden. Ebenso spannend sind die Auswirkungen dieses kohlenstoffreichen Materials auf die Folgefrucht.

 

Vorträge zum Download

Impressum

Marion Morgner, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Deutschland e.V.)
Werner Vogt-Kaute, Naturland-Beratung