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Juli 2010: Feldtag in Esting

Am 6. Juli 2010 fand der von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ausgerichtete Feldtag mit dem Titel "Körnerleguminosen & Bodenfruchtbarkeit" statt. Der Feldtag wurde im Rahmen des interdisziplinären Projektes „Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit“ durchgeführt, das vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau gefördert wird. Das sonnige Wetter sowie die Aussicht auf ein informatives und abwechslungsreiches Programm lockten circa 60 Teilnehmer auf den Bioland-Betrieb Hatzl, dem Ausgangspunkt des Feldtags.

Erste Ergebnisse aus dem Bodenfruchtbarkeitsprojekt

Zahlreiche Teilnehmer kamen bei sonnigem Wetter zum Feldtag in Esting. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Zunächst wurden die Teilnehmer von Dr. Markus Demmel, Leiter der Arbeitsgruppe Ackerbau und Prozesstechnik sowie Koordinator des Arbeitsbereichs Verfahrenstechnik im Pflanzenbau an der LfL, begrüßt. Anschließend übernahm der Gastgeber Andreas Hatzl das Wort. Sein Betrieb wird seit 1999 biologisch bewirtschaftet, der Kartoffelanbau wurde als Schwerpunkt beibehalten. Auf zehn bis 25 Hektar werden Ackerbohnen angebaut. Bei den Erbsen werden nur noch buntblühende Grünfuttertypen angebaut, da diese auf dem Betrieb weniger Probleme mit typischen Erbsenkrankheit wie Ascochyta zu haben scheinen.

Dr. Klaus-Peter Wilbois, Koordinator des Bodenfruchtbarkeitsprojekts, stellte anschließend die Eckdaten des Projekts sowie erste praxisrelevante Ergebnisse vor. So erfuhren die Teilnehmer von den positiven Wirkungen kohlenstoffreicher organischer Düngemittel zu Leguminosen. Diese Düngemittel, wie zum Beispiel Grüngrünschnitt, Grüngutkompost und Pferdemist, sind zum einen wertvolle Lieferanten für Nährstoffe und organische Substanz. Daneben führten diese organischen Düngemittel im Versuch aber auch zu einer Steigerung der Trockenmasse, Ertragleistung und der symbiotischen N2-Fixierung bei Rotklee und Ackerbohnen. Bei der Anwendung von Grünschnittgut konnte außerdem eine deutliche Unkrautunterdrückung beobachtet werden. Außerdem wurden erste Ergebnisse der Differenzialdiagnose vorgestellt, einem neu entwickelten Verfahren zur Eingrenzung der Ursachen von Bodenmüdigkeitssymptomen. Dabei zeigte sich, dass in den meisten Fällen eine „Bodenmüdigkeit“ von Schadorganismen wie Pilze oder Nematoden ausgelöst wird.

Schwerpunkt der LfL sind die Bodenbelastungen

Dr. Markus Demmel stellt den Belastungswagen vor. © FiBL, Bild J. Fuchs

Bevor die Teilnehmer zur Versuchsbesichtigung auf den Feldern aufbrachen, erläuterte Dr. Markus Demmel die Rolle der LfL im Bodenfruchtbarkeitsprojekt. Neben Markus Demmel sind Robert Brandhuber und Melanie Wild an der Arbeit zum Thema „Landtechnische Optimierungen“ beteiligt. Die LfL betreut einen der vier Versuchsstandorte im Projekt und führt Versuche zu den Effekten mechanischer Bodenbelastungen durch. Dabei erfolgen die Belastungsversuche bei Erbsenreinsaat, Haferreinsaaten und bei Erbsen-Hafer-Gemengen. Neben einer unbelasteten Kontrolle werden die Auswirkungen von 2,6 t Radlast bei 0,6 bar und 4,6 t Radlast bei 1,6 bar getestet, die Radlasten sind also im Bereich der guten fachlichen Praxis. Im vergangenen Jahr konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden, teilweise zeigt sich jedoch ein tendenziell geringerer Ertrag bei einer Radlast von 4,6 t. Neben der Versuchsanlage betreut die LfL im Projekt auch die Auswertung von Praxisdaten zur Bodenbelastung, so werden jährlich 1500 Stechzylinderproben von Praxisbetrieben genommen und auf den Bodenzustand analysiert.

Im Anschluss an die theoretische Einführung wurden dann die Belastungsversuche in der Praxis besichtigt. Auf dem Versuchsstandort Egg erhielten die Teilnehmer in drei rotierenden Gruppen Einblicke in die Versuchsanlage, in den Boden unter verschiedenen Belastungen und in die Anpassung des Reifendrucks.

Bei geringerer Radlast kann der Boden 50 Prozent mehr Wasser aufnehmen

Melanie Wild stellt den Belastungsversuch vor. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Melanie Wild bearbeitet den Belastungsversuch und konnte den Teilnehmern interessante Einblicke bieten. Zunächst stellte sie die Eckdaten des Versuchs vor: Es soll herausgefunden werden, wie sich die unterschiedlichen Belastungen auf das Bodengefüge auswirken und ob die negativen Auswirkungen eines belasteten Bodens sich im Gemengeanbau weniger stark als in Reinsaaten zeigen. Dazu wurden folgende Versuchsvarianten angelegt: Es wurden entweder Hafer (Sorte Dominik), Erbsen (Sorte Santana) oder ein Erbsen-Hafer-Gemenge in Parzellen ausgesät, die vier Tage vor der Aussaat mit 2,6 t Radlast und 0,6 bar bzw. 4,6 t Radlast bei 1,6 bar belastet wurden oder unbelastet blieben (Kontrolle). Die Belastung mit 4,6 t entspricht etwa einer praxisüblichen Belastung eines größeren Schleppers mit Säkombination und Frontpacker in ausgehobenem Zustand. Es war zu erkennen, dass sowohl bei den Reinsaaten als auch beim Gemenge die Pflanzen auf den unbelasteten Parzellen wüchsiger waren als auf den belasteten Parzellen. Bei den mit 2,6 t belasteten Parzellen war das Wachstum aber weniger stark gehemmt als auf mit 4,6 t belasteten Parzellen. Dies sind allerdings nur optische Eindrücke, die Ertragsmessungen werden nach der Ernte zeigen, ob dieser Eindruck zutreffend war.

Sehr eindrucksvoll war auch die Auswirkung von Bodenverdichtung auf die Infiltrationsrate, die ein Maß für die „Verdaulichkeit“ des Bodens für Niederschlagswasser darstellt. Bei einer höheren Infiltrationsrate kann in der gleichen Zeit mehr Wasser vom Boden aufgenommen werden, was in der Konsequenz entscheidend zu weniger Erosion beitragen kann. Melanie Wild stellte vor, dass im Versuch die Infiltrationsrate des mit 4,6 t belasteten Bodens um 50 Prozent geringer war als bei der unbelasteten Kontrolle. Um dies zu ermitteln wurden Zylinder in den Boden eingesetzt, die das Ansetzen einer kleinen Wassersäule ermöglichen. Die Abnahme der Wassersäule pro Zeiteinheit kann so leicht ermittelt werden. Generell standen die Erbsen im Versuch recht schlecht da und zeigten deutliche Anzeichen von Fußkrankheiten. Dies war aber durch die sehr enge Fruchtfolge (jedes dritte Jahr Erbsen) bewusst provoziert worden. Die buntblühenden Sorten Livioletta und Arvika, die im Randstreifen ausgesät worden waren, boten zwar auf den ersten Blick einen wüchsigeren und dichteren Bestand, bei näherer Betrachtung wurde aber erkennbar, dass auch sie nicht von Fußkrankheiten verschont waren.

Hafer-Reinsaat bei einer Belastung von 4,6 t Radlast: pro Minute nimmt der Boden 12 mm Wasser auf. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois
Hafer-Reinsaat bei unbelastetem Boden: pro Minute nimmt der Boden 18 mm Wasser, also 50 % mehr, auf. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Die Spatenprobe zeigt die tiefgehenden Unterschiede der Belastungsstufen

Die Besucher erhielten tiefe Einblicke in den Boden am Standort Esting. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Robert Brandhuber stellte die Besonderheiten des Bodens am Standort Egg sowie die Auswirkungen der verschiedenen Belastungsstufen auf das Bodenprofil vor. Der Versuch steht auf einer Parabraunerde mit einer Bodenzahl von ca. 55 bis 60. Der Boden ist wenig tiefgründig, nach maximal 80 cm geht der schluffige Lehm in Schotter über. Im Bodenprofil sowie bei einer Spatenprobe konnte Robert Brandhuber die Auswirkungen der Belastung eindrucksvoll demonstrieren: Während sich der Spaten trotz Trockenheit in den unbelasteten Boden gut einstechen ließ, war in der belasteten Variante erheblicher Kraftaufwand nötig, um den Spaten einzutreiben und den Erdziegel zu entnehmen. Sehr ansehnlich wurden die Effekte unterschiedlicher Belastung beim Vergleich der beiden Erdziegel. Während der Erdziegel aus der unbelasteten Parzelle eine krümelige Bodenstruktur aufwies, zeigte der Erdziegel aus der mit 4,6 t belasteten Variante eine deutlich kompaktere Struktur und dichtlagernde Kluten. Bei der unbelasteten Parzelle konnte außerdem gut beobachtet werden, dass die Durchwurzelung des Bodens bis hinunter zur Kiesschicht erfolgte.

Die Spatenprobe zeigt einen sehr kompakten Bodenziegel bei 4,6 t Radlast...
... und einen locker-krümeligen unbelasteten Boden. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Weniger Druck ist gut für den Boden

Markus Demmel demonstrierte den für die Versuche eingesetzten Belastungswagen, eine Spezialanfertigung mit der die unterschiedlichen Belastungen auf die Parzellen gebracht werden können. Mit Hilfe des Belastungswagens wurde demonstriert, welche Maßnahmen zu einer möglichst bodenschonenden Bearbeitung beitragen. In einem bewuchsfreien, gefrästen Boden wurden definierte Belastungen mit unterschiedlichen Radlasten und gesetzt. Neben der Radlast, die sich durch die Masse von Schlepper und der Last angelenkter Maschinen ergibt, spielt der Reifeninnendruck eine ganz entscheidende Rolle bei der Bodenbelastung durch die Landtechnik. Höhere Radlasten ergeben einen stärkeren Druck auf den Boden und somit sehr kompakte Abdrücke im trockenen Boden. Wird bei derselben Radlast der Reifeninnendruck verringert, vergrößert sich die Aufstandsfläche des Reifens und der Druck verteilt sich auf einer größeren Fläche. Somit ist der Reifenabdruck deutlich weniger kompakt.

Eine geringe Radlast von 2,6 t und ein mit 0,4 bar an den Acker angepasster Reifeninnendruck verursachen einen flachen und wenig kompakten Profilabdruck des Reifens.
Eine hohe Radlast (4,6 t) und ein hoher Reifeninnendruck (1,6 bar) dagegen verursachen einen deutlich tieferen und kompakten Radabdruck. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Beim Einstellen des Reifendrucks sollte in jedem Fall der technische Ratgeber des jeweiligen Reifenherstellers zur Rate gezogen werden. Mit dessen Hilfe und den Angaben zur Radlast (Schlepper mit angelenkten Maschinen wiegen) sowie der voraussichtlichen Fahrgeschwindigkeit kann der optimale Luftdruck ermittelt werden. Markus Demmel betonte, dass es besonders wichtig sei, den Luftdruck regelmäßig und mit einem geeigneten Manometer (Messbereich bis 4 bar, Skalierung in 0,1 Schritten) zu überprüfen. Generell ist zu beachten, dass die Anforderungen an den Reifeninnendruck bei Straßen- und Arbeitsfahrten konträr sind. Auf Grund des hohen Reifenverschleißes sind Fahrten mit Konstant niedrigem Reifeninnendruck nur bei arrondierten Flächen möglich. Ansonsten gilt es, den Reifeninnendruck anzupassen und so die Vorteile eines hohen Luftdrucks bei der Straßenfahrt (geringerer Reifenverschleiß, Rollwiderstand und Dieselverbrauch) mit den Vorteilen eines niedrigen Luftdrucks bei der Ackerarbeit (geringerer Bodendruck, Schlupf, Dieselverbrauch, geringere Spurtiefe) zu kombinieren. Für diese Anpassungen wird die entsprechende technische Ausrüstung benötigt, so zum Beispiel Schnellentlüftungsventile und ein an die Druckluftbremse des Schleppers gekoppeltes Reifendruckverstellsystem. Eine besonders komfortable Variante sind fest installierte Reifendruckregelanlagen, mit denen der Reifendruck auch während der Fahrt verstellt werden kann.

Impressum

Ann-Kathrin Spiegel, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Deutschland e.V.)