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Tipps für die Grünbrache

Besonders in viehlosen Betrieben ist eine gelungene Grünbrache von zentraler Bedeutung, denn sie bildet die Grundlage der Stickstofffixierung und der Unkrautregulierung, außerdem wirkt sie sich positiv auf Humushaushalt und die Struktur des Bodens aus. Damit die Grünbrache den gewünschten Nutzen bringt, sind unter anderem die Zusammensetzung der Grünbrachemischung und der Umbruch wichtige Faktoren.

Aussaat der Grünbrache

Rotklee
Grünbrache mit Rotklee. www.oekolandbau.de © BLE, Bild: T. Stephan

Die Aussaat der Grünbrache kann entweder im Frühling oder im Spätsommer/Herbst erfolgen. Die Auswahl des optimalen Aussaatzeitpunkts ist abhängig von den Standortbedingungen. Die bewährten Spätsommersaaten sollten standortabhängig angepasst erfolgen, um die Ansaat noch gut über den Winter zu bringen und gleichzeitig aber keine zu schwachen oder üppigen Bestände zu erhalten. In Trockenlagen kann aber der Aufgang durch Wassermangel beeinträchtigt werden, dort ist eher eine Frühjahrssaat zu bevorzugen.

Bei der Frühjahresaussaat kann die Grünbrache entweder in Untersaat oder als Blanksaat erfolgen. Bei der Einsaat in Getreide im Frühjahr gilt der Grundsatz: Starke Untersaat in Kombination mit starker Deckfrucht und schwache Untersaat zu schwacher Deckfrucht. Das Risiko, dass eine Sommergerste durch eine Luzerne-Rotkleemischung bei ausreichend Niederschlag überwachsen wird, ist einfach zu hoch.

Saatgutmischungen

Auch die Saatgutmischung für die Grünbrache muss zum Standort passen. Die von Saatgutfirmen angebotenen Standardmischungen sind deshalb nur selten die optimale Lösung.

Für Betriebe mit hohem Getreideanteil in der Fruchtfolge ist aus Fruchtfolgeaspekten eine Grünbrache mit sehr geringem Grasanteil sinnvoll. Auch im Hinblick darauf, dass im Laufe der Zeit durch Mulchen und Mähen der Grasanteil immer größer wird und die Gräser bei Trockenheit recht schnell aussamen und zum Unkrautproblem werden können, wurde der Grasanteil bei vielen viehlosen Betrieben auf 0 Prozent bis 20 Prozent reduziert. Bei leichten Standorten ist aber ein Gras-anteil aufgrund der Gefahr von N-Verlusten durchaus sinnvoll.

Eine häufige verwendete Mischung wurde in den letzten beiden Jahren die Mischung von Luzerne, Rotklee und Weißklee zu je einem Drittel. Die Luzerne soll in trockenen Jahren der wichtigste Partner sein, der Rotklee soll in einem feuchteren Jahr dominieren und der Weißklee soll die Lücken bedecken, da er mehr in die Breite als in die Höhe wächst. Dennoch ist auch dies je nach Betrieb auch noch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Hat der Standort zu wenig Kalk, so bleibt das Wachstum der Luzerne enttäuschend. Hier könnte der Gelbklee eine Alternative zu Luzerne sein. Eine weitere Alternative für trockene Standorte kann der Hornklee sein. Für feuchte, kalte Standorte ist der frühreife Schwedenklee eine gute Alternative. Die kalk- und trockenheitsliebende Esparsette wird in Mischungen durch ihr langsames Jugendwachstum oft verdrängt.

Es wird also deutlich, dass es die passende Mischung nicht fertig zu kaufen gibt und jeder Betrieb seine optimale Mischung selbst finden muss. Dabei wird es nicht zu vermeiden sein, dass Betriebe auch selbst ausprobieren müssen, z.B. auf einem Feld zwei verschiedene Mischungen aussäen, wie dies auch in Praxisversuchen geschieht. Möglich ist es aber auch, die Standardmischung mit den passenden Komponenten zu ergänzen, z.B. bei trockenen, kalkhaltigen Standorten mit Luzerne. Damit wird der Grasanteil automatisch geringer.

In der Sommer-/Herbstaussaat besteht die Möglichkeit die einschnittigen Arten Inkarnatklee und/oder Winterwicken in die Mischung zu nehmen. Sie haben die Stärke, dass sie gerade in trockenen Gegenden eine gute Menge an Grünmasse im ersten Schnitt garantieren. Bei den Winterwicken ist zu beachten, dass sie in Fruchtfolgen mit Körnerleguminosen aus Krankheitsgründen nicht in der Grünbrache zum Einsatz kommen dürfen. Die Winterwicke hat sich sicher mancherorts einen schlechten Ruf zugezogen, weil sich einige Betriebe durch ihren Einsatz eine dauerhafte und katastrophale Verunkrautung herangezüchtet haben. Die Eigenschaft der Hartschaligkeit führt dazu, dass nicht alle Körner sofort keimen. Hier ist die Pannonische Winterwicke ein guter Ersatz, da sie diese Eigenschaft nicht besitzt. Sie produziert zwar weniger Grünmasse, verträgt aber mehr Trockenheit.

Anbaupausen beachten

Kommt die Grünbrache in Betrieben zu mehr als einem Sechstel zum Einsatz, so ist zu beachten, dass auch für Luzerne und Rotklee (einschließlich ihrer nahen Verwandten Inkarnatklee und Schwedenklee) Anbaupausen von fünf bis sieben Jahren einzuhalten sind. Die Problematik ist in Mischungen sicherlich nicht so stark wie in Reinsaat, dennoch sollte man auf der sicheren Seite bleiben und diese gefährdeten Arten abwechseln. Dem Weißklee wird nachgesagt, dass er weitgehend selbstverträglich ist. Sein guter Ruf könnte teilweise daher stammen, dass er in Untersaaten oft nur kurze Standzeiten von einem halben Jahr hat. Auch beim Weißklee sollten Anbaustrategien mit zu häufigem Vorkommen in der Fruchtfolge vermieden werden. Für kurzlebige Untersaaten stehen auch Gelbklee und Erdklee zur Verfügung.

Die richtige Standzeit

Je länger die Standzeit des Kleegrases ist desto stärker ist der Beitrag zu einer positiven Humusbilanz. Die Standzeit ist aber in der Regel durch ökonomische Gründe begrenzt. Ein guter Kompromiss kann eine Standzeit von eineinhalb Jahren sein. Das Kleegras wird dabei im Frühjahr in die letzte Kultur als Untersaat eingesät.

Bei stärkerem Ampferdruck auf den Flächen ist eine kürzere Standdauer zu bevorzugen und vor der Aussaat noch einmal eine intensive Bodenbearbeitung vorzunehmen. Dennoch sollte ein Jahr Standzeit nicht unterschritten werden.

Eine weitere Situation, in der die Standzeit des Kleegrases begrenzt werden sollte, ist der Anbau von Kartoffeln. Obwohl der Anbau von Kartoffeln durch seine intensive Bodenlockerung die Humusbilanz verschlechtert und aus dieser Sicht eine Verlängerung der Standzeit erfordern würde, setzt die Vermehrung des Drahtwurms durch den Kleegrasanbau eine deutliche Grenze, die unter einem Jahr liegt.

Düngung und Kontrolle

Eine ausreichende Versorgung mit Phosphor, Kali, Schwefel und eventuell anderen Mikronährstoffen ist für den Klee besonders wichtig. Auf sandigen Böden, bei hohen Niederschlagsmengen sowie beim Fehlen organischer Dünger sollte unbedingt die Schwefelversorgung im Auge behalten werden.

Der Anbau von Leguminosen ist der Zeitpunkt, in dem kohlenstoffreiche Dünger wie Grüngutkom-poste ausgebracht werden können. Durch ihr hohes C:N-Verhältnis besteht die Tendenz, dass sie Stickstoff im Boden festlegen. Während dieser Effekt in einem Getreidebestand unerwünscht ist, wird der Klee damit gezwungen, mehr Stickstoff aus der Luft zu sammeln. Außerdem werden dem Grüngutkompost gesundende Wirkungen gegenüber Pflanzenkrankheiten nachgesagt. Diese Effekte werden im Bodenfruchtbarkeitsprojekt an Erbsen untersucht.

Auch wenn die Grünbrache als ein relativ problemloses Fruchtfolgeglied angesehen wird, sollten die Bestände regelmäßig überprüft werden. Ein regelmäßiges Beproben mit dem Spaten zeigt Verlauf und Masse der Wurzeln, Vorhandensein von Knöllchen und Aktivität der Knöllchen. Der Blattrandkäfer kann auch in Klee Schaden an Blättern und insbesondere an Knöllchen anrichten. Die Aktivität von Mäusen kann zum Handeln zwingen, z.B. einem ausreichend kurzen Bestand im Herbst.

Was tun mit dem Aufwuchs?

Eine Möglichkeit ist es, den Aufwuchs auf der Fläche zu belassen. Dabei ist das Mähen für den Klee schonender als das Mulchen. Es muss häufiger gemäht als gemulcht werden. Aber auch beim Mulchen ist darauf zu achten, dass keine dickeren Mulchschichten entstehen, also nicht zu spät gemulcht wird, da hier mitunter erhebliche Emissionen in Form von Lachgas (eine stark klimarelevante Stickstoffform) entstehen können.

Die zweite Möglichkeit ist es, den Aufwuchs abzugeben. Wenn das der Fall ist, sollte darauf geachtet werden, dass Nährstoffe wieder in den Betrieb zurückkommen. Dabei stehen nicht der Stickstoff, sondern die anderen Grundnährstoffe wie Phosphor und Kali sowie die Mikronährstoffe im Vordergrund. Denn wenn der Aufwuchs weggefahren wird, wird der Klee im Bestand wieder neu Stickstoff sammeln. Ideal ist es, wenn Kleegras gegen Mist getauscht wird, der dann an einer anderen Stelle der Fruchtfolge zum Einsatz kommt. Der Nährstoffausgleich ist gegeben, wenn sich die Mengen von dem z. B. als Anwelksilage abgegebenen Kleegras und Mist im Gewicht ungefähr entsprechen. Die Rückführung in Form von Gülle ist nach Verbandsrichtlinien nur von kooperie-renden Ökobetrieben möglich. Bei der Kooperation mit einer Biogasanlage sind ebenfalls die Verbandsrichtlinien zu beachten, die die Zumischung von konventioneller Gülle in der Biogasanlage nicht zulassen. Hier muss außerdem klar sein, dass dem Substrat ein erheblicher Teil des Kohlenstoffs zur Energiegewinnung entzogen wurde, also der Effekt auf den Humusaufbau geringer ist. Diese weniger positive C-Bilanz muss in der Gesamtfruchtfolge ausgeglichen werden, z.B. indem das Kleegras zwei Jahre anstatt einem Jahr stehen bleibt.

Download

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Quellenangabe

Dieser Text ist angelehnt an das Themenblatt „Grünbrache-Mamagement in viehlosen Ökobetrieben“, das von Werner Vogt-Kaute (Naturland) verfasst wurde.

Impressum

Autor: Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Durchsicht und Redaktion: Marion Morgner (FiBL Deutschland e.V.), Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)

Quellenangabe bei Veröffentlichung

Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Beitrag entstanden im Rahmen des Projektes “Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Weitere Infos unter www.bodenfruchtbarkeit.org