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Auszeichnung für den Regenwurm

Die Schweizer Naturschutzorganisation Pro Natura hat den Regenwurm, genauer gesagt den Tauwurm (Lumbricus terrestris), zum Schweizer Tier des Jahres ernannt. In Deutschland war der Regenwurm bereits im Jahr 2004 „Wirbelloses Tier des Jahres“. Diese Auszeichnungen gebühren dem Regenwurm zu Recht, denn er pflegt unsere Böden, indem er abgestorbenes Pflanzenmaterial in den Boden einarbeitet, Humus produziert und die Bodenstruktur verbessert.

So lebt der Regenwurm

Regenwurm in Boden
In der Schweiz ist der Regenwurm Tier des Jahres 2011. © FiBL Bild: T. Alföldi

In Deutschland gibt es 39 verschiedene Regenwurmarten. Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen: Die epigäischen Streubewohner, die im Ackerboden nur selten vorzufinden sind, die dendogäischen, flach grabenden Regenwürmer, die horizontale, instabile Gänge im Boden anlegen, sowie die anözischen, vertikal grabenden Regenwürmer. Diese Gruppe, zu der auch der Tauwurm gehört, ernährt sich von auf der Bodenoberfläche liegenden, abgestorbenen Pflanzenresten und ist für landwirtschaftliche Böden besonders wichtig. Bis zu 120 Regenwürmer könnten unter einem Quadratmeter Ackerboden leben. Jedoch finden sie nicht überall optimale Lebensbedingungen. In wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass in biologisch bewirtschafteten Böden deutlich mehr Regenwürmer vorkommen als in konventionell bewirtschafteten. Allgemein lässt sich sagen, dass Regenwürmer sauerstoffarme, verdichtete und vernässte Böden meiden, auch saure Böden mit einem pH-Wert von unter 5,5 werden kaum von Regenwürmern besiedelt.

Regenwürmer sind essentiell für die Bodenfruchtbarkeit

Durch die stabilen, senkrechten Regenwurmröhren wird der Boden gut durchlüftet und erhält einen hohen Grobporenanteil. Hierdurch werden die Wasserspeicherfähigkeit und die Drainage des Bodens verbessert, Erosion und Oberflächenabfluss werden hingegen verringert. Die Röhren bieten darüber hinaus auch optimale Bedingungen für das Wachstum von Pflanzenwurzeln, besonders im Unterboden und in leicht verdichteten Bereichen. Durch Schleimabsonderung und das dadurch entstehende Krümelgefüge tragen Regenwürmer zu einer verbesserten Bodenstruktur bei. Regenwürmer sind außerdem aktiv an der Verjüngung des Bodens beteiligt, denn sie transportieren Material aus dem Unterboden in den Oberboden. Gleichzeitig arbeiten Regenwürmer sie auch totes organisches Material in den Boden ein, und zwar bis zu sechs Tonnen pro Jahr und Hektar. Durch das Einziehen von Laub und anderen organischen Materialien in den Boden tragen sie sogar zum Abbau von blattbewohnenden Schadorganismen bei. Durch Regenwürmer wird die Vermehrung von nützlichen Bodenbakterien und Pilzen gefördert. Der Wurmkot, von dem pro Jahr und Hektar zwischen 40 und 100 Tonnen produziert werden, ist mit leicht verfügbaren Nährstoffen angereichert. Er enthält durchschnittlich 5-Mal mehr Stickstoff, 7-Mal mehr Phosphor und 11-Mal mehr Kalium als die umgebende Erde.

Was dem Boden gut tut, ist auch gut für den Regenwurm

Ein ganzjährig bedeckter Boden fördert die Regenwurmpopulation im Ackerboden © FiBL; Bild: K.-P. Wilbois

Um diese nützlichen Tiere bestmöglich zu fördern, sollten einige Faustregeln beachtet werden:
Schonende Bodenbearbeitung schont auch den Regenwurm. Er fühlt sich am wohlsten, wenn der Boden möglichst wenig gewendet wird. Je flacher der Boden bearbeitet wird, desto besser. Intensive Bodenbearbeitungsmaßnahmen sollten nicht im März/April und September/Oktober durchgeführt werden, sondern dann, wenn der Boden trocken bzw. kalt ist und die Regenwürmer sich in tiefere Bodenschichten zurückziehen. Bodenverdichtungen sollten auch dem Regenwurm zuliebe vermieden werden. Wichtig ist außerdem die richtige „Fütterung“ der Regenwürmer: Eine vielfältige Fruchtfolge bildet eine gute Basis für die Wurmernährung, besonders mehrjähriges Kleegras bietet den Würmern eine gute Ernährungsgrundlage und viel Zeit zur Regeneration. Generell ist es wichtig, dass der Boden möglichst ganzjährig mit Pflanzenteilen bedeckt ist, damit immer genügend Nahrung vorhanden ist. Auch bei der Düngung sollte man an die Regenwürmer denken: Organische Düngemittel sollten nur flach eingearbeitet werden. Tief vergrabene organische Pflanzenreste werden von Regenwürmern gemieden. Angerotteter Mistkompost ist zu bevorzugen, denn er enthält mehr Nahrung für die Würmer als frischer. Gülle sollte nur in Maßen sowie aufbereitet bzw. verdünnt ausgebracht werden.

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Impressum

Autorin: Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)
Durchsicht und Redaktion: Kerstin Spory (FiBL Deutschland e.V.), Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Quellenangabe bei Veröffentlichung

Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)
Beitrag entstanden im Rahmen des Projektes “Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Weitere Infos unter www.bodenfruchtbarkeit.org