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Die Sojabohne – eine Körnerleguminose mit Zukunft?! (Teil 1)

Die Sojabohne ist weltweit die wichtigste Körnerleguminose – mit deutlichem Abstand zu Kichererbsen, Linsen und verschiedenen Bohnenarten. Ihre Anbaufläche beträgt insgesamt ca. 90 Millionen Hektar, der Schwerpunkt des Anbaus befindet sich in Südamerika, USA, China und Indien. In Deutschland liegt die Anbaufläche mit 4.000 Hektar – wie in anderen mitteleuropäischen Ländern mit kühlerer Witterung – noch auf einem relativ niedrigen Niveau. Jedoch weist der Sojaanbau gerade in jüngster Zeit deutlich steigende Tendenzen auf. Nach dem Vorbild Kanadas wird sich auch die Anbaufläche in Mitteleuropa zukünftig durch Züchtungsprogramme - mit dem Zuchtziel der Eignung - auch für kühlere Klimate weiter ausdehnen.

Die inneren Werte der Sojabohne

Die Sojabohne ist die weltweit wichtigste Körnerleguminose © FiBL; Bild: K.-P. Wilbois

Ein Blick auf die Inhaltsstoffe zeigt, warum die Bedeutung der Sojabohne im Vergleich zu anderen Körnerleguminosen so hoch ist. Sie liefert neben einem hohen Rohproteingehalt beachtliche Gehalte der essentiellen Aminosäuren Methionin und Lysin, welche für die Ernährung von Schweinen und Geflügel von großer Bedeutung sind. Darüber hinaus besitzt die Sojabohne einen stattlichen Energiegehalt in Form von Öl, weshalb sie in den meisten Veröffentlichungen eigentlich als Ölpflanze aufgelistet ist. Presst man dieses Öl aus, so ist der verbleibende Rest – je nach Pressverfahren entweder Ölkuchen oder Extraktionsschrot (im Ökolandbau nicht zulässig) – noch eiweißreicher. Neben dem Anbau von Sojabohnen zu Futterzwecken findet die Sojabohne zunehmend in der menschlichen Ernährung Bedeutung, z.B. in Form von Tofu oder Sojamilch.

Kritik am derzeitigen Sojaanbau

In vielen Anbausystemen wird Soja nicht auf Grund ihrer speziellen Eigenschaften als Körnerleguminose, zum Einführen von Luftstickstoff in den Betriebskreislauf, angebaut. Denn häufig werden Sojabohnen mit Stickstoff gedüngt, was zwar aufgrund ihres Stickstoffbedarfes nicht direkt schädlich ist, jedoch den Vorteil der kostenlosen Fixierung des Luftstickstoffs nicht nutzt, da mit steigender Stickstoff-Düngung die Aktivität stickstoffbindender Bakterien im Boden zurückgeht.

Fast 80% des weltweiten Sojaanbaus erfolgt inzwischen mit gentechnisch veränderten Sorten und ca. zwei Drittel der in der EU verfütterten Sojabohnen stammen aus Übersee. Zahlreiche Zwischenstationen beim Sojaimport bergen nicht unerhebliche Risiken der Kontamination mit gentechnisch veränderten Sojabohnen. Darüber hinaus sind die weiten Transportwege schwer mit dem Öko-Anspruch nach einem möglichst ressourcenschonenden Umgang mit der Natur vereinbar. Dies verdeutlicht, dass der zunehmende heimische Anbau besonders für den Ökolandbau wichtig ist. Denn nur so kann langfristig sichergestellt werden, dass ökologisch angebaute Soja garantiert ohne GVO-Verunreinigung zur Verfügung steht.

Ansprüche an Klima und Boden

Aufgrund ihres hohen Proteingehalts mit hoher biologischer Wertigkeit und ihres Ölgehalts - ist es nahe liegend, dass der Anbau von Sojabohnen grundsätzlich attraktiv ist. Die Anbauwürdigkeit der Soja wird aber durch ihren hohen Wärmebedarf erheblich begrenzt. Sorten der Reifegruppe 000 (sehr früh) können in Körnermaislagen ab K 240 bis 250 angebaut werden, Sorten der Reifegruppe 00 (früh) in Körnermaislagen ab K 260 bis 300. Entsprechend werden Temperatursummen von 1450 bis 1500 °C (auf der Basis von 6 °C) als Minimum genannt. Neben dem Klima sind auch Standortfaktoren des Felds beim Sojaanbau zu beachten, z.B. Exposition und Erwärmbarkeit des Bodens. Kaltluftsenken und Spätfrostlagen sind zu meiden. Neben dem Wärmebedarf haben die Sojabohnen auch einen hohen Wasserbedarf, insbesondere kurz vor und während der Blüte, aber auch während des Hülsenwachstums. Auf Böden mit schlechter Wasserführung und in trockenen Gebieten ist der Anbau ohne Bewässerung nicht möglich. Auch steinige Böden scheiden für den Sojaanbau aus, da bei der Ernte der Mähtisch tief abgesenkt werden muss, um die niedrig sitzenden ersten Hülsen erfassen zu können. Soja-Pflanzen werden gerne von Vögeln und Wild gefressen. Schäden durch Vögel entstehen in der Regel aber nur in der relativ kurzen Phase nach der Keimung, so dass die bekannten kurzfristigen Maßnahmen, z.B. Drachen-Vogelscheuchen, oft ausreichenden Schutz bieten. Im Jahr 2009 gab es Schäden aufgrund von Distelfalterraupen, die durch die Anwesenheit von Disteln in den Feldern verstärkt wurden. Die Versorgung des Bodens mit Grund- und Spurennährstoffen (besonders Bor) sollten nicht im niedrigen Bereich liegen, was bei der Auswahl der klassischen Standorte (außer der Sandstandorte in Brandenburg) in der Regel nicht der begrenzende Faktor sein dürfte.

Teil 2 zu „Die Sojabohne – eine Körnerleguminose mit Zukunft?!“ beleuchtet die Fruchtfolge, die Symbiose mit Rhizobien, die Saat, Pflege, Ernte und Lagerung sowie das Sortenangebot. Dieser Teil ist ab März unter www.bodenfruchtbarkeit.org nachzulesen.

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Impressum

Autor: Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Durchsicht und Redaktion: Kerstin Spory (FiBL Deutschland e.V.), Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)

Quellenangabe bei Veröffentlichung

Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Beitrag entstanden im Rahmen des Projektes “Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Weitere Infos unter www.bodenfruchtbarkeit.org