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Die Sojabohne – eine Körnerleguminose mit Zukunft?! (Teil 2)

Die Sojabohne ist weltweit die wichtigste Körnerleguminose – mit deutlichem Abstand zu Kichererbsen, Linsen und verschiedenen Bohnenarten. Ihre Anbaufläche beträgt insgesamt ca. 90 Millionen Hektar, der Schwerpunkt des Anbaus befindet sich in Südamerika, USA, China und Indien. In Deutschland liegt die Anbaufläche mit 4.000 Hektar – wie in anderen mitteleuropäischen Ländern mit kühlerer Witterung – noch auf einem relativ niedrigen Niveau. Jedoch weist der Sojaanbau gerade in jüngster Zeit deutlich steigende Tendenzen auf. Nach dem Vorbild Kanadas wird sich auch die Anbaufläche in Mitteleuropa zukünftig durch Züchtungsprogramme – mit dem Zuchtziel der Eignung – auch für kühlere Klimate weiter ausdehnen.

Ansprüche an die Fruchtfolge

Sojaschote
Die Sojabohne weist bisher kaum Probleme mit bodenbürtigen Krankheiten auf. © FiBL; Bild: K.-P. Wilbois

Im Gegensatz zu den meisten Körnerleguminosen hat die Sojabohne offensichtlich kaum Probleme mit bodenbürtigen Krankheiten. Die immer wieder auftretenden Fußkrankheiten an Erbsen und teilweise auch an Ackerbohnen dürften das Interesse an der Soja noch verstärken. Die in der Literatur teilweise für den Sojaanbau genannte Anbaupause von vier Jahren wird in der Praxis oft unterschritten, ohne dass bisher Probleme aufgetreten sind. Über Krankheiten, die in Zusammenhang mit dem Anbau weiterer Leguminosenarten in der Fruchtfolge stehen, ist bislang wenig bekannt. Bei entsprechender Anbau-Vorgeschichte können die bodenbürtigen Krankheiten Sklerotinia und Rhizoctonia auftreten, für die bezüglich der Anbaupausen evtl. weitere Wirtspflanzen zu berücksichtigen sind. Während Sklerotinia insbesondere auch Sonnenblumen und Raps befällt, kann Rhizoctonia sehr viele Kulturen befallen. In der Fruchtfolge ist zu empfehlen, einen Anbauabstand von drei bis vier Jahren einzuhalten.

Beim erstmaligen Anbau von Sojabohnen ist im Folgejahr ein weiterer Anbau problemlos möglich – aufgrund der besseren Anreicherung der Stickstoff fixierenden Knöllchenbakterien werden diesem Anbau sogar bessere Erträge nachgesagt. Zur Unterstützung des Ansiedelns der Knöllchenbakterien kann auch eine Saat von geimpften Sojabohnen in einer Zwischenfruchtmischung im Vorjahr des Anbaus erfolgen. Die Stickstoffbilanz der Sojabohne ist – wie bei der Erbse – nur schwach positiv, da mit den eiweißreichen Körnern der Großteil des gesammelten Stickstoffs vom Feld abgefahren wird. Der Stickstoffsaldo hängt neben Nmin-Gehalt  des Bodens und dem Ertrag insbesondere davon ab, ob die Knöllchenbildung gut war. Die Humusbilanz befindet sich bestenfalls nur im schwach positiven Bereich, da die Sojabohnen in der Regel gehackt werden, was zum Abbau von Humus führt.

Impfung mit Knöllchenbakterien nötig

Die artspezifischen Knöllchenbakterien (Bradyrhizobium japonicum) siedeln sich an den Wurzeln der Sojapflanzen an und versorgen diese auf natürlichem Wege mit (Luft-) Stickstoff. Sie kommen in unseren Böden allerdings nicht natürlich vor, daher ist mindestens beim ersten Anbau auf einem Schlag eine Impfung nötig. Das geschieht in der Regel durch eine Saatgutimpfung (z.B. in einem sauberen Betonmischer). Erhältlich sind die Impfmittel HiStick, Force 48, RhizoFlo (jeweils Becker-Underwood) und Biodoz rhizofilme Soja (Nitragin). Von verschiedenen Sorten kann auch bereits geimpftes Saatgut bezogen werden. Manche Betriebe kombinieren auch zwei Mittel, um den Erfolg der Impfung zu verbessern beziehungsweise abzusichern. Die Knöllchenbildung ist jedoch häufig auch nach erfolgter Impfung nicht immer zufrieden stellend. Dies könnte an einer schlechten Anpassung der Rhizobienstämme an kühlere Temperaturen liegen. Auch wird von Beziehungen zwischen Sorten und Rhizobienstämmen berichtet. In Nordamerika sind wesentlich weitere Impfmittel auf dem Markt. Neben der üblichen Saatgutimpfung ist auch eine reine Bodenimpfung möglich.

Aussaat und Pflege der Soja

Hacke und Sojapflanzen
Je nach Hacktechnik muss der Reihenabstand beim Sojaanbau variiert werden. © Naturland; Bild: Anja Baumert

Vor der Saat sollte nach Möglichkeit eine Unkrautkur erfolgen, um den Unkrautdruck zu verringern. (Hierbei werden Unkrautsamen durch flache Bodenbarbeitungsmaßnahmen zunächst zum Keimen gebracht und im Abstand von sieben bis 14 Tagen durch einen weiteren Bearbeitungsgang wieder vernichtet.) Die Aussaat der Sojabohnen erfolgt Mitte April bis Mitte Mai bei Bodentemperaturen über 10 °C. Die Aussaatstärke beträgt 60 keimfähige Körner pro bei 00-Sorten und bis 70 keimfähige Körner bei 000-Sorten. Die Saattiefe sollte drei bis vier cm betragen. Ideal ist eine pneumatische Einzelkornsaat. Der Reihenabstand richtet sich nach der verfügbaren Hacktechnik. Auch der Striegel ist einsetzbar, wenngleich das Blindstriegeln nicht immer funktioniert und überdies mit der Gefahr einer Beschädigung der Keimlinge verbunden ist. Erst nach dem Erscheinen des ersten echten Laubblattpaares können die Sojapflanzen vorsichtig gestriegelt werden. Für Sojabohnen ist aufgrund des langsamen Jugendwachstums und der geringen Konkurrenzkraft ein schlagkräftiges Hacksystem notwendig. Im Gegensatz zu anderen Reihenkulturen darf die Sojabohne in der Reihe nur leicht angehäufelt werden, weil die untersten Hülsen relativ niedrig liegen und damit Probleme bei der Ernte vorprogrammiert wären.

Soja-Sorten

Das Angebot an Soja-Sorten nimmt zu, nachdem einige mitteleuropäische Züchter ihre Züchtungsaktivitäten wieder aufgenommen bzw. verstärkt haben. Dagegen werden die bisher dominierenden kanadischen Sorten an Bedeutung verlieren, da sich dort die meisten Züchter – von Soja für Fütterungszwecke – für die Züchtung von gentechnisch veränderten Sorten entschieden haben. Entscheidend ist, dass die Sorten am Standort richtig ausreifen können.

000-Sorten, sehr früh:

  • Merlin: überdurchschnittliche Konkurrenzkraft, derzeit wichtigste Sorte
  • Tundra: früheste Abreife, tendenziell unterdurchschnittliche Erträge
  • Sultana: ertragliche Fortschritte bei gesicherter Abreife
  • Alligator: ertragliche Fortschritte bei gesicherter Abreife

Weitere Sorten aus dieser Reifegruppe sind Klaxon, Lissabon, Petrina, Daccor, Capnor und Malaga.

000/00-Sorten, sehr früh bis früh:

Hier sind Gallec, Cordoba und Protina (höherer Proteingehalt) die Standardsorten. Daneben gibt es Lotus, Alma Ata, Color und Opaline.

00-Sorten, früh:

Neben den Standardsorten Essor, London und Sigalia existieren Angebote von Amphor, Cardiff, Cataline, Proteix, Satyna und Primus.

Beim Anbau von Sojabohnen für die Tofuproduktion ist die Wahl der Sorte unbedingt mit dem Abnehmer abzusprechen.

Ernte und Lagerung

Die Ernte sollte Mitte bis Ende September erfolgen können, nachdem die vergilbten Blätter abgefallen sind, bei einer Kornfeuchte von 14 bis max. 20 Prozent. Sie zieht sich aber nicht selten bis weit in den Oktober hinein. Es sollte allerdings nicht zu lange abgewartet werden, da sich bei schlechtem Wetter im Oktober das Erntegut zusätzlich durch Verpilzung verschlechtern kann. In Grenzlagen sollten nur 000-Sorten verwendet werden. Beim Dreschen sollte die Trommeldrehzahl niedrig sein, um den Anteil an Bruchkörnern gering zu halten. Die Feuchtigkeit der Körner sollte je nach Länge der Lagerung zwischen 13% und 9% liegen.

Teil 1 zu „Die Sojabohne – eine Körnerleguminose mit Zukunft?!“ beleuchtet die die inneren Werte der Sojabohne, die Ansprüche der Soja an Klima und Boden und die derzeitige Situation in Deutschland und weltweit. Dieser Teil ist seit Februar unter www. Bodenfruchtbarkeit.org nachzulesen.

Download

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Impressum

Autor: Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Durchsicht und Redaktion: Kerstin Spory (FiBL Deutschland e.V.), Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)

Quellenangabe bei Veröffentlichung

Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Beitrag entstanden im Rahmen des Projektes “Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Weitere Infos unter www.bodenfruchtbarkeit.org