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Sommer- und Wintervarianten von Erbse und Ackerbohne im Vergleich

Futtererbsen (Pisum sativum L.) und Ackerbohnen (Vicia faba L.) sind als einheimische Körnerleguminosen wichtige Stickstofflieferanten in viehlos oder viehschwach wirtschaftenden Betrieben des ökologischen Landbaus und hochwertige Eiweißlieferanten für tierhaltende Betriebe. Die Symbiose von Leguminosen mit Knöllchenbakterien (Rhizobien), welche den Stickstoff aus der Luft fixieren, bereitet den Folgefrüchten einen gut mit Stickstoff versorgten Boden. Besonders in viehlos wirtschaftenden Biobetrieben sind Leguminosen ein bedeutender Faktor für den langfristigen Erhalt eines ertragsstarken, fruchtbaren Bodens. Das macht sie zu wichtigen Fruchtfolgegliedern. Verglichen mit Getreide zeigt sich ihre hohe Vorfruchtwirkung in der Regel in einem deutlichen Mehrertrag der Nachfrucht. Erbsen und Ackerbohnen werden meist als Sommerfrüchte angebaut und dienen dann als Vorfrucht für z.B. Winterweizen. Alternativ können sie auch im Gemenge mit Sommergetreide genutzt werden. Allerdings haben die Sommervarianten von Erbsen und Ackerbohnen einige Schwächen, die in den letzten Jahren zum wieder ansteigenden Interesse an der Züchtung und dem Anbau von Winterformen geführt hat.

Welche Vor- und Nachteile haben nun Erbsen gegenüber Ackerbohnen und lohnt sich eher der Anbau der jeweiligen Sommer- oder der Wintervariante?

Die folgende Gegenüberstellung soll hierbei eine unterstützende Orientierung bieten.

Ackerbohne? © HTW Dresden; Bild: G. Lux
Oder Körnererbse? © FiBL; Bild: K.-P. Wilbois

Ackerbohne oder Körnererbse?

Fruchtfolge

Wie nahezu alle Körnerleguminosen dürfen sowohl Körnererbse als auch Ackerbohne nicht in zu engen Abständen angebaut werden, da sonst die Gefahr einer Infektion mit bodenbürtigen Erregern sehr hoch ist. Bei Ackerbohnen beträgt die Anbaupause nach gängigen Empfehlungen vier bis sechs Jahre. Bei Körnererbsen sollte die Anbaupause noch ausgedehnter sein: mindestens fünf Jahre bei buntblühenden Sorten und sechs bis neuen Jahre bei weißblühenden.

Anforderungen an den Standort

Ackerbohnen benötigen tiefgründige, mittlere bis schwere Böden mit guter Wasserversorgung. Körnererbsen sollten dagegen auf gut durchlüfteten, leichten bis mittelschweren Lehm- oder Lößböden angebaut werden. Wintererbsen scheinen gegenüber der Bodenstruktur etwas anspruchsloser zu sein. Sie sind bezüglich der Wasserversorgung etwas weniger anspruchsvoll als Ackerbohnen, jedoch besonders empfindlich gegenüber Bodenverdichtungen. Beide Körnerleguminosen benötigen eine gute Versorgung mit Kalk (pH-Wert über 6), Phosphat (für die Blütenbildung), Kalium (für die Symbiose mit den Knöllchenbakterien) und Schwefel.

Nutzung

Ackerbohnen haben eine ungünstigere Aminosäurenzusammensetzung als Futtererbsen und eine harte Schale, weshalb sie als Tierfutter weniger beliebt sind, aber problemlos auf dem eigenen Betrieb dem Rindviehfutter beigemischt werden können.

Es ist zu beachten, dass Gerbstoffe (Tannine) in Körnern von farbig blühenden Ackerbohnen und Erbsen die Schmackhaftigkeit und Eiweißverdaulichkeit einer Futtermischung reduzieren können. Des Weiteren enthalten die meisten Ackerbohnen-Sorten die sekundären Inhaltsstoffe Vicin und Covicin, die bei Geflügel zu Leistungsdepressionen führen können. Derzeit wird empfohlen, der Futterration für Legehennen maximal fünf bis zehn Prozent Ackerbohnen beizumischen, bei Masthühnern sollten es maximal 20 Prozent sein.

Sommerung oder Winterung?

Erbsen

Weißblühende Erbsen und Hafer
Erbsen und Hafer im Gemenge. © vTI; Bild: A. Gronle

Sommererbsen werden Mitte März unter möglichst frostfreien Bedingungen in einen gut abgetrockneten Boden ausgesät. Die Saatstärke beträgt in Reinsaat 70 bis 100 Körner/, die Saattiefe vier bis sechs Zentimeter. Die Aussaatstärke im Gemengeanbau hängt von der Wahl der Erbse ab. Während die halbblattlosen Körnererbsen in voller Aussaatstärke ausgesät werden, reichen bei den blattreichen buntblühenden Futtererbsen 20 bis 40 Körner/. Die Gemengepartner für die halbblattlosen Körnererbsen sind Sommergerste, frühreifer Hafer (jeweils mit etwa 80 Körnern/) oder Leindotter. Für die später abreifenden Futtertypen sind die Gemengepartner spätreifer Hafer oder Sommerweizen, jeweils mit etwa 180 Körner/.

Die Wintererbse, sowohl blattreiche als auch halbblattlose Sorten, werden im Moment ausschließlich im Gemenge angebaut. Die blattreichen Typen haben zwar eine gute Unkrautunterdrückung, gehen aber zu früh ins Lager. Die kurzstrohigen halbblattlosen Typen haben große Unkrautprobleme. Die blattreichen Typen werden mit einer Saatstärke von 30 bis 40 Körnern/ von Ende September und Ende Oktober gedrillt. Als Partner eignen sich Roggen, Winterweizen und Triticale in einer Aussaatstärke von maximal 200 Körnern/. Die Aussaatstärke des Gemengepartners sinkt mit der Niederschlagsmenge des Standortes. Für die etwas frühreiferen, kurzstrohigen weißblühenden Sorten wurde die optimale Gemengestrategie noch nicht gefunden. Je nach Standort kann die Wintererbse im Gemengeanbau der Sommererbse bezüglich Ertragspotenzial, Beikrautunterdrückung und Stickstofffixierleistung überlegen sein.

Bei der Sommererbse macht die schwache Konkurrenzkraft ein zwei- oder dreimaliges Striegeln einschließlich etwaigen Blindstriegelns notwendig. Die blattreichen Wintererbsen weisen eine bessere Unkrautunterdrückung auf, die durch Anbau im Gemenge noch gesteigert wird. Bezüglich Schädlingen weist die Sommererbse eine relativ hohe Anfälligkeit gegenüber Pilzkrankheiten auf, sie wird auch häufig von Blattrandkäfer und Erbsenblattlaus befallen. Die Wintererbse blüht früher und ist dadurch weniger gefährdet durch Erbsenwickler und Blattläuse und umgeht die Sommertrockenheit.

Ackerbohnen

Sommer-Ackerbohnen werden von Februar bis April mit 40 Körner/ ausgesät. Die Aussaat der Winter-Ackerbohnen erfolgt von Ende September bis Mitte Oktober. Bei der Saatstärke sollten 15 bis 22 Pflanzen pro Quadratmeter angestrebt werden. Die Ablagetiefe beträgt jeweils sechs bis zehn Zentimeter, um die Wasserversorgung zu gewährleisten. Es ist zu beachten, dass die Winterhärte der Winterackerbohnen wesentlich schlechter ist als die der Wintererbsen. Aufgrund ihrer besseren Unkrautunterdrückung werden Ackerbohnen seltener im Gemenge angebaut. Der Anbau im Gemenge ist jedoch gut möglich. Für Sommer-Ackerbohnen bieten sich spätreifer Hafer oder Sommerweizen an, für Winter-Ackerbohnen Weizen, Triticale oder Roggen.

Da die Winter-Ackerbohnen züchterisch nicht so stark bearbeitetet wurden und eine längere Standzeit haben, sind sie anfälliger  gegenüber Krankheiten wie Brennflecken und Schokoladenfleckigkeit. Ebenfalls ist die erhöhte Anfälligkeit gegenüber Fußkrankheiten (Fusarien, Rhizoctonia) in Jahren mit feuchten, milden Wintern zu bedenken. Auf guten Standorten mit guter Wasserversorgung ist die schlechte Standfestigkeit der Winter-Ackerbohnen zu beachten. Gegenüber der Schwarzen Bohnenlaus haben Winterackerbohnen im Vergleich zu Sommerackerbohnen einen Entwicklungsvorsprung. Die Ernte der Sommer-Ackerbohne erfolgt Mitte August bis Anfang September, die Winter-Ackerbohne wird Anfang August geerntet.

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Impressum

Autorin: Anna Fath (FiBL Deutschland e.V.)
Durchsicht und Redaktion: Werner Vogt-Kaute (Naturland), Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)

Quellenangabe bei Veröffentlichung

Anna Fath (FiBL Deutschland e.V.)
Beitrag entstanden im Rahmen des Projektes “Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Weitere Infos unter www.bodenfruchtbarkeit.org