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Direkte Beobachtungen zur Bodenfruchtbarkeit

Stefan Weller

Wie lässt sich die Bodenfruchtbarkeit mit einfachen Mitteln beurteilen? Es gibt einige Methoden, die heute wie gestern wertvolle Hinweise zum Bodenzustand liefern. Aber es geht wohl vor allem auch darum, sich die Zeit zu nehmen, die Pflanzen, die Bodenoberfläche, den Boden und dessen Bewohner genauer zu beobachten.

Die Pflanzen beobachten

Eine gute Durchwurzelung ist nur in einem lockeren Boden möglich. Wenn Pfahlwurzeln, z.B. von Raps, Ackerbohnen oder Zuckerrüben sich aufspalten und beinig werden, dann ist dies ein Hinweis, dass eine Verdichtung oder eine Störschicht vorliegt. Auch Staunässe oder Faulstellen sind an den Wurzeln zu erkennen. © Bioland-Beratung, Bild: Michaela Braun

Die Kulturpflanze ist immer die wichtigste Zeigerpflanze. Wenn diese über das Jahr hinweg gut und gesund gedeiht, wird das Ergebnis ein zufriedenstellender, qualitativ hochwertiger Ertrag sein. Wenn dieses Ergebnis ohne treibende Stickstoffdünger und chemische Pflanzenschutzmittel zustande kommt, so kann von einer hohen Bodenfruchtbarkeit ausgegangen werden. Wie stark die Bodenfruchtbarkeit ist, wird besonders bei ungünstigem Witterungsverlauf übers Jahr hinweg deutlich (standortgerechte Kulturpflanzen vorausgesetzt). Begleitpflanzen wie Distel oder Kamille bringen Schäden oder Mangelerscheinungen ans Tageslicht, zum Beispiel Verdichtungen.

Die Bodenoberfläche interpretieren

Schon die Bodenoberfläche gibt Hinweise auf den Zustand des darunterliegenden Bodens. Ist sie durch eine Vegetationsdecke geschützt, entwickelt sich eine Oberflächenkrümelung, die sogenannte Lebendverbauung der Bodenkrümel. Man erkennt sie an runden Bodenkrümeln, die auch eine zu starke Verschlämmung und Erosion des Bodens verhindern. Daher können Verschlämmung und Erosion einen schlechten Bodenzustand anzeigen. Mit steigendem Humusgehalt nehmen Verschlämmung und Erosion ab.

Das Bodenleben betrachten

Tätigkeit der Regenwürmer, auch kleinerer Tiere wie der Springschwänze, sind durch Austrittslöcher an der Bodenoberfläche erkennbar. Sie sind vor allem im Frühjahr zu erkennen, wenn organische Masse auf der Bodenoberfläche zum Verzehr durch Bodenorganismen zur Verfügung stand. Es sind dann viele kleine «Bohrlöcher» und einige größere zu erkennen. Mithilfe eines Spatenstichs können die Gänge auch in der Krume sichtbar gemacht werden. Auch Regenwurmkot auf der Bodenoberfläche zeigt eine hohe Aktivität dieses Bodenbearbeiters an.
Ein indirekter Zeiger der Bodenfruchtbarkeit ist, wie schnell Pflanzenreste abgebaut werden. Am einfachsten lässt sich das anhand des Strohabbaus erkennen. Falls Stroh über eine Vegetationsperiode unverändert auf dem Boden bleibt, ist dies ein Zeichen für ein wenig aktives Bodenleben.

Den Boden riechen

Ein fruchtbarer Boden riecht gut und nicht abstoßend. Zum Vergleich kann man an einem Waldboden oder Ackerrain riechen. Wenn der Boden nach Fäulnis stinkt, stimmt etwas nicht. Auch die Wurzeln haben einen Eigengeruch, der von den Wurzelausscheidungen (Exsudaten) kommt. Leguminosenwurzeln haben einen angenehmen Geruch, auch Quecken. Dort sind auch häufig Regenwürmer in der Umgebung anzutreffen.