Humuswirtschaft

Grüngut und Mist werden durch die Kompostierung «humusähnlich» und damit für die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit wertvoller. © FiBL, Bild: Jacques Fuchs

Alfred Berner

Im biologischen Landbau wird bei den meisten Bodenproblemen im Humusaufbau ein wichtiger Lösungsbeitrag gesehen. Dafür gibt es gute Gründe, denn Humus erweist sich bei näherer Betrachtung als Dreh- und Angelpunkt der Bodenfruchtbarkeit:

  • Humus lagert sich gerne an Krümeloberflächen als Humushülle an. An diesen Oberflächen teilen sich größere Klumpen wieder bevorzugt (Sollbruchstellen), sodass die kleineren Krümel erhalten bleiben. Die Humushüllen imprägnieren die Krümel und schützen sie so vor zu viel Wasser: Dadurch platzen die Krümel im Regen weniger rasch, und der Boden verschlämmt weniger.
  • An humusreichen Oberflächen kleben Krümel schwerer Böden weniger zusammen. Dadurch sind die Böden während einer größeren Feuchtigkeitsspanne noch bearbeitbar. Humus macht nicht nur schwere Böden leichter, sondern auch leichte Böden durch seine «Kittwirkung» bindiger!
  • In gekrümelten, nicht verschlämmten Böden wird weniger Feinmaterial in tiefere Bodenschichten eingewaschen. Auch die Versickerung des Regens erfolgt rascher. Dadurch geschieht weniger Erosion. In solchen Böden können die Wurzeln tiefer eindringen und sich das Wasser in den unteren Bodenschichten auch bei Trockenheit noch holen. Diese Böden weisen somit einen besseren Wasserhaushalt auf. Mehr Humus bedeutet auch mehr Nahrung für die Bakterien, Pilze und anderen Organismen im Boden. Aktivere Bodenmikroorganismen halten auch Schaderregerpopulationen im Boden klein.
  • Grüne Pflanzenteile vermodern im Boden rasch zu Nährhumus, der die Bodenlebewesen nährt. Verholzte Pflanzenmaterialien und tote Mikroorganismen hingegen werden langsamer abgebaut. Sie verbinden sich mit Tonmineralien und werden zu Ton-Humus-Komplexen, dem Dauerhumus.
  • Ob Böden humusreich oder humusarm sind, hängt auch stark von den Standortbedingungen ab. Schwere und feuchte Böden sind eher humusreicher, trockene Sand- und Lössböden sind eher humusarm. Die Auswirkungen eines Humusabbaus wegen einer nicht nachhaltigen Fruchtfolge werden meist erst nach mehreren Jahren bemerkt. Ein Humusaufbau über die Fruchtfolge benötigt dementsprechend auch einige Jahre. Rascher geht es durch Zufuhr von Grüngut- oder Mistkompost. Damit kann ein Humusmangel in der Fruchtfolge teilweise kompensiert werden. Zugekaufter Mist und Komposte guter Qualität haben aber auch ihren Preis.
  • Eine Zunahme des Humusgehalts führt zu einem aktiveren und krümeligeren Boden mit einer besseren Stickstoffnachlieferung. Eine Abnahme des Humusgehalts führt zu einem zäheren, rascher zerfließenden, zu Verdichtungen neigenden Boden mit geringerer Stickstoffnachlieferung.

Infobox

Wie kann ich den Humusgehalt im Boden steigern?

  • Mit Grüngut- und Mistkompost werden reifere Humusverbindungen in den Boden eingebracht, die dem Abbau weitgehend standhalten und zum Aufbau des Humusgehalts beitragen.
  • Verholzte Ernterückstände werden nur langsam abgebaut und fördern eher die ligninabbauenden, langsamer wachsenden Bodenpilze, die die Bodenflora vielfältiger machen. Diese Ernterückstände tragen zur Bildung von Dauerhumus bei.
  • Mehrjähriges Kleegras in der Fruchtfolge bringt neben Humusaufbau auch sehr viel leicht abbaubare Wurzelmasse in den Boden und liefert damit in erster Linie Nährstoffe für Regenwürmer und Mikroorganismen.

Humusbilanzierung

Ziel jeder Bewirtschaftung sollte es sein, auf jedem Schlag pro Fruchtfolgerotation einen mindestens ausgeglichenen Humussaldo zu erreichen. Ob das Ziel erreicht oder verfehlt wird, lässt sich mit einer Humusbilanz kontrollieren.

Die Methoden zur Humusbilanzierung bauen meistens auf Schätzungen und Berechnungen, basierend auf der Fruchtfolge und der Bewirtschaftung, auf. Für die Bilanzierung in Biobetrieben eignen sich nur wenige Methoden, wie z.B. REPRO/ Hülsbergen oder Standort/Kolbe. Dabei gelten nationale Standards. Auch lassen sich die Humusbilanzen unterschiedlicher Betriebe nur mit Vorsicht vergleichen. Alle paar Jahre werden zusätzlich Humusmessungen empfohlen. Es kommt aber nicht nur auf die Gesamtmenge an Humus an, sondern auch auf die Qualität des Dauerhumus und auf den Umsatz des Nährhumus.