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Juni 2011: Feldtag in Gülzow

Am 9. Juni 2011 fand der von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern ausgerichtet „Tag des ökologischen Landbaus 2011“ statt. Der Feldtag wurde in Kooperation mit dem interdisziplinären Projekt „Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit“ durchgeführt, das vom "Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft" gefördert wird. Mit rund 70 Teilnehmern war der Feldtag gut besucht.

Dr. Harriet Gruber von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA) begrüßte zunächst die Teilnehmer zum diesjährigen Tag des ökologischen Landbaus, der in guter Tradition nun bereits zum 18. Mal stattfand.

Bodenfruchtbarkeit hat viele Aspekte

Im Bodenfruchtbarkeitsprojekt zeigten Grünguthäcksel zu Ackerbohnen eine unkrautunterdrückende Wirkung, bei Lupinen war kein Effekt sichtbar. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Im ersten Teil des Feldtags stand die Theorie im Vordergrund. Zunächst stellte Dr. Klaus-Peter Wilbois, Koordinator des Bodenfruchtbarkeitsprojekts, das interdisziplinäre Projekt sowie erste Ergebnisse daraus vor. Im Projekt werden unter anderem Analysen von 32 viehschwachen oder viehlosen, langjährig ökologisch wirtschaftenden Praxisbetrieben durchgeführt. Dieser Projektteil wird von Harald Schmidt, Stiftung Ökologie & Landbau, bearbeitet. Die Untersuchungen werden in den Fruchtfolgegliedern Körnerleguminose (Erbse oder Ackerbohne) und Wintergetreide durchgeführt. Um Zusammenhänge zwischen Standort, Bodenfruchtbarkeit und Ertrag herstellen zu können, werden Parameter aus den Bereichen Boden, Pflanze, Bewirtschaftung und Umwelt untersucht und statistisch ausgewertet. Aus den Ergebnissen vom Jahr 2009 konnten so bereits mehrere Faktoren abgeleitet werden, die den Erbsenertrag beeinflussten: Zunehmende Phosphat- und Bodenwassergehalte im Frühling wirkten sich positiv auf den Ertrag aus, während mit Zunahme des Unkrautdeckungsgrades und des Befalls mit Fusarium oxysporum die Erträge sanken. Diese Einflussfaktoren können noch weiter aufgeschlüsselt werden. Zum Beispiel wird der Unkrautdeckungsgrad umso größer, je höher der Nmin-Gehalt im Frühjahr ist. Verringert beeinflusst wird der Unkrautdeckungsrad hingegen durch eine größere Dichte von Erbsenpflanzen je , einen geringen Bodenwassergehalt im Frühling und eine größere Anzahl von Hack- bzw. Striegeldurchgängen. Die Auswertungen werden mit weiteren Daten fortgeführt. Im Projekt wurde durch Jacques Fuchs, FiBL Schweiz, auch eine Methode entwickelt, mit der die Ursachen der Bodenmüdigkeit bei Leguminosen eingegrenzt werden können. Typische Symptome sind Ertragsrückgang und kümmerliches Wachstum. Das Prinzip und erste Ergebnisse der Differenzialdiagnose wurden im Thema des Monats August 2010 vorgestellt.

Die Qualität des Grünlandes verbessern - aber wie?

Der Erfolg der Grünlandnachsaat wurde auch auf der Fläche vorgestellt. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Im nächsten Vortrag referierte Andreas Titze von der LFA zur Frage, ob Nachsaaten die Qualität des Öko-Grünlandes nachhaltig verbessern können. Denn in Mecklenburg-Vorpommern sind 70 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche Grünland, darunter sind viele Niedermoor- oder Sandstandorte. Als Ackerfutter wird vor allem Rotkleegras angebaut, die Qualität stagniert aber seit längerer Zeit auf mittlerem Niveau. Insgesamt gibt es große Ertragsschwankungen und eine geringe Wertschöpfung. Für eine qualitätsorientierte Nutzung müssen futterwirtschaftlich wertvolle Arten etabliert werden. Die Einsaat in den Bestand ist das Mittel der Wahl, da häufig kein Umbruch möglich ist. Um die Ertragsanteile nachgesäter Arten zu überprüfen, wurden an fünf Standorten Aussaatversuche angelegt. In vier verschiedenen Varianten wurden je 20 kg/ha ausgesät. Bei der Saattechnik wurde eine Kreiselegge mit Säaufsatz oder die Sämaschine Köckerling Herbamat verwendet. Möglich wären auch Direktsämaschinen. Im Vergleich zur Nachsaatdrillmaschine mit Schlitzscharen wird der Boden bei dem ersten Verfahren bei der Saat mehr verletzt, was bessere Keimbedingungen für die Grassamen liefert. Auf den Niedermoorstandorten lieferte nur der Wiesenschweidel nenneswerte Ertragsanteile, insgesamt wurde die Qualität durch die Nachsaat aber nicht deutlich verbessert. Auf Mineralboden ist die Aussaat von Wiesenschweidel sinnvoll, insgesamt wurden hier Ertragsanteile von bis zu 10 Prozent erreicht. Daneben erreichte der selbstaussäende Hornklee nach zwei Jahren einen nennenswerten Anteil und konnte den Futterwert verbessern. Hornklee kann auch unter trockenen Bedingungen Bestände bilden und wird gerne gefressen. Insgesamt gesehen ist das Fazit aus den Versuchen aber eher ernüchternd: 30 Prozent Ertragsanteil nach Nachsaat waren angestrebt, auf den Niedermoorstandorten war der Erfolg sehr gering, auf den Mineralböden immerhin annehmbar. Aus den Versuchen lässt sich aber sagen, dass eine dichte Altnarbe den Ansaaterfolg verringern kann. Deutsches Weidelgras und Wiesenschweidel haben die besten Ertragsraten liefern, da sie eine schnelle Jugendentwicklung aufweisen. Hornklee liefert auf sorptionsschwachen Standorten größere Ertragsanteile als Weißklee. Ein Kurzhalten des Bestandes durch Beweidung oder Mulchen nach der Saat kann die Etablierung verbessern. In Zukunft sind Versuche mit Sichelluzerne geplant.

Saatzeit und Pflege von Lupinen

Lupinensorten im Feldversuch © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Im Anschluss berichtete Dr. Harriet Gruber von der LFA über Versuche zum Einfluss von Saatzeit und Pflege auf Verunkrautung und Ertrag bei Blauen Lupinen. Lupinen werden insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Brandenburg angebaut, während sie im restlichen Deutschland kaum eine Rolle spielen. Aber auch in diesen Bundesländern nimmt der Lupinenanbau ab, denn Körnerleguminosen sind in Fruchtfolgen selten fest etabliert. Grund ist vor allem die starke Ertragsunsicherheit. Deshalb wurden am LFA Versuche zur Ertragssicherheit bei verschiedenen Aussaatzeitpunkten durchgeführt. Dazu wurde verschiedenen verzweigte und unverzweigt Lupinensorten Mitte März (früh), Anfang April (mittel) und Mitte April (spät) ausgesät. Bei der frühen Aussaat war keine flache Ablage des Saatguts möglich. Hier brauchten die Pflanzen länger um aufzugehen, was sich aber nicht verallgemeinern lässt, da der Aufgang stark von der jeweiligen Witterung abhängig war. Bei der Bestandesdichte lässt sich aus den Ergebnissen ableiten, dass eine spätere Aussaat zu dichteren Beständen führt. Entsprechend waren die später ausgesäten Bestände weniger verunkrautet. Wichtig für sichere Erträge ist eine lange Blühdauer und damit eine lange ertragsbildende Phase. Dafür ist eine gute Wasserversorgung bei Blühbeginn nötig, da bei Hitzestress die Blüten abgeworfen werden. Vor allem die Verwzeigungstypen reagieren beim Hülsenansatz auf die späte Saatzeit. Insgesamt gab es im Versuch aber beim Ertrag keine signifikanten Unterschiede auf Grund des Saatzeitpunktes. Auch die Sorten lieferten keine gesicherten Ertragsunterschiede. Ebenso hatten Pflegemaßnahmen und Verunkrautung kaum Einfluss auf den Ertrag. Am stärksten wirkte sich der Jahreseinfluss auf die Erträge aus. Generell sollte bei der Aussaat von Lupinen darauf geachtet werden, dass die Böden warm und trocken sind, die Aussaat sollte nicht erzwungen werden. Die Verwendung ertragsstarken Sorten ist von Vorteil. Verzweigende Sorten sollten tendenziell früher gedrillt werden. Die Unkrautbekämpfung sollte vor der Saat erfolgen, die Aussaat dann bis spätestens Mitte April. Eine späte Aussaat ist nur sinnvoll, um vor der Aussaat Zeit zur Unkrautbekämpfung zu haben, der Ertrag wird dabei tendenziell eher geringer.

Biopräparate zur Ertragssteigerung

Im letzen Vortrag berichtete Dr. Silke Ruppel, Leibnitz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau, über Biopräparate und deren Entwicklung und Potential für die Praxis. Biopräparate sind Präparate aus lebenden Mikroorganismen die in der Ernährung von Mensch, Tier und Pflanze, zur Bekämpfung von Pilzen, bakteriellen und tierischen Erregern sowie zur Sanierung von Böden und Gewässern angewendet werden können. In der Landwirtschaft können Biopräparate zum Beispiel eingesetzt werden, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und mineralischen Düngern zu reduzieren. Besonders interessant zur Anwendung in Biopräparaten sind Bakterien: sie haben eine hohe Wachstumsrate, eine hohe Enzymaktivität sowie eine hohe Diversität und Anpassungsfähigkeit. In Pflanzen kommen Bakterien an Wurzeln, aber auch im Interzellularraum und in den Leitgefäßen vor. Bakterien, die als Biopräparate eingesetzt werden dürfen, müssen aus der Umwelt isoliert sein, dürfen nicht genetisch modifiziert werden und nicht pathogen sein. Eingesetzt werden Biopräparate als Pflanzenstärkungsmittel, so zum Beispiel zur verbesserten Düngerwirkung durch N-Fixierung, Lösung schwer verfügbarer P-Verbindungen und Mineralisierung organischer Substanzen. Zum Pflanzenschutz können Biopräparate durch Antibiose, Konkurrenz und Abwehrstärkung (Präimmunisierung) beitragen. Beispielhaft zeigte Dr. Ruppel die Entwicklung eines Biopräparates zur N-Fixierung in Weizen. Das Bakterium Enterobacter radicincitans wurde aus Dünengräsern isoliert und auf hohe Enzymaktivität selektiert. Das so isolierte Bakterium fixiert nicht nur Stickstoff, sondern bildet auch Stoffe mit phytohormoneller Wirkung und besiedelt die Pflanze gut. In Feldversuchen war der Weizenertrag unter Anwendung dieses Biopräparates 10 bis 20 Prozent höher. Das Präparat führte aber auch in anderen Kulturen wir Paprika, Tomaten und Radies zu Ertragssteigerungen.

Feldbesichtigung von Lupinen, Erbsen, Kartoffeln und Steinklee

Während die Sorte Haags Blaue eher kurz blieb...
...war Boregine wüchsig und weniger verunkrautet. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Am Nachmittag konnten die Versuche der LFA am Standort Gülzow begutachtet werden, diese sind in einen Fruchtfolgeversuch integriert. Der Standort wird nach einer 6-gliedrigen Fruchtfolge bewirtschaftet, mit nur 0,7 GV hat er einen bilanzierten Humusüberschuss. Trotz des relativ geringen Viehbesatzes sind die Nährstoffgehalte stabil, möglicherweise muss in Zukunft gekalkt werden. Die Erträge sind ebenfalls stabil, aber nicht steigend. Viele der Versuchsergebnisse sind in diesem Jahr besonders von der Witterung beeinflusst. Im Herbst 2010 war es relativ feucht, was die Wintersaaten problematisch gestaltete. Im Frühjahr 2011 dagegen war die Niederschlagsmenge viel zu gering, dafür führten die warmen Temperaturen im April zu einer guten N-Mineralisation.

Es wurde unter anderen auf Demonstrationsparzellen ein Versuch angelegt, bei dem die Wirkung von Kompost und Grüngutschnittgut auf das Unkrautwachstum getestet wurden. Den an diesem Standort häufig vorkommenden Ackerkrummhals, auch Ochsenzunge oder Venusauge genannt (Lycopsis arvensis), konnten die organischen Düngemittel nicht sichtbar unterdrücken. Es bleibt abzuwarten, ob sich der positive Effekt beim Ertrag oder in der Nachfrucht zeigen wird. Weitere Demonstrationsparzellen befassten sich mit dem Anbau von Erbsen (Grana, Livioletta) im Gemenge mit Hafer im Vergleich zu Reinsaat.

Daneben konnten auch verschiedene Lupinensorten im Feld begutachtet werden. Während manche Sorten wie Probor, Sonate oder Haags Blaue eher kleinwüchsig waren und Unkraut schlecht unterdrückten, war die Sorte Boregine wüchsig und weniger verunkrautet. Bei den Versuchen zum Saatzeitpunkt bei Lupinen war im Feld bei der späten Saatzeit (Mitte April) weniger Unkraut und auch ein anders Unkrautspektrum zu sehen: anstelle des Ackerkrummhalses war hier der Gänsefuß das Hauptunkraut. Möglicherweise hat diese Variante von den späten Niederschlägen profitiert.

Vorgestellt wurden auch die Sortenversuche zu Kartoffeln. Am Standort Gülzow werden 18 verschiedene Sorten auf ihre Eignung für den ökologischen Anbau geprüft. Es werden Sorten der Reifegruppen 1 bis 4 angebaut und die Entwicklung und der Ertrag beobachtet. Dabei konnte bereits festgestellt werden, dass der Zeitpunkt der Ertragsbildung mehr von der Sorte als von der Reifegruppe abhängt.

Weiterhin wurde der Gelbe Steinklee als mehrjährige Leguminose vorgestellt, die aus dem Anbau weitgehend verschwunden ist. Der Steinklee trägt durch seine gute Durchwurzelung zur Bodenverbesserung bei und ist gleichzeitig eine gute Bienenweide. Im ersten Jahr bleibt der Steinklee relativ klein, im zweiten Jahr wird er sehr hoch. Der Aufwuchs wird im Versuch in einer Biogasanlage mit zwei Teilen Mais verwertet. Bei der Verfütterung ist auf Grund des hohen Cumaringehaltes Vorsicht geboten. Eine alte regionale Sorte, die offensichtlich cumarinarm ist, wird ebenfalls getestet. Es wurde verschiedene interessante Tipps zum Anbau von Steinklee gegeben: Die Aussaat sollte noch vor Juli erfolgen. Der Schnitt liegt mit 10 bis 15 cm relativ hoch, da der Steinklee aus den Knospen wiederaustreibt. Als ernstzunehmender Schädling am Steinklee ist der Blattrandkäfer zu nennen. Es existieren auch Sorten vom Weißen Steinklee, die aber oft einjährig sind.

Insgesamt war der Feldtag sehr informativ und bot eine große Vielfalt an Themen.