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Juni 2011: Feldtag in Alsfeld Liederbach

Rund 120 Teilnehmern besuchten den Feldtag „Bodenfruchtbarkeit im Visier“, der am 17. Juni im Rahmen des Bodenfruchtbarkeitsprojektes stattfand. Ausgerichtet wurde der Feldtag vom Beratungsteam ökologischer Landbau des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen (LLH) in Zusammenarbeit mit dem Konsortium des Bodenfruchtbarkeitsprojekts. In Vorträgen und Feldstationen erhielten die Teilnehmer vielseitige Anregungen zur Bodenfruchtbarkeit und Sortenwahl sowie zu Leguminosenanbau und zur Beikrautregulierung. Neben den umfangreichen Landessortenversuchen des LLH waren Demonstrations- und Untersuchungsflächen zu Fragestellungen des Bodenfruchtbarkeitsprojektes angelegt worden.

Ute Williges und Betriebsleiter Karl-Heinrich Kasper begrüßen die Teilnehmer. © LLH, Bild E.-A. Hildebrandt

Zunächst begrüßte Karl-Heinrich Kasper, auf dessen Betrieb der Feldtag stattfand, die Teilnehmer zur Veranstaltung. Der seit 1988 nach Demeter-Richtlinien wirtschaftende Betrieb ist einer der 32 Praxisbetriebe im Bodenfruchtbarkeitsprojekt. Im Anschluss wurden die Teilnehmer von Ute Williges im Namen des LLH begrüßt.

Im ersten Vortrag stellte Klaus-Peter Wilbois vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FIBL) das Bodenfruchtbarkeitsprojekt vor. Ziel des Projektes ist es, über die Optimierung von Bodenbearbeitung, Mischkultursystemen und organischer Düngung sowie einem besseren Verständnis phytopathologischer Aspekte in Leguminosen praxisrelevante Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit zu entwickeln. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Fruchtfolgegliedern Körnerleguminosen – Getreide in viehschwachen oder viehlosen Marktfruchtbetrieben. Erste Ergebnisse aus den einzelnen Arbeitsbereichen gibt es aus der Analyse der Praxisbetriebe, aus der Differenzialdiagnose sowie aus den Versuchen zur Regulation von Schaderregern. In dem am vTI Trenthorst durchgeführten Versuchen zeigte sich, dass der Blattlausbefall bei Wintererbsen geringer war als bei Sommererbsen. Erbsen im Gemenge waren weniger befallen als in Reinsaat. Die Blütenfarbe hatte jedoch keinen eindeutigen Einfluss auf den Läusebefall.

Bodenfruchtbarkeit in der Praxis

Harald Schmidt (SÖL) gibt Einblicke in die Praxisanalysen bei Ackerbohnen. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Harald Schmidt von der Stiftung Ökologie & Landbau stellte erste Ergebnisse aus den Praxiserhebungen im Bodenfruchtbarkeitsprojekt vor. Im Projekt werden Analysen von 32 langjährig ökologisch wirtschaftenden Praxisbetrieben durchgeführt. Die Untersuchungen werden in den Fruchtfolgegliedern Körnerleguminose (Erbse oder Ackerbohne) und Wintergetreide durchgeführt. Um Zusammenhänge zwischen Standort, Bodenfruchtbarkeit und Ertrag herstellen zu können, werden Parameter aus den Bereichen Boden, Pflanze, Bewirtschaftung und Umwelt untersucht und mit einem aufwändigen mulitvariaten statistischen Verfahren ausgewertet. Aus den Ergebnissen vom Jahr 2009 konnte so bereits mehrere Faktoren abgeleitet werden, die den Erbsenertrag beeinflussten: Zunehmende Phosphat- und Bodenwassergehalte im Frühling wirkten sich positiv auf den Ertrag aus, während mit Zunahme des Unkrautdeckungsgrades und des Befalls mit Fusarium oxysporum die Erträge sanken. Diese Einflussfaktoren können noch weiter aufgeschlüsselt werden. Zum Beispiel wird der Unkrautdeckungsgrad umso größer, je höher der Nmin-Gehalt im Frühjahr ist. Verringert beeinflusst wird der Unkrautdeckungsrad hingegen durch eine größere Dichte von Erbsenpflanzen je , einen geringen Bodenwassergehalt im Frühling und eine größere Anzahl von Hack- bzw. Striegeldurchgängen. Die Auswertungen werden mit weiteren Daten fortgeführt. Im Feld gab Harald Schmidt auf dem Praxisschlag wertvolle Tipps für den Ackerbohnenanbau.

Im Bodenfruchtbarkeitsprojekt wurde mit der Differenzialdiagnose eine Methode entwickelt, mit der die Ursachen der Bodenmüdigkeit bei Leguminosen eingegrenzt werden können. Typische Symptome sind Ertragsrückgang und kümmerliches Wachstum. Jacques Fuchs vom FiBL Schweiz stellte das Prinzip der Differenzialdiagnose vor, dieses ist im Thema des Monats August 2010 nachzulesen.

Komposte tragen zur Leguminosengesundheit bei

Prototyp des an der Universität Kassel entwickelten Systems zur Reihenapplikation von Kompost. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Christian Bruns von der Universität Kassel berichtete von den Effekten der Grünguthäckselapplikation in Ackerbohnen. Es zeigte sich, dass Grünguthäcksel in Ackerbohnen auf den Versuchsstandorten zu einer reduzierten Verunkrautung führte. Wurden Ackerbohnen und Rotklee mit organischen Düngemitteln gedüngt, so hatte dies auch einen positiven Effekt auf den Ertrag der Folgefrucht Winterweizen. Der Forscher berichtete auch, dass Grüngutkomposte in Versuchen unter kontrollierten Bedingungen eine Reihe von bodenbürtigen Pilzen wie Pythium ultimum (verursacht Umfallkrankheiten) sowie Rhizoctonia solani und bodenbürtige Phytophthora-Arten effektiv reduzieren. Vor allem durch Konkurrenz bildet die Mikroflora des Komposts eine gewisse Barriere gegenüber den Schadpilzen. In den bisherigen Untersuchungen wurde der Kompost in Anteilen zwischen 10 bis 50 Vol-% in den Substraten eingesetzt. Auf dem Acker sind derartig hohe Kompostanteile nicht umsetzbar. Da die Wirkung des Kompostes ist aber umso besser, je höher der Anteil im Substrat ist, müssen die Komposte dicht am Befallsherd der Pilze platziert werden. Dazu wird im Projekt ein System zur Reihenapplikation von Kompost entwickelt, mit dem der Kompost direkt in der Saatreihe abgelegt werden kann.

Ein Prototyp des Systems zur Reihenapplikation von Kompost wurde beim Feldtag von Björn Bohne vorgestellt. Das System ermöglicht die gezielte Ausbringung von Kompost in der Saatreihe direkt vor der Saatgutablage. Dafür wurde eine Drillmaschine mit einem Bunker für 800 Liter Kompost versehen. Diese Verfahren ermöglichen, hohe Kompostanteile in der Nähe der Keimlinge zu applizieren, ohne die maximal erlaubte Kompostmenge (5 t Komposttrockenmasse pro ha und Jahr) zu überschreiten. Ein Schleppschar mischt Erde in den Kompost ein und ein Zustreicher häufelt Erde auf den Kompost. Zuletzt wird der Boden mit einer Andruckrolle rückverfestigt. Das System ist mit jedem Schlepper verwendbar. Im Projekt laufen außerdem Versuche zur Applikation von pelletiertem Kompost.

Landessortenversuche Getreide und Körnerleguminosen

Knut Schmidtke erläutert die Funktion und Anwendung des Messgerätes zur Lichttransmission in Getreidebeständen. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

In den Landessortenversuchen des LLH hatten die Teilnehmer Gelegenheit, die aktuellen Sortimente bei Getreide und Körnerleguminosen sowie verschiedene Anbauversuche mit unterschiedlichen Saatstärken zu begutachten. Detaillierte Informationen sind im Versuchsfeldführer des Feldtags (.pdf) nachzulesen. Geführt wurden die Teilnehmer von Dr. Sonja Biewer und Thomas Schindler aus dem LLH Ökoteam sowie Prof. Dr. Knut Schmidtke von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, der Ergebnisse aus einem Verbundvorhaben zur Ermittlung derBeschattungseigenschaft von Weizensorten vorstellte. Mit Fotozellen wird die Lichttransmission im Bestand, also die Lichtmenge die den Boden erreicht, gemessen. Je geringer die Transmission, desto besser sollte die Unterdrückung von Unkräutern durch Beschattung sein. Eine geringe Lichttransmission im Bestand ist vor allem dann wichtig, wenn das Wetter ein rechtzeitiges Striegeln nicht zulässt. Am Beispiel von 17 verschiedenen Weizensorten konnten mit dieser Technik erhebliche Unterschiede bei der Beschattung des Bodens durch die Pflanzen während der Bestockung, beim Schossen und beim Ende des Ährenschiebens festgestellt werden. Am wichtigsten ist wohl das Beschattungsvermögen während der Bestockung. Für das Beschattungsvermögen ist in erster Linie die Stellung der Blätter verantwortlich (steile oder horizontale Blatthaltung).

Neues aus der ökologischen Pflanzenzüchtung

Hartmut Spieß vom Dottenfelderhof berichtet von der ökologischen Getreidezüchtung. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois
Thomas Schindler vom LLH-Ökoteam stellte die Landessortenversuche vor. © FiBL, Bild K.-P. Wilbois

Wichtige Züchtungsziele der ökologischen Getreidezucht stellte Getreidezüchter Dr. Hartmut Spieß vom Dottenfelderhof vor. Derzeit wird vor allem darauf abgezielt, gesunde Sorten zu züchten, die zum Beispiel gegen Stein- und Flugbrand resistent sind. Bei der Qualitätsbeurteilung steht das Backvolumen im Vordergrund. Hier zeigt sich, dass im aktuellen Sortenangebot beim Weizen auch Sorten vertreten sind, die bei geringerem Feuchtklebergehalt große Backvolumen erzielen können. Dennoch ist der Stickstoffgehalt im Boden weiterhin ein wichtiger Faktor für die Ertragsbildung. Der ökologische Pflanzenzüchter Hans Gahlleitner aus Österreich stellte mit Ebners Rotkorn und Bioro seine zugelassene Dinkel- bzw. Ackerbohnensorte vor.

In einem Versuch zum Mischfruchtanbau von Winterweizen und Wintererbse wurde nicht wie üblich die Wintererbse, sondern der Winterweizen als Partner in den Vordergrund gestellt. Es soll geprüft werden, ob Weizen mit einer geringen Beimengung von Winterbsen die Möglichkeit des Anbaus von Qualitätsweizen als abtragende Frucht in der Fruchtfolge des Betriebs Kasper eröffnet und die Weizenqualität verbessert. Bei normaler Saatstärke von Qualitätsweizen (400 K/) und der Einsaat von 5, 10 und 20 Wintererbsen/ zeigten sich bessere Rohproteingehalte im Weizen bei gleichen Weizenerträgen. Die Aussaatstärke der Erbsen wirkte sich in diesem Versuch nicht auf die Weizenerträge aus. Weitere Ergebnisse zu dieser Frage sind abzuwarten. Zu klären ist auch, wie solche Gemenge in die Fruchtfolge integriert werden können, ohne dass sich die Probleme mit bodenbürtigen Krankheiten erhöhen. Für die Trennung von Weizen und Erbsen ist eine sehr gute Saatgutreinigung notwendig.

Auf Interesse stieß auch der Ansatz von Hartmut Spieß, in Zusammenarbeit mit dem Landwirt standortangepasste Mischungen (Populationen) zu etablieren. Gestartet wird mit einer Mischung, die nach den Kriterien Ertrag, Steinbrandresistenz und Gesundheit zusammengestellt ist. Durch Kreuzungen untereinander passt sich die Mischung an den Standort an. Lediglich Pflanzen die nicht passen, werden aus der Mischung genommen. Die Vielfalt in den Mischungen soll erhalten und nicht eingegrenzt werden, damit die Produktivität genau an dem Standort der Selektion erhöht wird.

Im Bereich der ökologischen Pflanzenzüchtung gibt es noch weitere positive Entwicklungen: Wie Uwe Brede berichtete, wurde Anfang des Jahres eine bäuerliche Züchtungsgenossenschaft gegründet. Hintergrund ist die stetige Abnahme von Züchtungsprogrammen für Körnerleguminosen und die somit immer weiter eingeschränkte Sortenwahl. Mit der Genossenschaft wollen sich die Landwirte in die Lage versetzen, ihre eigene Saatgutproduktion mit geeigneten Sorten betreiben zu können. Die Zulassung einer Ackerbohnen-Sorte als Erhaltungssorte ist geplant.

Bei der Vorstellung der Sortenversuche zu den Ackerbohnen war auffällig, dass der Sortenversuch sich schlechter präsentierte als die angrenzenden Ackerbohnen des Betriebsleiters.  Der eigentlich normalerweise richtige und frühe Saatzeitpunkt am 23. März war in diesem Jahr mit dem extrem trockenen Frühjahr relativ spät, zumal mit der Versuchstechnik eine ausreichende Saattiefe nicht erreicht werden konnte. Dem Betriebsleiter war es gelungen, 7 bis 8 cm tief zu säen, was in diesem Jahr einen immensen Wachstumsvorsprung bedeutete.

Der Feldtag präsentierte eine Vielzahl von aktuellen Fragestellungen des ökologischen Landbaus und war damit rundum gelungen.