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Blattrandkäfer - erst die Blätter, dann die Knöllchen

Die Gattung der Blattrandkäfer (Sitona sp.) gehört zur Familie der Rüsselkäfer. Der wichtigste Vertreter ist der Gestreifte Blattrandkäfer (Sitona lineatus), daneben treten auch der Große Blattrandkäfer (Sitona griseus) und der Große Lupinenblattrandkäer (Sitona gressorius) als Schädling auf. Die Blattrandkäfer sind auf den Fraß von Leguminosen spezialisiert und können daher besonders im ökologischen Landbau größere Schäden anrichten.

Schadbild und Biologie

Erwachsener Gestreifter Blattrandkäfer. © Agroscope Changins-Wädenswil ACW, Schweiz

Die erwachsenen Käfer sind bei der Nahrungswahl nicht sehr wählerisch – sie fressen grundsätzlich alle Arten von Leguminosen. Am liebsten frisst der Gestreifte Blattrandkäfer allerdings Erbsen und Ackerbohnen. Die Aktivitäten des Käfers, der im Boden überwintert, beginnen im März/ April bei Temperaturen um die 15°C. Wenn er zu diesem Zeitpunkt noch keine Körnerleguminosen findet, ernährt er sich zunächst von Klee und Luzerne - um später zu Erbsen & Co. zu fliegen. Der Fraß ist leicht an runden Kerben am Blattrand zu erkennen, die Blätter werden wie Briefmarken eingezackt. Dem drei bis sechs Millimeter langen Käfer selbst begegnet man selten, da er nachtaktiv ist. Der Blattverlust kann in der Regel durch die Pflanze ausgeglichen werden, nur selten ist der Blattfraß selbst wirklich kritisch. Ein Problem wird er meist nur bei anhaltend trockenen Wetterbedingungen mit entsprechend langsamem Wachstum der Leguminose.

Ein Gestreifter Blattrandkäfer legt dann von Mai bis Juli bis zu 1.000 Eier, in der Regel in den Erbsen- oder Ackerbohnenbeständen. Kühle und feuchte Witterung helfen den sechs bis sieben Millimeter langen, weißlichen und beinlosen Larven, die in diesem Stadium trockenheitsempfindlich sind, beim Eindringen in den Boden. Dort fressen sie dann an Wurzeln und Knöllchen (möglicherweise ausschließlich an Knöllchen) und sichern sich damit den dort gesammelten Stickstoff für die eigene Eiweißversorgung. Dies macht den eigentlichen und erst zu nehmenden Schaden aus. Neben dem Ertrag der Körnerleguminose leidet der Ertrag der Folgefrucht noch mehr, weil deren N-Versorgung dezimiert wurde. Befallene Knöllchen weisen eine Einstichstelle auf und sind ausgehöhlt. Nach der Verpuppung von Mitte Juni bis August erscheint die nächste Generation der Käfer, die in seltenen Fällen im Herbst noch Schäden anrichtet. Die Überwinterung erfolgt meist in Grünland, Kleegras, Brachflächen oder Wegrainen.

Regulierung

Die Fraßspuren des Blattrandkäfers an den Blättern sind deutlich erkennbar. © Landwirtschaftliches Institut des Kantons Freiburg

Da die Blattrandkäfer alle Leguminosen befallen, ist die Möglichkeit der Regulierung über die Fruchtfolge begrenzt. Erbsen und Ackerbohnen sollten möglichst entfernt von vorjährigen Leguminosen- und Kleeschlägen ausgesät werden, falls Probleme sichtbar waren. Ob ein Gemengeanbau Schäden reduzieren kann, bleibt abzuwarten. Im integrierten Anbau wird eine Bekämpfung mit Insektiziden bei einem Befall von 20 Käfern pro Quadratmeter empfohlen, amerikanische Veröffentlichungen sprechen von einer Schadschwelle von 0,3 bis 1 Käfer pro Pflanze im Keimblattstadium – beides sind in etwa vergleichbare Größenordnungen. Für den ökologischen Landbau gibt es bisher keine Erfahrungen über die Wirksamkeit von zugelassenen Insektiziden wie Pyrethrum oder Neem und den zugehörigen Schadschwellen. Es gibt Versuche zur Bekämpfung der Larven im Boden mit räuberischen Pilzen und zur Verwirrung mit anderen Arten von Blattrandkäfern. Diese fressen ihrerseits aber anstatt Erbsen lieber Klee und sind deshalb keine wirkliche Hilfe. Im Gemüseanbau können Kulturschutznetze die Einwanderung der Blattrandkäfer verhindern.

Pflanzenbaulich ist die Ansaat eines Fangstreifens mit Wintererbsen bei gleichzeitig relativ später Aussaat der Sommererbsen eine Strategie, die diskutiert wird. Die Blattrandkäfer sollen sich auf die Wintererbse konzentrieren. Die Wintererbse selbst wird vom Blattrandkäfer weniger geschädigt, da sie in der Entwicklung weiter ist und auch schon früher mehr Knöllchen gebildet wurden.

Ausblick

Im Moment sind die Blattrandkäfer zwar an vielen Standorten anwesend, aber die Schäden haben sich in den letzten beiden Jahren nicht vergrößert. Dies könnte an den relativ kalten Wintern gelegen haben. Dennoch ist es wichtig, die Bestände auf Blattfraß und später die Wurzeln auf Fraßsymptome an den Knöllchen zu kontrollieren. Auch wenn derzeit die direkten Eingriffsmöglichkeiten nur sehr begrenzt sind, ist es dennoch wichtig, die N-Versorgung der Folgefrucht abschätzen und gegebenenfalls reagieren zu können.

Links und Quellen

H. Sauke, M. Finckh und K. Möller: Schädlinge und Viruskrankheiten an Leguminosen, in: S. Kühne, U.Barth und P. Marx: Biologischer Pflanzenschutz im Freiland, Ulmer Verlag, Stuttgart, 2006

Bio-Anbau von Körnerleguminosen (Bioforschung Austria)

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Impressum

Autor: Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Durchsicht und Redation: Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)

Quellenangabe bei Veröffentlichung

Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Beitrag entstanden im Rahmen des Projektes „Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Weitere Infos unter www.bodenfruchtbarkeit.org