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Unkrautunterdrückung in Erbsen-Hafer-Gemengen – Was sind mögliche Ursachen?

Erbsen werden im ökologischen Landbau oft zusammen mit Getreidepartnern als Gemenge angebaut. Die Vorteile von Erbsen-Hafer-Gemengen sind im Vergleich zu Erbsen-Reinsaaten in einer besseren Standfestigkeit und einer höheren Ertragsleistung und -sicherheit, aber insbesondere auch in der guten unterdrückenden Wirkung gegenüber einjährigen Unkräutern zu sehen.

Unkrautaufkommen in Erbsen-Hafer-Gemengen

Abb. 1: Unkrautbiomasse in Sommererbsen-Reinsaat, Sommererbsen-Hafer-Gemenge und Hafer-Reinsaat zum Zeitpunkt der Ernte in zwei Versuchsjahren.

Das Unkrautaufkommen in Erbsen-Hafer-Gemengen ist in der Regel geringer als das in Erbsen-Reinsaaten. Getreide-Reinsaaten dagegen weisen ein noch geringeres Unkrautaufkommen auf. Ein Beispiel für die unterschiedliche Verunkrautung in Sommererbsen-Reinsaaten, Sommererbsen-Hafer-Gemengen und Hafer-Reinsaaten ist in Abbildung 1 dargestellt. Als Ursache für diese unterschiedliche Unkrautunterdrückung kommen sowohl die Konkurrenz um Standraum als auch Wachstumsfaktoren wie etwa Licht und Nährstoffe infrage. Aber auch die Abgabe von wachstumshemmenden Substanzen durch den Getreidepartner Hafer kann hierbei eine Rolle spielen.

Konkurrenz als Ursache

Getreidearten weisen im Vergleich zu Erbsen eine schnellere Jugendentwicklung auf. Dadurch ist in Hafer-Reinsaaten und Sommererbsen-Hafer-Gemengen eine frühere Beschattung der Bodenoberfläche vorhanden. Dies führt auch dazu, dass den Unkräutern weniger Licht zum Wachstum zur Verfügung steht. Aufgrund der unterschiedlichen Blattstellung bei halbblattlosen Erbsen (waagrecht) und Getreide (senkrecht) verändert sich im Verlauf der Entwicklung die Beschattungsfähigkeit. Gegen Ende der Vegetation weisen in der Regel Erbsen-Reinsaaten und Erbsen-Hafer-Gemenge einen geringeren Lichteinfall auf als Hafer-Reinsaaten. Dennoch zeigt sich in Hafer-Reinsaaten zu diesem Zeitpunkt immer noch die geringste Verunkrautung im Vergleich zu Erbsen-Reinsaaten und Erbsen-Hafer-Gemengen. Dies spricht dafür, dass neben der Konkurrenz um Licht noch weitere Faktoren entscheidend sind, die mit zunehmender Pflanzenentwicklung eine größere Rolle spielen könnten.

Getreide weist ein höheres Aneignungsvermögen für Bodenstickstoff auf als Sommererbsen. Dies wird oft auf den höheren Bedarf und die schnellere Wurzelentwicklung der Getreidepflanzen zurückgeführt. In Erbsen-Getreide-Gemengen und Getreide-Reinsaaten steht damit weniger Bodenstickstoff für das Wachstum der Unkräuter zur Verfügung. Gleichzeitig profitieren Unkräuter in Erbsen-Reinsaaten auch von der Stickstofffixierung der Erbsen.

Unterschiedlich frühe Verunkrautung in Beständen von Sommererbsen-Reinsaat
Sommererbsen-Hafer-Gemenge
und Hafer-Reinsaat. © OEL; Bild: A. Gronle

Wachstumshemmenden Substanzen als Ursache

Abb. 2: Auswirkung einer Behandlung von Vogelmiere-Keimlingen mit (Behandlung) bzw. ohne Wurzelausscheidungen (Kontrolle) von Hafer auf die Biomassebildung von Spross und Wurzel

Viele Getreidearten sind dafür bekannt, dass sie aus lebenden Pflanzenteilen (z.B. Wurzeln) oder aus abgestorbenen Pflanzenresten Substanzen abgeben, die auf andere Pflanzen wachstumshemmend wirken können. Hafer scheidet über die Wurzeln wachstumshemmende Substanzen aus, die eine gute Unterdrückung einjähriger Unkräuter in Hafer-Reinsaaten und Erbsen-Hafer-Gemengen bewirken. Dies konnte mit Untersuchungen in Gefäßversuchen nachgewiesen werden. Das Wachstum von Vogelmiere zeigte dabei eine deutliche Wuchsreduktion, wenn die Pflanzen ab dem Keimblattstadium mit Wurzelaussscheidungen von Hafer in Kontakt kamen (siehe Abbildung 2).

Schlussfolgerung

Als Ursache für die gute Unkraut unterdrückende Wirkung von Sommererbsen-Hafer-Gemengen kommt nicht nur die Konkurrenz um Wachstumsfaktoren oder die Abgabe von wachstumshemmenden Substanzen in Frage. Vielmehr handelt es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen und Vorgänge, die oft auch von den Boden- und Witterungsbedingungen am Standort abhängig sind.

Links und Quellen

  • B. Freyer, G. Pietsch, R. Hrbek und S. Winter (2005) Futter- und Körnerleguminosen im biologischen Anbau. avBuch, Österreichischer Agrarverlag, Leopoldsdorf.
  • W. Aufhammer (1998) Getreide- und andere Körnerfruchtarten. Ulmer Verlag, Stuttgart.
  • Körnerleguminosen im Mischanbau (.pdf)

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Impressum

Autor: Annkathrin Gronle und Herwart Böhm (vTI, Institut für Ökologischen Landbau)

Durchsicht und Redaktion: Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)

Quellenangabe bei Veröffentlichung

Annkathrin Gronle und Herwart Böhm (vTI, Institut für Ökologischen Landbau)

Beitrag entstanden im Rahmen des Projektes “Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Weitere Infos unter www.bodenfruchtbarkeit.org