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Warum über Bodenfruchtbarkeit sprechen?

Die «Humussphäre» ist ein wunderbarer Lebensraum. In der Bildmitte ein Einzeller. © Bildarchiv Boden, Bild: Otto Ehrmann

Die Herausgeber

Im Landbau leben wir von und mit der Bodenfruchtbarkeit – wir sind Kinder der Erde. Der ökologisch vitale Boden erneuert stets seine Ertragsfähigkeit. Beachten wir seine Bedürfnisse zu wenig, leidet er darunter. Er verliert an Lebendigkeit, wird witterungs- und erosionsempfindlicher, und die Ernten werden geringer. Schäden lassen sich im Biolandbau rein technisch kaum überspielen. Deshalb bedarf ein erschöpfter oder kranker Boden der Gesundung mithilfe ökologisch sinnvoller Maßnahmen, die ihm helfen, sich wieder selbst zu regenerieren. Trotz aller Sachzwänge und Probleme gibt es viele Handlungsmöglichkeiten, mit denen wir unserer bäuerlichen Verantwortung für den lebendigen Boden nachkommen können. Das lohnt sich, nicht nur wirtschaftlich.

In den Sechzigerjahren definierte der Wissenschaftler Ernst Klapp die Bodenfruchtbarkeit ihrer praktischen Anschauung gemäß als «die natürliche, nachhaltige Fähigkeit eines Bodens zur Pflanzenproduktion». Sie sei die Fähigkeit des Bodens, ohne Hilfsmittel und bei weitgehend stabilen Erträgen alles bereitzustellen, was die Pflanze zu ihrem Gedeihen braucht. In der Zwischenzeit hat die Agrarwissenschaft vielerorts den umfassenden Begriff der Bodenfruchtbarkeit durch eine Menge physikalischer, chemischer und biologischer Mesgrößen ersetzt. Es gehört nun zu den Aufgaben der Wissenschaft, solch detailliertes Wissen anwendungsfähig zu machen.

Viele Praktiker haben ihre eigenen Strategien und Techniken zur Pflege der Bodenfruchtbarkeit entwickelt. Sie haben durch Beobachtung gelernt und sich auch auf ihre Intuition verlassen. Dieses Wissen und das durch wissenschaftliche Experimente und Beobachtungen gewonnene ergänzen einander gut. Diese Broschüre will dazu anregen, eine wirklich nachhaltige Kultur des fruchtbaren lebendigen Bodens zu praktizieren, basierend auf bewährten Grundlagen und der Erprobung neuer Möglichkeiten.

Zitat

» Wir spüren in vielen Bereichen, dass einfache Ursache-Wirkung-Betrachtungen unserer Lebenswelt nicht gerecht werden. Es ist deshalb zeitgemäßer und notwendiger denn je, den Boden als komplexen Organismus statt als einfaches chemisch-mechanisches Modell zu verstehen. «

Thomas Fisel, Leiter Bioland-Beratung