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Über Bodenfruchtbarkeit nachdenken

Jetzt ist das neue Merkblatt „Grundlagen zur Bodenfruchtbarkeit“ erschienen! Unterstützt von erfahrenen Bauern haben führende Bio-Verbände der deutschsprachigen Länder zusammen mit dem FiBL eine neue Synthese zur Bodenfruchtbarkeit gewagt. Das Ergebnis ist eine 32-seitige Broschüre, die kompakt dargestelltes Erfahrungswissen mit tiefen Gedanken und Fragen zur Bodenfruchtbarkeit zusammenbringt.

Was macht einen fruchtbaren Boden aus? Was tragen die Bodenlebewesen alles dazu bei und wie kann man das Bodenleben pflegen? Wie lässt sich die Bodenfruchtbarkeit mit einfachen Mitteln auf dem Acker beurteilen? Wie können Fruchtfolgen humusmehrend gestaltet werden? Welche unterschiedlichen Wirkungen haben organisch Dünger und verschiedene Gründüngungen? Welche Möglichkeiten habe ich, Bodenverdichtungen und -erosion zu vermeiden? Auf welche Zusammenhänge zwischen Bodenprozessen und Klimagasen muss man achten und wie kann ich zur Klimarettung beitragen? Und wie könnte die Zukunft der biologischen Bodenkultur aussehen? Zu all diesen Fragen bietet die Broschüre Informationen, Denkanstöße und Wertefragen. Denn Sepp Braun, Biobauer aus Freising, beschreibt in der Broschüre die derzeitige Lage sehr treffend: „Wenn Böden während Jahrhunderten ausgelaugt und ausgepowert wurden, dann haben wir als Ackerbauern die Pflicht und Bringschuld, diesen Böden auch wieder zu helfen, sich aufzubauen.“

Die landwirtschaftliche Sicht der Bodenfruchtbarkeit hat sich in den letzten Jahrzehnten mehrfach gewandelt. Die Agrarwissenschaften sahen zunächst den Ertrag des Bodens als das wesentliche Fruchtbarkeitsmaß an. Dann meinte man, die Bodenfruchtbarkeit mit dem Nährstoffgehalt des Bodens gleichsetzen zu können, was letztlich zu ihrer Verwechslung mit Kunstdüngern führte. Dann wurde erkannt, wie wichtig die Effizienz der Nährstoffumsetzungen im Boden – besonders auch im Kreislauf – hin zu Pflanzenerträgen ist. Eine Gefahr der an Detailkenntnissen reichen Agrarwissenschaft ist, dass sich der umfassende Begriff der Bodenfruchtbarkeit in einem Dickicht physikalischer, chemischer und biologischer Messgrößen verliert. Deshalb gehört es zu den Aufgaben der Wissenschaft, ihr detailliertes Wissen mit Unterstützung erfahrener Praktiker übersichtlich und anwendbar zu machen.

Welche Zukunftsszenarien gibt es für die biologische Bodenkultur? Allein schon die Probleme mit Monokulturen und unsere Abhängigkeit von Brennstoffen und Maschinen zeigen, dass die Entwicklung des Biolandbaus noch einiges vor sich hat, damit er langfristig nachhaltig werden kann. Welche neuen Anbauformen könnten uns helfen? Wie könnten wir noch besser mit dem Bodenleben zusammenarbeiten? Welche Maschinen, welche Sorten und welche Bildung brauchen wir in Zukunft? Mit klaren Thesen und Fragen weisen die Herausgeber dieser neuen Broschüre darauf hin, dass eine gute Weiterentwicklung der Höfe und des Biolandbaus insgesamt nicht mit Vorschriften zu schaffen ist, denn sie braucht die Freiheit und Entwicklung des Einzelnen und den Austausch und die Hilfe untereinander.

So wie die verschiedenen Sichtweisen auf die Bodenfruchtbarkeit dargelegt werden, verzichtet die Broschüre darauf, eine allgemeingültige „Gebrauchsanweisung“ für den Boden zu liefern. Diese Broschüre möchte die Bäuerinnen und Bauern in ihrem eigenen Weg bestärken. So kann der Biolandbau seine Beziehung zum Boden neu gestalten kann. Die Herausgeber stellen diese Publikation kostenfrei auf dieser Website bereit.

Download

Hier erhalten Sie das Thema des Monats Juni (.pdf) zum Download.

Impressum

Autoren: Nikola Patzel (FiBL Schweiz) und Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)

Quellenangabe bei Veröffentlichung

Nikola Patzel (FiBL Schweiz) und Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)

Diese Mitteilung ist entstanden im Rahmen des Projektes “Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf Grund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft.
Die Grundlagenbroschüre selbst ist ein Produkt ihrer Herausgeber.