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Juni 2012: Rund um den fruchtbaren Boden: Feldtag in Kleinhohenheim

Los ging der Feldtag mit einem Vortrag in der Scheune. © FiBL, Bild A.-K. Spiegel

Die Bodenfruchtbarkeit steht für jeden Biolandwirt im Zentrum seines Wirtschaftens, denn nur ein fruchtbarer Boden sichert langfristig die Erträge und macht Ertragssteigerungen möglich. Doch wie kann die Bodenfruchtbarkeit im Ökolandbau erhalten und verbessert werden? Der Feldtag am 25. Juni auf der ökologisch bewirtschafteten Versuchsstation Kleinhohenheim beschäftigte sich mit dieser Frage aus zwei Blickpunkten: Dem Anbau von Körnerleguminosen und dem Einfluss der Bodenbearbeitung.
Der Feldtag wurde von der Koordinationsstelle für Ökologischen Landbau und Verbraucherschutz an der Universität Hohenheim sowie dem Bodenfruchtbarkeitsprojekt ausgerichtet.
Nach der Begrüßung am Versuchsstandort durch Dr. Sabine Zikeli, der Leiterin der für Ökologischen Landbau und Verbraucherschutz, präsentierte Dr. Klaus-Peter Wilbois erste Ergebnisse aus dem Bodenfruchtbarkeitsprojekt. Das Projekt wird durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen der nachhaltigen Landwirtschaft (BÖLN) gefördert. Projektziel ist es, Maßnahmen zu entwickeln um den Körnerleguminosenanbau und seine positiven Wirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit zu optimieren.

Das Bodenfruchtbarkeitsprojekt ist breit aufgestellt

In Schauparzellen wurden Themen aus dem Bodenfruchtbarkeitsprojekt vorgestellt. © FiBL, Bild A.-K. Spiegel

Einer der Schwerpunkte im Projekt ist die im ökologischen Landbau weit verbreitete „Leguminosenmüdigkeit“. Die damit verbundenen Auflauf- und Fußkrankheiten, die von einem Erregerkomplex bodenbürtiger Pilze verursacht werden, verursachen auf einigen Biobetrieben den Leguminosenanbau mittlerweile erhebliche Ernteausfälle. Viele Betriebe verzichten deshalb zum Beispiel auf den Erbsenanbau. Dr. Wilbois präsentierte ein einfaches Testverfahren, das jeder Landwirt selbst, oder in Zusammenarbeit mit seinem Berater, anwenden kann, um festzustellen, ob seine Flächen von Leguminosenmüdigkeit betroffen sind. Über den Topfversuch, der leicht auf dem Fensterbrett durchgeführt werden kann, können sogar die Ursachen der Leguminosenmüdigkeit grob eingegrenzt werden. Der Wissenschaftler wies außerdem auf den nicht zu unterschätzenden Einfluss der Bodenstruktur, insbesondere beim Erbsenanbau, hin. Diese reagieren mit starken Ertragsrückgängen und Wachstumsdepressionen, wenn sie auf verdichteten Böden angebaut werden. Die Bodenschonung, zum Beispiel durch angepasste Reifeninnendrücke, das Geringhalten der Radlast durch aufgesattelte Geräte sowie das Abwarten bis der Boden befahrbar ist, sollte deshalb jedem Landwirt ein Anliegen sein. Weitere Aspekte im Projekt sind der Anbau von Körnerleguminosen im Gemenge mit Getreide und der Einsatz von Winterungen anstelle von Sommerungen. Außerdem konnte im Projekt gezeigt werden, dass die Ausbringung von Grünguthäcksel zu Ackerbohnen viele Unkrautarten wirksam unterdrücken kann. Zu diesen Themen wurden beim Feldtag Schauparzellen besichtigt, unter anderem ein Erbsen-Hafer-Gemenge mit der buntblühenden Erbsensorte Livioletta.

Körnerleguminosen und Bodenfruchtbarkeit an der Uni Hohenheim

An das Thema „Beikrautbekämpfung durch den Einsatz von Gehölzhäcksel“ knüpft auch ein Versuch an, den Dr. Gruber Institut für Kulturpflanzenwissenschaften, Universität Hohenheim) vorstellte. Auf vielen Landwirtschaftsbetrieben, egal ob konventionell oder ökologisch, fällt Gehölzschnitt aus der Pflege von Hecken und Streuobstwiesen an. Eine Möglichkeit, das Schnittgut zu nutzen, ist der Einsatz in landwirtschaftlichen Kulturen als Mulchschicht zur Unkrautunterdrückung. Der Versuch in Kleinhohenheim wird seit mehreren Jahren durchgeführt, wobei durch das Aufbringen größerer Mengen von Gehölzhäcksel besonders einjährige Beikräuter zurückgedrängt wurden. Im Augenblick scheitert der Praxistransfer vor allem an der Ausbringtechnik und der Verfügbarkeit des Häckselguts, das zunehmend energetisch verwertet wird.

Im Anschluss wurden weitere Versuche der Universität Hohenheim vorgestellt, die sich auch mit Aspekten der Bodenfruchtbarkeit befassen. Ein Highlight waren die Versuche zur Sojazüchtung, die bei den Teilnehmern des Feldtags auf großes Interesse stießen. Dr. Volker Hahn von der Landesanstaltsaatzuchtanstalt züchtet im Rahmen des BÖLN-Sojaforschungsprojekts (www.sojainfo.de) Sojalinien für die Tofuherstellung und Futternutzung. Damit die neuen Sorten auch auf Standorten außerhalb der klimatischen Gunstlagen angebaut werden können, ist die Frühreife ein wichtiges Kriterium bei der Züchtungsarbeit. Wichtig hierbei ist, dass die Sorten unter relativ kühlen Bedingungen rechtzeitig abreifen, eine gute Ertragsicherheit und, für die Tofuherstellung, einen ausreichen hohen Proteingehalt bieten. Pro Jahr testet der Züchter hierfür 300 bis 400 Sojalinien.

Dr. Sabine Gruber vom Institut für Kulturpflanzenwissenschaften präsentierte verschiedene Forschungsarbeiten zu unterschiedlichen Aspekten der Bodenfruchtbarkeit. Auch hier stand eine Körnerleguminose im Vordergrund, die aber hierzulande agronomisch kaum bearbeitet wird, ökonomisch aber äußerst interessant ist: die Linse. Diese muss zur Beerntbarkeit immer mit einer Getreide-Stützfrucht angebaut werden. Durch den Anbau der Winterung wird die Abreife der Kultur verbessert. Die Versuche konnten in den Vorjahren aber auch zeigen, dass durch eine frühe Aussaat (Mitte März) der Sommerung bei ausreichender Wasserversorgung gute Erträge erzielt werden konnten.

Weiterhin stellte Dr. Gruber einen Versuch zu den Effekten unterschiedlicher Verfahren der Bodenbearbeitung vor. Dieser wurde bereits im Jahr 1999 auf der Versuchsstation Kleinhohenheim als Dauerversuch angelegt. Verglichen werden hier die flache (Grubber, flacher Pflug) und die tief wendende Bodenbearbeitung (tiefer Pflug, Zweischichtpflug) sowohl mit und ohne Stoppelbearbeitung. Nach zwölf Jahren Versuchslaufzeit unterscheidet sich der Beikrautbesatz der Parzellen deutlich, was die Besucher mit eigenen Augen feststellen konnten: In den flach mit dem Grubber bearbeiteten Parzellen kommt es zu einer starken Zunahme von mehrjährigen Unkräutern (v.a. Ackerkratzdistel und Stumpfblättriger Ampfer), die zu deutlichen Mindererträgen führt. Deshalb wurde anhand des Versuchs mit den anwesenden Landwirten lebhaft diskutiert, inwiefern die reduzierte Bodenbearbeitung im ökologischen Landbau möglich ist.

Der Feldtag bot den rund 40 Teilnehmern neben der aktiven Teilnahme an den Diskussionen einen sehr umfassenden Überblick über unterschiedliche Aspekte der Bodenfruchtbarkeit sowie über die Forschungsarbeiten an der Universität Hohenheim.

© FiBL, Bild A.-K. Spiegel
© FiBL, Bild A.-K. Spiegel