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Grüngutkompost in der Praxis

Betriebsleiter Wengerter im Streifenversuch zur Grüngutkompost-Wirkung. © Naturland, Bild W. Vogt-Kaute

Jürgen Wengerter hat seinen viehlosen 90 ha Betrieb am in Klingenberg am Untermain im Jahr 2001 auf ökologischen Landbau umgestellt. Die wichtigsten Kulturen sind aktuell Weizen, Roggen, Braugerste, Hafer, Erbsen und Kleegras als Grünbrache. An den Hängen herrschen lehmige Sandböden auf Buntstandstein vor, im Maintal fast reiner Sand.

In den letzten Jahren war der Betriebsleiter immer wieder mit Erträgen unzufrieden. Als Ursache vermutete er vor vier Jahren ein zu geringes Wasserhaltevermögen des Bodens aufgrund des niedrigen Humusgehaltes. Wenn man die Geschichte des Betriebes betrachtet, werden die Zusammenhänge klar. Seit Mitte der 90er Jahre gibt es auf dem Betrieb bis auf eine kurze Phase mit Pensionspferden keine Tierhaltung mehr. Davor hatte der Betrieb den Schwerpunkt Ferkelproduktion. Wichtigste Kultur über viele Jahre war Körnermais. Das Stroh der Getreideflächen wurde zwar über viele Jahre im Ferkelstall genutzt, aber nur auf hofnahe Flächen ausgebracht. Aufgrund dieser Aspekte liegt die Vermutung nahe, dass der Humusgehalt, der aufgrund der Bodenart ohnehin schon natürlich niedrig ist, über die Jahre noch weiter abgesenkt wurde.

Der kohlenstoffreiche Kompost wirkt auch im Getreide

Vor drei Jahren hat Jürgen Wengerter mit dem Einsatz von Grüngutkompost der regionalen Kompostanlage begonnen. Die Erfahrungen waren besser als erwartet, schon im ersten Jahr konnte die Wirkung beobachtet werden. Im Gegensatz zu den Empfehlungen der Beratung hat Jürgen Wengerter den holzreichen Grüngutkompost mit einem hohen C:N-Verhältnis nicht nur zu Leguminosen, sondern auch zu Getreide gedüngt. Er war sofort überzeugt: „Obwohl das holzreiche Material in Getreide keine Düngewirkung hätte zeigen dürfen, hatte ich auf den gedüngten Flächen Mehrerträge. Ich führe das auf das bessere Wasserhaltevermögen und eventuell auf einen Verdunstungsschutz zurück.“ Um die Wirkung genau zu erfassen, wurde 2012 in Zusammenarbeit mit der Naturland Fachberatung auf einem Sommergerstenschlag ein Streifenversuch mit einem ungedüngten Streifen und einer Kompostgabe in zwei verschiedenen Aufwandmengen angelegt. Auch in diesem Versuch ist bereits im Mai eine Wirkung zu sehen.

Variante Sommergerste ohne Grüngutkompost. © Naturland, Bild W. Vogt-Kaute
Variante Sommergerste mit hoher Grüngutkompost-Aufwandsmenge © Naturland, Bild W. Vogt-Kaute

Grüngutkompost als Zukunftsstrategie

Der Betriebsleiter prüft mit einer Spatenprobe die Bodenstruktur in der Kompostvariante. © Naturland, Bild W. Vogt-Kaute
Der Boden in der Kompostvariante ist locker gekrümelt und gut durchwurzelt. © Naturland, Bild W. Vogt-Kaute

Der Kompost wird erst einmal auf Mieten zwischengelagert. „Dadurch kann ich selbst entscheiden, wann der Kompost ausgebracht wird und ich kann Bodenverdichtungen bei feuchter Witterung vermeiden“, erklärt Jürgen Wengert.
Der Betriebsleiter wird weiter auf Grüngutkompost setzen. Andere Dünger werden nicht zugekauft. Allerdings wird die Konkurrenz um den Grüngutkompost größer. „Andere - auch konventionelle - Betriebe, insbesondere mit Obst und Beeren, haben gesehen, dass es bei mir gut funktioniert und beginnen jetzt auch mit dem Einsatz“, meint Herr Wengerter. Die Mengen sind begrenzt und die thermische Verwertung von holzreichen Materialien wird immer attraktiver.
Bei der überbetrieblichen Ausbringung des Kompostes würde Herr Wengerter die Kosten gerne mittelfristig senken. Er erklärt: „ Die Kosten für das Streuen beziehen sich im Moment auf Mist. Bei Kompost wird der Streuer aber wesentlich weniger beansprucht und hat weniger Verschleiß“. Deshalb denkt er über die Anschaffung einer eigenen Gemeinschaftsmaschine nach. Für ihn ist der Einsatz von Grüngutkompost auch in der Zukunft ein wichtiger Teil seiner Betriebsstrategie.

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Quellenangabe bei Veröffentlichung

Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Beitrag entstanden im Rahmen des Projektes “Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf Grund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft.