Sie sind hier: Virtuelle Feldtage > Juli 2012: Feldtag in Frankenhausen

Bodenfruchtbarkeit und Leguminosenanbau: Feldtag auf der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen

Die Teilnehmer konnten sich beim Feldtag unter anderem zum Sojaanbau infomieren. © FiBL; Bild K.-P. Wilbois

Die Hessische Staatsdomäne Frankenhausen wird von den Forschern vom Fachgebiet Ökologischer Land- und Pflanzenbau an der Universität Kassel für die Lehre und Forschung im landwirtschaftlichen Betrieb genutzt. Ein optimaler Ort also für den Feldtag Bodenfruchtbarkeit und Leguminosenanbau, der am 2. Juli dort stattfand. Ausgerichtet wurde der Feldtag von der Universität Kassel in Zusammenarbeit mit dem Bodenfruchtbarkeitsprojekt und dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). Begrüßt wurden die rund 40 Teilnehmer durch LLH-Direktor Andreas Sandhäger, der das Potenzial des heimischen Körnerleguminosenanbaus betonte, sowie durch Fachgebietsleiter Professor Jürgen Heß. Der Wissenschaftler hob hervor, dass in Frankenhausen von den 220 Hektar Ackerfläche rund 100 Hektar mit Leguminosen bestellt sind, den weitaus größten Anteil hat hier das Kleegras. Daneben werden auf dem Betrieb jährlich rund 20 Hektar Wintererbsen angebaut. Insgesamt hingegen, so stellte Heß in seinem Vortrag dar, sieht es beim Leguminosenanbau in Deutschland aber deutlich weniger rosig aus. Seit den 1950er Jahren hat der Anbauumfang kontinuierlich abgenommen und sich seit 1990 auf ca. 400.000 Hektar eingependelt. Ein Viertel davon, also 100.000 Hektar, werden mit Körnerleguminosen bebaut, das entspricht lediglich 0,8 Prozent der gesamten Ackerfläche. Unter den Körnerleguminosen ist die Körnererbse am beliebtesten, sie wird auf immerhin 60.000 Hekar angebaut. Es folgen Blaue Lupine (25.000 ha), Ackerbohne (18.000 ha), Sojabohne (5.000 ha).

Leguminosenanbau bietet viele Chancen

Der Flächenanteil der Leguminosen ist durchaus ausweitungswürdig, denn laut Professor Heß gibt es viele gute Gründe für den Körnerleguminosenanbau. Insbesondere betonte er den hohen Vorfruchtwert durch die N-Fixierung der Leguminosen, die gute Bodengare sowie die Fruchtfolgediversifizierung. Mehr heimischer Leguminosenabau mache außerdem weniger abhängig von Eiweißimporten für die Tierfütterung, so Heß. Ökonomisch gesehen liege hier ein großes Potenzial: Auch in Zukunft werde der Bedarf an pflanzlichem Eiweiß weiter steigen und somit ein enormes Marktpotenzial eröffnen. Auch für die menschliche Ernährung werden Leguminosen immer interessanter.
Allerdings ließ er auch die weniger positiven Aspekte nicht unter den Tisch fallen: Noch werde das Ertragspotenzial häufig nicht ausgeschöpft und die Ertragsstabilität schwanke sehr stark. Die Proteingehalte und -qualitäten müssten züchterisch verbessert werden, die Züchter seien aber wegen des geringen Anbauumfangs kaum an Körnerleguminosen interessiert. Weiterhin fordere der Körnerleguminosenanbau den Landwirten ein großes fachliches Wissen ab, insbesondere was die Unkrautregulierung betrifft. Diese Aspekte werden bereits von der Forschung aufgenommen, zusätzlich bedürfe es auch politischer Unterstützung für den Leguminosenanbau durch sichere Eiweißpflanzenprämien und angemessene Deckungsbeiträge.

Den heimischen Leguminosenanbau verstärken

Dass der Bedarf vorhanden und die Ausweitung des Körnerleguminosenanbaus möglich sei, zeige die Entwicklung bei der Sojabohne. In den letzen 50 Jahren wurde ihr Anbau massiv ausgeweitet und die Sojaproduktion auf rund 261 Millionen Tonnen verzehnfacht. Allein Deutschland importiere Sojabohnen von einer Anbaufläche von rund 2,5 Millionen Hektar, etwas mehr als der gesamten Ackerfläche Mecklenburg-Vorpommerns. Und während hierzulande durch den Import nicht von den Leistungen des Leguminosenanbaus, wie der gesteigerten Bodenfruchtbarkeit, profitiere, werde in den Soja-Exportnationen der Anbau nicht nachhaltig betrieben und schade den dortigen Ökosystemen.
Somit schlussfolgerte Heß, dass der heimische Leguminosenanbau dringend verstärkt werden müsse. Er betonte, dass hier bereits zahlreiche Forschungsprojekte ansetzten, darunter die vom BÖLN geförderten Forschungsprojekte zur Bodenfruchtbarkeit und zum Sojaanbau sowie Projekte zum Wintererbsenanbau, das tilmanorg- und das Interveg-Projekt.

Erbsen mit Kompost, im Gemge und Anbauvarianten bei Sojabohnen

erbsenwurzeln mit (links) und ohne (rechts) Kompostgabe. © FiBL; Bild K.-P. Wilbois

Auf den Versuchsflächen des Betriebs konnten anschließend and den Vortrag einige Aspekte aus dem Projekt in Augenschein genommen werden. Zum Bodenfruchtbarkeitsprojekt berichtete Dr. Christian Bruns von den Versuchen zur Reduzierung bodenbürtiger Krankheiten (.pdf) in Sommererbsen durch die Ausbringung von Grüngutkompost in der Fläche und in der Reihe. Für die Kompostausbringung in der Reihe wurde sogar ein neues Gerät entwickelt, das größere Mengen Grüngutkompost gezielt in die Saatreihe ablegen kann. Das Saatkorn profitiert von der hohen Kompostkonzentration und die Bestände bleiben gesünder, so die Idee dahinter. Und tatsächlich lassen die diesjährigen Bonitierungen darauf schließen, dass das Wurzelsystem der behandelten Sommererbsen gesünder und robuster ist.

Aus dem Sojaforschungsprojekt stelle Dr. Thorsten Haase die pflanzenbaulichen Versuche vor. In Frankenhausen werden insgesamt 18 Sojasorten auf ihre Anbaueignung unter nordhessischen Klimabedingungen geprüft. Dabei wurden erhebliche Ertragsunterschiede festgestellt. Auch in Frankenhausen lieferte die Sorte Merlin, wie auch an vielen anderen deutschen Standorten, überdurchschnittlich gute Erträge. Daneben werden Versuche zur Auswirkung der Saatzeit auf die Abreife und den Ertrag sowie zur Verunkrautung und den Erträgen bei unterschiedlichen Reihenweiten und in Dammkultur geprüft. Außerdem werden an dem Standort verschiedenen Präparate zur Impfung des Saatguts mit Rhizobien, welche die Pflanze zur N-Fixierung benötigt, getestet. Es zeigte sich, dass der Rohproteingehalt der Sojabohnen stark durch die Wahl der Sorte und des passenden Impfpräparats beeinflusst wurde.

Thorsten Hasse stellte außerdem die Versuche zum Wintererbsenanbau mit verschiedenen Gemengepartnern vor. Hier sollen besonders winterharte Sorten und zu ihnen passende Gemengepartner als Stützfrüchte gefunden werden. Hier zeigte sich, dass besonders Vollblatt-Typen für den Gemengeanbau mit Raps oder Rübsen geeignet sind, sie lieferten selbst bei halber Saatstärke noch höhere Erträge als in Reinsaat.

Den Teilnehmern wurde beim Feldtag ein rundes und informatives Programm rund um den Boden und den Leguminosenanbau geboten.

Christian Bruns erläuter die positiven Wirkungen der Kompostgabe zu Körnererbsen. © FiBL; Bild K.-P. Wilbois
Mit einer eigens entwickelten Maschine kann der Kompost direkt in die Saatreihe ausgebracht werden. © FiBL; Bild K.-P. Wilbois