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Pionier in Kompostierung und reduzierter Bodenbearbeitung

Vom Landwirt zum Betreiber einer Kompostanlage

Für verschiedene Verwendungszwecke werden verschiedene Komposte angeboten. © Naturland, Bild W. Vogt-Kaute

Als 1991 in Niederösterreich die getrennte Sammlung des Biomülls und dessen Kompostierung eingeführt wurde, war Walter Klingenbrunner aus Michelhausen im Landkreis Tulln sofort dabei. Insgesamt sieben Landwirte betrieben damals Kompostplätze an drei Orten. Das Ziel des Bundeslandes war es, die Menge des Abfalls um 50% zu verringern. Während in vielen Bundesländern die Kompostierung der Biotonne-Abfälle von gewerblichen oder kommunalen Betrieben übernommen wurde, wanderte in Niederösterreich mehr als die Hälfte des Biotonne-Abfalls in die Hände von Landwirten. Was für Herrn Klingenbrunner als Betriebszweig im landwirtschaftlichen Betrieb begann, wurde schnell zu einem gewerblichen Betrieb. Die Kompostanlage deckt inzwischen eine Fläche von 2,5 ha ab und gibt zwölf Angestellten Arbeit. Damit betreibt Herr Klingenbrunner als Geschäftsführer zusammen mit zwei weiteren Landwirten eine der größten Kompostieranlagen Österreichs.

Vor der Kompostierung werden in verschiedenen Siebungs- und Windsichtergängen auch grobe Holzteile gezielt aussortiert, da sie in den Hackschnitzelheizwerken höhere Erlöse erzielen. Grundsätzlich wird in Österreich wie in Deutschland die thermische Verwertung eine zunehmende Konkurrenz zur Kompostierung des holzreichen Grüngutes. Neben den Bioabfällen von ca. 50 000 Einwohnern aus der Region Tulln werden Mist, Stroh, Heu, Garten- und Parkabfälle, Marktabfälle (Gemüse, Blumen), Abfälle aus der Nahrungs- und Genussmittelindustrie und unbehandelte Holzabfälle kompostiert. Nach dem Sammeln, Sortieren und Zerkleinern werden die Ausgangsstoffe gemischt und müssen in der Kompostmiete dann mehrmals umgesetzt werden. Neben der Temperatur muss auch die Feuchtigkeit kontrolliert werden, gegebenenfalls ist eine Bewässerung nötig. Nach der Kompostierung werden grobe Teile abgesiebt, leichte Kunststoffteile mit dem Windsichter aussortiert und der Metallabscheider holt alle Metallteile aus dem Kompost. Die verschiedenen Siebungen und Qualitäten des Kompostes werden nicht nur in der Landwirtschaft verwendet, sondern auch in Garten- und Landschaftsbau, Grünanlagen, Privatgärten und Substraten. Sie werden unter dem Markennamen „Bauernkompost“ verkauft.

Vor der Kompostierung werden grobe Holzteile aussortiert. © W. Klingenbrunner
Die Kompostmieten müssen häufig umgesetzt werden. © Naturland, Bild W. Vogt-Kaute
Herr Klingenbrunner ist mit der Qualität des Komposts zufrieden. © Naturland, Bild W. Vogt-Kaute

Kompost im viehlosen Betrieb

Mais ist eine zum Standort passende Kultur. © Naturland, Bild W. Vogt-Kaute

Selbstverständlich setzt Herr Klingenbrunner seinen Kompost in seinem viehlosen 32 Hektar Betrieb ein, der seit 1989 ökologisch bewirtschaftet wird. Dabei sind in Österreich acht Tonnen Trockensubstanz pro Hektar und Jahr zulässig, die Herr Klingenbrunner auch ausschöpft. Gedüngt werden alle Flächen bis auf die Leguminosenflächen. Dabei zeigen sich positive Auswirkungen auf die Humusgehalte. „Über 20 Jahre Biolandbau mit intensiven Gründeckenmanagement und Kompostdüngung haben bei meinem Böden scheinbar 1 bis 2% höhere Humusgehalte hervorgebracht als den Feldern daneben, die in unserer Gegend typisch mit Mais- und Zuckerrübenanbau, hohem Schweinebesatz und Gülledüngung bewirtschaftet werden“, freut sich Herr Klingenbrunner. Das C:N Verhältnis liegt zwischen 10:1 und 14:1.

Die Fruchtfolge des Betriebes beginnt mit einer Grünbrache, auf dem Betrieb Kleegras, Wickroggen oder ein Hafer-Erbsen-Wicken-Ölrettich-Gemenge sein kann. Dem folgt Weizen, Mais, Weizen (oder ein anderes Wintergetreide), Sonnenblume oder Sojabohne und ein letzter Weizen. Auf schweren Böden werden 1 Hektar Weißkraut und Blaukraut angebaut. Die wechselnden Böden sind teilweise in niederschlagsreichen Jahren von einem hohen Grundwasserstand geprägt – die Donau fließt nur wenige Kilometer entfernt.

Pfluglose Bodenbearbeitung seit 1997

Auf dem Betrieb wird eine Säkombination mit Kurzscheibenegge eingesetzt. © Naturland, Bild W. Vogt-Kaute

Schon vor der Umstellung wurde der Einsatz des Pfluges reduziert und ab 1997 vollständig aufgegeben. Die Kernelemente der Bodenbearbeitung sind dabei verschiedene Grubber für verschiedene Arbeitstiefen. Die Erträge bei Mais und Sonnenblumen liegen auf konventionellem Niveau, bei Mais sind das 90 bis 100 dt/ha. Die Stickstoff-Mineralisierung besonders auf den schweren Böden ist beim Wintergetreide geringer als bei den benachbarten Kollegen, die pflügen. Das führt zu geringeren Erträgen, aber gleichzeitig auf diesen Standorten zu besseren Backqualitäten. Offensichtlich setzt die Mineralisation nur später ein, da durch die höheren Humusgehalte durchaus etwas Stickstoff vorhanden ist. Der Unkrautdruck, manchmal auch der Disteldruck, ist durch den Verzicht auf den Pflug etwas höher. Die gut wüchsigen Bestände sind aber in der Regel in der Lage, das Unkraut zu unterdrücken. Hier spielt die zum Standort passende Fruchtfolge eine große Rolle, die durchaus auch Nährstoffe entziehen darf. Ein gewisser Druck an Disteln ist an diesem Standort mit dem hohen Grundwasserspiegel immer zu erwarten. Hier verfügt der Betrieb über viele Spezialmaschinen bis hin zur selbst entwickelten Kurzscheibenegge mit Sämaschine, um in der eigentlich trockenen Gegend möglichst schnell Zwischenfrüchte ausbringen zu können.

Der Betrieb zeigt deutlich, dass Kompostierung und pfluglose Bodenbearbeitung gut zusammen passen können. Dabei müssen aber alle Register der ökologischen Landwirtschaft gezogen werden, die von einer optimalen Fruchtfolge mit Zwischenfrüchten bis zur angepassten Landtechnik reichen.

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Quellenangabe bei Veröffentlichung

Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Beitrag entstanden im Rahmen des Projektes “Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf Grund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft.