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Kompost für gesunde Erbsen

Das Problem im Erbsenanbau: Fuß- und Wurzelkrankheiten

Körnererbsen werden nur noch selten angebaut. Der Grund: Fuß- und Wurzelkrankheiten machen der Erbse oft zu schaffen. © vTI, A.-K. Gronle

Viele Biolandwirte sind in den letzen Jahren aus dem Körnerleguminosen- und insbesondere aus dem Erbsenanbau ausgestiegen. Denn Probleme mit bodenbürtigen Fuß- und Wurzelkrankheiten erschweren den Anbau und machen ihn auf Grund geringer Erträge unrentabel. Besonders für viehlose oder viehschwache Betriebe zieht dies weitere Konsequenzen nach sich: wenn durch Krankheiten leistungsschwache Leguminosen angebaut werden oder der Anbau aufgegeben wird, wird in der Fruchtfolge weniger Stickstoff fixiert und für nachfolgende Kulturen zur Verfügung gestellt.

Die Erbsen werden vor allem von Pilzkrankheiten des Ascochyta-Komplex und von Fusarien-Arten befallen. Der Ascochyta-Komplex verursacht Fuß- und Brennfleckenkranheiten, während befallen, die Fusarien Krankheiten der Stängelbasis und Welkekrankheiten hervorrufen. Einige Erreger des Ascochyta-Komplexes wie Phoma medicaginis und Mycospherella pinodes können sowohl am Saatgut als auch im Boden an Pflanzenresten überdauern, andere wie Ascochyta pisi sind nur samenbürtig. Alle Erreger befallen die Pflanzen schon in ihrer frühen Entwicklung.

Kompost als Lösung?

Künstliche Infektion von Erbsen mit dem Wurzelbranderreger Pythium ultimum in drei Stufen: In der Kontrolle (Sand steril) nahm die Pflanzenbiomasse mit steigender Infektion sehr stark ab. In den Varianten mit 10 und 30 Volumenprozent Kompost war die Pflanzenbiomasse immer deutlich höher. © Uni Kassel. Ch. Bruns

Qualitätskomposte sind vor allem dafür bekannt, dem Boden Nährstoffe nachzuliefern und die Bodenstruktur zu verbessern. Weniger bekannt ist, dass Kompost sich auch positiv auf die Bodenmikrobiologie auswirkt. Dadurch steigt nicht nur die mikrobielle Aktivität im Boden an. Viele der im Kompost vorkommenden Mikroben haben sogar eine unterdrückende Wirkung auf bodenbürtige Pflanzenkrankheiten. Zahlreiche Bakterien und Pilze, die im Kompost vorkommen, sind natürliche Gegenspieler von Fusarien und Ascochyta-Erregern. Sie drängen die Erreger zurück und können sie zum Teil sogar abtöten. Dadurch werden die Pflanzen deutlich gesünder. Diese suppressiven Kompost-Effekte sind für eine Reihe von Krankheiten und Erregern beschrieben: für die Wurzeltöterkrankheit (Rhizoctonia solani) bei Kartoffeln, für Pythium spp. als Erreger der Umfallkrankheit an Rote Bete, Rüben wie auch für Keimlings- und Wurzelkrankheiten an Erbsen, Bohnen und Lein. Daher war es auch für den Körnerleguminosenanbau interessant, zunächst prinzipiell zu erforschen, ob die oben beschriebenen Erreger mit Kompost in Schach zu halten sind. Ziel war es, die krankheitsunterdrückenden Effekte des Komposts auch unter Praxisbedingungen nutzbar zu machen.

Topfversuche liefern vielversprechende Ergebnisse

Erbsen im Topfversuch: Block links ohne Kompostgabe und mit zunehmender Phoma-Infektion, Block rechts mit Kompost und zunehmender Phoma-Infektion. © Uni Kassel. Ch. Bruns

In Gefäßversuchen unter kontrollierten Bedingungen mit Erbsen und einer künstlichen Infektion mit Phoma medicaginis, einem der Erreger des Ascochyta-Komplexes, zeigte sich, wie vielversprechend die Kompostanwendung ist: Ohne Kompost fielen im Vergleich zur nicht-infizierten Kontrolle bis zu 90 Prozent der jungen Pflanzen aus, mit Kompostgabe wurde der Befall und damit der Ausfall, je nach Infektionsstärke, zum Teil erheblich reduziert.

Auch an der Infektionsstärke an den Erbsenwurzeln lässt sich der gesundende Effekt des Kompost erkennen: Während in den Varianten ohne Kompost bereits bei einer geringen Infektionsstärke ein deutlicher Befall mit intensiver Schwarzfärbung der Wurzeln und eine Ausbreitung der Schädigung zu erkennen war, blieben die Wurzeln bei Komposteinsatz bis zu einer 15-fach höheren Infektion überwiegend gesund.

Künstliche Infektion von Erbsen mit Phoma medicaginis: bei gleicher Infektionsstärke ist deutlich zu sehen, dass die Stängelbasis und die Wurzelhälse in der Variante ohne Kompost (links)...
...wesentlich stärker befallen sind als in der Variante mit 30 Volumenprozent Kompost (rechts). © Uni Kassel. Ch. Bruns

Übertragbarkeit ins Feld

Die beschriebenen Topfversuche wurden allerdings mit Kompostanteilen von 10 bis 30 Volumenprozent im Substrat durchgeführt. Auf dem Acker ist ein so hoher Kompostanteil normalerweise nicht möglich. Dies würde eine enorm hohe Aufwandsmenge voraussetzen, was vergleichsweise hohe Kosten für die Beschaffung sowie Probleme bei der Einarbeitung nach sich ziehen würde. Abgesehen davon ist für Bioland- und Naturlandbetriebe nur die Ausbringung von maximal 5t Komposttrockenmasse (TM) pro Hektar und Jahr aus Grüngut erlaubt. Allerdings ist die Wirkung des Kompostes umso besser, je höher der Anteil im Substrat ist. Im Ackerbau kann dieses Problem gelöst werden, indem der Kompost nur dort konzentriert ausgebracht wird, wo er gegen die Pilzkrankheiten wirken soll, also dicht am Keimling. Dazu wurde am Fachgebiet Agrartechnik an der Universität Kassel ein System entwickelt, mit dem der Kompost direkt in der Pflanz- oder Saatreihe ausgebracht werden kann. Dafür wurde eine Drillmaschine mit einem Kompostbunker und entsprechenden Ausbringungsaggregaten versehen, die einen ununterbrochenen Kompoststrom erlauben. Das Drill-Aggregat wurde so erweitert, dass der Kompost aus dem Bunker in die gezogene Furche rieselt. Im Anschluss folgen die Säschare, eine Zustreichschiene und eine Andruckwalze. Über dieses System kann eine Kompostmenge direkt an den Keimling gebracht werden, die ausreicht, um Pilzkrankheiten zu unterdrücken, ohne die zulässige Höchstmenge pro Hektar und Jahr zu überschreiten. Bei einer Menge von 5t TM und Reihenweite von 30 cm werden etwa 170g TM pro laufendem Meter ausgebracht. In den Feldversuchen im Jahr 2012 konnte nachgewiesen werden, dass eine gezielte Ausbringung von 5t TM Kompost als Reihenapplikation etwa mit einer Menge von 18t TM als Flächenausbringung, was den Wurzelbefall mit den Erregern betrifft. In den Vorjahren konnte bereits nachgewiesen werden, dass Kompostanwendungen in dieser Größenordnung nicht nur zu geringerem Befall mit Pilzkrankheiten, sondern auch zu einer Ertragssteigung von ca. 10 bis 15% führt, die sich schließlich auch bis auf den Ertrag der Getreidenachfrucht positiv auswirkt.

Es wird weiter geforscht

Die Idee, Kompost konzentriert auszubringen um die Gesundheit von Körnerleguminosen zu fördern lieferte bisher sehr vielversprechende Ergebnisse und wird deshalb von der Forschung weiter verfolgt. Neben der Optimierung der Kompostausbringung bei der Aussaat ist es auch wichtig, Qualitätskriterien für Kompost zu definieren, um die Wirksamkeit sicherzustellen. Außerdem werden noch andere Formen der Kompostanwendung erforscht. So konnte an der Universität Kassel auch festgestellt werden, dass die krankheitsunterdrückende Wirkung von Kompost auch erhalten bleibt, wenn er zu Pellets verarbeitet wird. In dieser Form kann der Kompost ggf. leichter ausgebracht werden.

Ziel ist es, die Kompostanwendung zur Erhaltung und Verbesserung der Pflanzengesundheit so anwendbar zu machen, dass sie in den Praxisalltag übernommen werden kann. Nichts desto trotz sollten die Ziele der Kompostanwendung klar sein: eine vorbeugende Behandlung und natürliche Kontrolle von Pilzkrankheiten. Sie stellt damit im Gesamtsystem einen wichtigen, nachhaltig nutzbaren Baustein zur Gesundhaltung der Ackersysteme dar. Die Kompostanwendung kann aber keine pflanzenbaulichen und ackerbaulichen Fehler, wie einen erhöhten Erregerdruck durch zu enge Fruchtfolgen, ausgleichen.

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Quellenangabe bei Veröffentlichung

Christian Bruns (Uni Kassel) und Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)

Beitrag entstanden im Rahmen des Projektes “Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf Grund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft.