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Die Lupine – Königin der Sandböden, Teil 1

Die in Europa angebauten Lupinen stammen aus dem Mittelmeerraum. Dort fanden und finden sie teilweise noch immer Verwendung in der Ernährung von Mensch und Tier. Mittels Einweichen in Salzwasser wurden sie von ihren Bitterstoffen befreit. Danach wurden ganze Körner als Imbiss verzehrt oder Lupinenmehl hergestellt. Neben den europäischen Lupinen besitzt die Andenlupine in Peru eine Bedeutung als landwirtschaftliche Nutzpflanze.

Bedeutung

Die Blaue Lupine ist die einzige Lupinenart, die in Deutschland derzeit in nenneswertem Umfang angebaut wird. © www.oekolandbau.de, Bild T. Stephan, BLE

Der Anbau von Lupinen findet hauptsächlich auf den sandigen Standorten Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Nordsachsens statt. Auf diesen Standorten ist die Lupine die wichtigste Körnerleguminose, wenngleich der Anbau in den letzten 10 Jahren etwas rückläufig war. Während 1994 noch ca. 85% der Anbaubaufläche von der Gelben Lupine, 15% von der Weißen Lupine eingenommen wurde (und die Blaue Lupine nicht angebaut wurde), haben sich die Relationen radikal verschoben. Der Anbau von Weißen und Gelben Lupinen findet aktuell in Deutschland fast nicht mehr statt. Obwohl zwei Sorten von Weißen Lupinen und eine Sorte von Gelben Lupine in Deutschland als Sorten angemeldet sind, wurden 2012 nur insgesamt 5 ha Gelbe Lupinen in Deutschland zur Saatgutvermehrung angemeldet. Eine Saatgutvermehrung von Weißen Lupinen fand in Deutschland 2012 nicht statt. Dagegen wurden von der Blauen Lupine über 1500 ha vermehrt. Der Grund des Wandels liegt in der 1995 erstmals aufgetretenen Pilzkrankheit „Anthraknose“ bei Lupinen, die den Anbau der anfälligen Gelben und Weißen Lupinen fast zum Erliegen gebracht hat. Die Blaue Lupine ist dagegen relativ tolerant gegen diese Krankheit.

Vermarktung und Verwertung

Die meisten der im Handel befindlichen Sorten können mit einem Alkaloidgehalt von weniger als 0,05% als bitterstoffarme Sorten bzw. Süßlupinen bezeichnet werden. Durch den Gehalt hochwertigen Eiweißes, ähnlich dem Sojaeiweiß, können Lupinenprodukte zur menschlichen Ernährung überall dort verwendet werden, wo auch Soja verwendet wird. Der hierfür geforderte Alkoloidgehalt von weniger als 0,02% wird insbesondere von Sorten der Weißen Lupinen erreicht. Verschiedene Lupinenprodukte für die menschliche Ernährung sind bereits auf dem Markt. Das Sortiment reicht von Brot mit der Beimischung von Lupinenmehl über Lupinen-Tofu, Speiseeis und Lupinen-Kaffee bis zu Fertiggerichten. Die Problematik der gentechnischen Veränderung vieler Sojasorten dürfte dem Einsatz weiteren Auftrieb geben.

Während in der Wiederkäuerfütterung alle Lupinen einsetzbar sind, bieten die Weißen und Gelben Lupinen in der Fütterung von Schweinen und Geflügel Vorteile. Grund sind ihre höheren Gehalte der Aminosäure Methionin.Neben den oben beschriebenen Süßlupinen befinden sich noch Blaue und Gelbe Bitterlupinen zur Gründüngung im Handel.

Inhaltsstoffe einiger Körnerleguminosen für die Tierfütterung (Quelle: Eigene Erhebungen)

Pro kg Futtermittel Umsetbare Energie Geflügel [MJ] Rohprotein [G] Lysin [G] Methionin [G] Methionin und Cystein [G] Rohfaser [G]
Erbsen 11,6 202 15,0 2,1 4,9 57
Ackerbohnen 10,9 272 16,3 2,1 4,6 72
Lupinen blau 8,8 304 13,3 1,8 6,0 145
Lupinen weiß 8,7 304 15,4 2,8 7,8 121
Lupinen gelb 9,8 402 20,0 2,4 11,6 156
Sojabohnen 14,7 368 21,4 5,1 11,4 51
Wicken 11,7 282 14,3 2,6 5,5 51

Standorte

Die drei in Mitteleuropa angebauten Lupinenarten - die Gelbe (Lupinus luteus), die Blaue oder Schmalblättrige (Lupinus angustifolius) und die Weiße Lupine (Lupinus albus) – unterscheiden sich in ihren Standortansprüchen. Allen ist jedoch gemein, dass sie auf hohe Kalkgehalte sehr empfindlich reagieren (Kalkchlorosen). Bevorzugt werden leichte, gut durchlässige Böden.

  • Gelbe Lupine: Sandstandorte mit pH-Wert unter 6,0, Ertragspotential bis 20 dt/ha, Abreife je nach Sorte ca. 2 Wochen nach der Körnererbse.
  • Blaue Lupine verzweigt: Sandstandorte über 25 Bodenpunkte mit pH-Wert unter 6,5, Ertragspotential bis 25 dt/ha. Abreife ca. 2 Wochen nach der Körnererbse.
  • Blaue Lupine endständig: Sandstandorte über 35 Bodenpunkten mit pH-Wert unter 6,5, Ertragspotential bis 25 dt/ha, Abreife wie Körnererbse.
  • Weiße Lupine: Auch auf etwas lehmigen Standorten über 35 Bodenpunkten mit pH-Wert unter 6,8, unter diesen Bedingungen Ertragspotential bis 40 dt/ha, Abreife je nach Sorte ca. 4 Wochen nach der Körnererbse.

Lesen sie nächsten Monat

Anbauhinweise für Lupinen

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Impressum

Autor: Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Durchsicht und Redaktion: Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)

Quellenangabe bei Veröffentlichung

Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Beitrag entstanden im Rahmen des Projektes “Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf Grund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft.