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Gibt es bei Körnererbsen Sortenunterschiede in der Anfälligkeit gegenüber bodenbürtigen Krankheiten?

Bodenbürtige Krankheiten führen im Anbau von Körnererbsen häufig zu hohen Ertragsverlusten. Der Anbau von Körnererbsen ist deshalb bei vielen Betrieben rückläufig oder wurde aufgegeben. Um Sortenunterschiede zu ermitteln, wurden weißblühende Sommererbsen-Stämme aus zwei Zuchtprogrammen (Tschechien, USA), buntblühende Sommererbsen, weiß- und buntblühende Wintererbsen auf ihre Anfälligkeit gegenüber bodenbürtigen Krankheiten getestet.

Topfversuche mit Erbsen auf stark mit Erregern belastetem Boden.

Töpfe mit jungen Erbsenpflanzen
In Topfversuchen zeigte sich, dass Erbsensorten sehr unterschiedlich tolerant gegenüber bodenbürtigen Erregern sind. © FiBL; Bild W. Vogt-Kaute

Das Sortiment wurde in mehreren Durchgängen in Topfversuchen (4 bis 6 Töpfe mit je 5 Pflanzen) mit stark belastetem Boden getestet. Beim Boden handelte es sich um eine Mischung aus vier stark belasteten Böden, die im Bodenfruchtbarkeitsprojekt als Referenzproben für die Differenzialdiagnose dienten. Es wurden Wurzeln und Wurzelhals/Stängelbasis bonitiert. Die Boniturnoten reichten von 0 (keine Symptome bzw. gute Wurzelentwicklung mit Knöllchen) bis 6 (Pflanze ganz abgestorben). In den Topfversuchen Nr.4 wurde zusätzlich ein Teil der Erde hitzebehandelt, um die bodenbürtigen Erreger abzutöten. Es wurde die Pflanzenmasse in den behandelten und den unbehandelten Töpfen gemessen und daraus der Prozentsatz des Gewichtes der unbehandelten zu den hitzebehandelten Töpfen ermittelt.

Ergebnisse

Boniturnoten der Topfversuche 2011 und 2012

Tukey-Test P<0.05 * signifikanter Unterschied zwischen unbehandelt und hitzebehandelt, SE=Sommererbse, WE=Wintererbse, Gewicht%=Gewicht der Erbsenpflanzen in der unbehandelten Erde gegenüber dem Gewicht der Erbsenpflanzen in hitzebehandelter Erde

Einfluss von Sorte und Blütenfarbe

Die Topfversuche zeigten einen tendenziell geringeren Befall einiger der tschechischen Zuchtstämme und Sorten (CZA, L4999, Protecta) und einiger buntblühenden Sorten (Livioletta, Stamm 4010), der allerdings nicht in jedem Versuch statistisch abgesichert werden konnte. Auch lagen die relativen Gewichte dieser Sorten im belasteten Boden im Vergleich zum hitzebehandelten Boden tendenziell höher. Es kann aber nicht gesagt werden, dass die buntblühenden Sorten im Vergleich zu den weißblühenden Sorten immer besser abschneiden. Die beiden Wintererbsen-Sorten E.F.B.33 und Arkta zeigten tendenziell ein schlechteres Ergebnis als die drei buntblühenden Sommererbsen-Sorten. In fast allen Versuchsdurchgängen hatten einige der aktuell in Deutschland zugelassenen weißblühenden Sorten (Respect, Salamanca) und die US-amerikanischen Zuchtstämme tendenziell die schlechtesten Boniturergebnisse.

Christian Bruns von der Universität Kassel-Witzenhausen hat in Topfversuchen ein Sortiment von Wintererbsen – meist Zuchtmaterial – und die Vergleichssorte Santana gezielt mit den Erregern Fusarium solani, Phoma medicaginis und Pythium ultimum infiziert. Dabei erreichten im Ranking der Biomasse über alle drei Erreger die vier buntblühenden Stämme und Sorten die ersten vier Plätze vor den sechs weißblühenden Stämmen und Sorten. Der schlechteste buntblühende Stamm lag allerding nur ganz knapp vor dem besten weißblühenden Stamm.

Die Versuche zeigen, dass es schon jetzt Sortenunterschiede gibt. Dies deckt sich größtenteils mit Beobachtungen aus der Praxis. Es muss aber klar sein, dass selbst Sorten mit besseren Toleranzen keine Wunder vollbringen können. In einem stark belasteten Boden werden auch sie absterben – vielleicht zwei Wochen später. Auf einem gering oder mittel belasteten Boden können sie aber den Unterschied des höheren Ertrages, der besseren Unkrautunterdrückung und Beerntbarkeit ausmachen. Die Sorte Protecta konnte aufgrund der positiven Ergebnisse 2012 als EU-Sorte in Deutschland zugelassen werden.

Ausblick

Die Unterschiede der Sorten zeigen, dass die Pflanzenzüchtung Sorten mit besserer Toleranz gegenüber bodenbürtigen Krankheiten entwickeln kann. Die Versuche werden 2013 mit weiterem Zuchtmaterial im Topfversuch und im Freiland fortgesetzt.

Wir danken der Seidlhof-Stiftung für die finanzielle Förderung.

Quellen

  • Vogt-Kaute W., Fuchs J., Jorek B. und Tilcher R. (2013): Gibt es bei Körnererbsen Sortenunterschiede in der Anfälligkeit gegenüber bodenbürtigen Krankheiten?, in: in: Beiträge zur 12. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, 5.-8. März 2013, Bonn, S. 136-139
  • Fuchs J., Bruns Ch., Mäder P., Schmidt H., Thürig B., Wilbois K., Tamm. L. (2013): Differenzialdiagnose: Eine Methode zur Ursacheneingrenzung bei Bodenmüdigkeit, in: Beiträge zur 12. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, 5.-8. März 2013, Bonn, S. 14-15
  • Bruns C. (2012): Bedeutung pilzlicher Krankheiten im ökologischen Wintererbsenanbau: Einfluss des Genotyps und von Böden mit unterschiedlicher Anbauintensität von Leguminosen, Zwischenbericht unveröffentlicht

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Impressum

Autor: Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Durchsicht und Redaktion: Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)

Quellenangabe bei Veröffentlichung

Werner Vogt-Kaute (Naturland)

Beitrag entstanden im Rahmen des Projektes “Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf Grund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft.