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Wie lässt sich der Anbau von Körnerleguminosen verbessern? Wissenschaftler stellen Ergebnisse des Bodenfruchtbarkeitsprojektes vor

Der Hochschultag war gut besucht. © J. Beckhoff, Beckhoff Kommunikation

Der Anbau von Ackerbohnen und Erbsen ist anspruchsvoll, aber es gibt für Praktiker viele Stellschrauben, mit denen sie ihre Erträge erhöhen bzw. stabilisieren können. Das ist das Fazit der Wissenschaftler, die Anfang Dezember auf dem Hochschultag zum Thema „Körnerleguminosen und Bodenfruchtbarkeit“ in Witzenhausen die wichtigsten Ergebnisse des Bodenfruchtbarkeitsprojektes (www.bodenfruchtbrakeit.org) vorstellten. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN). Um einen engen Praxisbezug herzustellen, wurden Datenerhebungen auf 32 viehlosen und vieharmen Bio-Betrieben in ganz Deutschland durchgeführt. Harald Schmidt von der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) verwies in seinem Vortrag zu den Praxiserfahrungen zum Erbsenanbau auf die Bedeutung eines hinreichend großen Anbauabstandes, der mindestens 9 Jahre betragen sollte. Hier seien die meisten der untersuchten Betriebe mit 5 bis 6 Jahren Abstand zwar dem derzeitigen Stand der Literatur gefolgt, diese ginge aber von zu optimistischen Annahmen aus. Als optimal für den Erbsenanbau erwiesen sich leichtere bis mittelschwere Böden mit maximal 25% Tonanteil, die zudem eine gute Wasserspeicherung und wenig Verdichtungen aufweisen. Auch eine Pflugfurche im Herbst und eine Saattiefe von 6 Zentimetern hätten die Erträge verbessert.

Gesunde Leguminosen anbauen

Ein wichtiger Aspekt beim Körnerleguminosenanbau ist die Gesundheit: Maria Finck von der Universität Kassel berichtete, dass sich das Erregerspektrum von Blatt- und Wurzelkrankheiten auf den Schlägen von Jahr zu Jahr völlig unterschiedlich zusammensetze. Die Ursachen dafür seien oft nicht eindeutig zuzuordnen gewesen. Deshalb sei zunächst gesundes Saatgut eine wichtige Voraussetzung für gesunde Pflanzen. Bei den wesentlich häufiger auftretenden bodenbürtigen Erregern sind die Eingriffsmöglichkeiten aber sehr beschränkt. Christian Bruns von der Universität Kassel stellte in diesem Zusammenhang die vielfältigen positiven Effekte einer Grünkompostgabe heraus. Grünkompost liefere dem Boden Nährstoffe nach und könne zudem die Wurzelgesundheit von Erbsen deutlich verbessern. Bei einer wurzelnahen Reihenapplikation seien bereits 5 t/ha ausreichend gewesen, um einen Mehrertrag von 10 bis 15% zu erzielen. Dadurch konnte laut Bruns in den Versuchen auch noch die Vorfruchtwirkung auf den nachfolgenden Winterweizen verbessert werden. Handlungsbedarf gäbe es zurzeit aber noch bei der flächendeckenden Bereitstellung von qualitätsgesicherten Grüngutkomposten und bei der Ausbringungstechnik.

Die große Bedeutung der Schlagauswahl hob Lucius Tamm vom Schweizer FiBL hervor. Er stellte einen neu entwickelten Test vor, mit dessen Hilfe Landwirte ihre Schläge auf eine vorliegende Bodenmüdigkeit überprüfen können. Im Praxistest erwies sich die sogenannte Differentialdiagnose vor der Erbsensaat in den weitaus meisten Fällen als zutreffend. Die Kosten für den Test liegen laut Berechungen von Daniel Wolf, Universität Kassel, je nach Schlaggröße bei 20 bis 80 Euro/ha. Dafür sei einen Mehrertrag von 0,4 bis 1,8 dt/ha erforderlich, der in den Versuchen auf den Betrieben meist deutlich übertroffen wurde.

Organische Düngung zu Leguminosen wirkt

Prof. Knut Schmidtke von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Dresden betonte die Vorzüge der Verwendung kohlenstoffreicher organischer Düngemittel im Ökologischen Landbau. „Rund die Hälfte der untersuchten Betriebe liegen bei Kalium und Phosphat in der Versorgungsstufe A und B. Hier müssen wir was tun“, sagte Schmidtke. Für den Leguminosenanbau seien dafür vor allem Substrate mit einem weiten C/N-Verhältnis geeignet, um die N-Fixierung nicht zu beeinträchtigen. In den Versuchen hätten sich bei Erbsen und Ackerbohnen vor allem Grüngutkompost und Gehölzhäcksel bewährt. Fein zerkleinerte Gehölzhäcksel hätten zudem den Vorteil, dass sie einjährige Unkräuter, nicht aber die hypogäisch keimende Körnerleguminosen wie Ackerbohne und Erbse, unterdrücken und damit zusätzlich ertragssteigernd wirken können.

Wenig Druck und ein Gemengepartner tun der Erbse gut

Melanie Wild von der LfL berichtete, dass bereits praxisüblich Landtechnik zu Schadverdichtungen im Boden führen kann, die sich insbesondere auf den Erbsenertrag negativ auswirken. Sie stellte verschiedene Optionen zur Vermeidung solcher Verdichtungen vor, darunter das Aufsatteln schwerer Geräte, eine bodenschonende Bereifung mit großer Bereite und hohem Durchmesser sowie das Anpassen der Reifendrücke für die Feldarbeit. Ein positives Fazit zum Gemengeanbau von Erbsen mit Getreidepartner zog Annkathrin Gronle vom Thünen Institut. Diese wiesen ein gutes Unkrautunterdrückungsvermögen auf und lieferten höhere Gesamtertragsleistungen. Deshalb seien die besonders für den Anbau bei flachwendender Bodenbearbeitung geeignet.

Broschüre für die Praxis

Insgesamt blicken alle beteiligen Wissenschaftler nach knapp fünf Jahren Projektlaufzeit zufrieden auf die große Bandbereit an neuen Erkenntnissen. Werner Vogt-Kaute von der Naturland-Fachberatung betonte in seinem Vortrag, dass es für fast jeden Betrieb eine passende Körnerleguminose gäbe und deren Anbau große Potenziale biete. Abschließend wies Dr. Herwart Böhm vom Thünen-Institut in Trenthorst in seinem Resümee darauf hin, dass vergleichbare Untersuchungen für die Luzerne noch ausstehen. Auch im Bereich der Züchtung und der verbreiteten Bodenmüdigkeit durch das breite Erregerspektrum wünschte er sich längerfristige Studien, die einen systematischen Ansatz für einen erfolgreichen Leguminosenanbau ermöglichen. Die im Projekt erarbeiteten Empfehlungen seien aber ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg dahin.

Die praxisrelevanten Aspekte wurden in einer Praxisbroschüre aufbereitet, die im Januar erscheint und schon vorab kostenfrei bei der Herausgeberin BLE bestellt werden kann: Telefon: 0228 6845-3280 / Telefax: 0228 6845-2907 / E-Mail: boeln@ble.de